Locke

(/Behandlung der Rente und des Zinses vom Standpunkt der buergerlichen Theorie des Naturrechts/)

//XX-1291a/ Nimmt man die Doktrin von Locke ueber labour ueberhaupt zusammen mit seiner Doktrin ueber den Ursprung des Zinses und der Rente -- denn nur in diesen bestimmten Formen erscheint bei ihm der Mehrwert -- so ist Mehrwert nichts als fremde Arbeit, Surplusarbeit, zu deren Aneignung Land und Kapital -- die Bedingungen der Arbeit -- ihren Eigentuemer befaehigen. Und das Eigentum von einem groessern Umfang von Arbeitsbedingungen, als eine Person selbst mit ihrer Arbeit verwerten kann, ist nach Locke eine politische Erfindung, die mit der naturrechtlichen Basis des Privateigentums //1292a/ in Widerspruch steht.

</Bei Hobbes ist auch die Arbeit die einzige Quelle alles Reichtums, ausser den Naturgaben, die sich gleich in konsumierbarem Zustand vorfinden. Gott (nature) "gibt entweder unentgeltlich oder verkauft dem Menschengeschlecht gegen Arbeit" ("Leviathan", (/p.232./)). Aber bei Hobbes ist es der Souverain, der nach Belieben Eigentum an Land verteilt./>

Die bezueglichen Stellen sind folgende:

"Obwohl die Erde und alle niederen Geschoepfe allen Menschen gemeinsam gehoeren, so besitzt dennoch jeder Mensch in seiner eigenen Person ein Eigentum, auf das niemand als er selbst ein Anrecht hat. Wir koennen sagen, die Arbeit seines Koerpers und das Werk seiner Haende gehoeren ihm. Alles, was er aus dem Zustand herausbringt, in dem es die Natur geschaffen und belassen hat, hat er mit seiner Arbeit vermischt und mit etwas verbunden, das ihm gehoert; und auf diese Weise macht er es zu seinem Eigentum." ((/Locke,/) "Of Government", b. II, ch.V; Works, 1768, v. II, 7th edit. p.229.)

"Seine Arbeit hat as aus den Haenden der Natur genommen, wo es Gemeingut war und gleichmaessig allen ihren Kindern gehoerte, und hat es sich dadurch angeeignet." (l.c. p.230.)

"Das gleiche Naturgesetz, das uns auf diese Weise Eigentum gibt, begrenzt auch dieses Eigentum ... Soviel wie jemand verwenden kann, was seinem Leben irgend nuetzlich ist, bevor es verdirbt, soviel darf er durch seine Arbeit in Eigentum verwandeln; was darueber hinausgeht, ist mehr als sein Anteil und gehoert anderen." (l.c.)

"Aber das Hauptobjekt des Eigentums sind jetzt nicht die Fruechte der Erde" etc., "sondern die Erde selbst ... Soviel Land, wie ein Mann bestellt, bepflanzt, bebaut, kultiviert und die Produkte daraus verwenden kann, soviel ist sein Eigentum. Durch seine Arbeit grenzt er es gleichsam von dem Gemeingut ab." (l.c. p.230) "Unterwerfung oder Bebauung dar Erde und Herrschaft ueber sie sind, wie wir sehen, untrennbar verbunden. Das eine gab den Anspruch auf das andere." (p.231.) "Das Mass des Eigentums hat die Natur richtig festgesetzt durch den Umfang der menschlichen Arbeit und die Annehmlichkeiten des Lebens: Keines Mannes Arbeit koennte alles bezwingen oder sich aneignen; auch koennte fuer die Befriedigung seines Genusses nicht mehr als ein kleiner Teil konsumiert werden; so dass es fuer jedermann unmoeglich waere, auf diese Weise in die Rechte eines anderen ueberzugreifen oder sich zum Nachteil seines Nachbars ein Eigentum zu verschaffen ... Dieses Mass beschraenkte in fruehen Zeiten jedermanns Besitz auf einen recht bescheidenen Anteil, auf soviel, wie er sich aneignen konnte, ohne jemand zu schaedigen ... Und dasselbe Mass kann, so besetzt die Welt auch erscheinen mag, ohne jemand zu schaden, noch immer zugestanden werden."(p.231, 232.)

Die Arbeit gibt den Dingen fast ihren ganzen Wert </value hier gleich Gebrauchswert, und Arbeit genommen als konkrete Arbeit, nicht als Quantum; aber das Mass des Tauschwerts durch die Arbeit beruht in der Tat darauf, dass der Arbeiter den Gebrauchswert schafft/>. Der Rest von Gebrauchswert, der nicht aufloesbar in Arbeit, ist Naturgabe, daher gemeinschaftliches Eigentum an und fuer sich. Was Locke daher zu beweisen sucht, ist nicht der Gegensatz, dass (/man/) Eigentum noch durch andre procedures als Arbeit erwerben koenne, sondern wie durch die individuelle Arbeit" trotz dem common property39 an der Natur, individuelles Eigentum geschaffen werden koenne.

"Es ist in der Tat die Arbeit, die die Verschiedenheit des Weites jedes Dings bestimmt... Von den Produkten der Erde, die fuer das Leben des Menschen nuetzlich sind..., sind neunundneunzig Hundertstel ganz auf Rechnung der Arbeit zu setzen." (p.234.) "Es ist also Arbeit, was den groessten Teil des Wertes des Bodens bestimmt." (p.235.) "Obwohl die Dinge der Natur allen gemeinsam gegeben sind, traegt doch der Mensch als Herr ueber sich selbst und Besitzer seiner eigenen Person und deren Handlungen oder Arbeit schon in sich selbst die grosse Grundlage des Eigentums." (p.235.)

Die eine limit ist also die Schranke der persoenlichen Arbeit; die andre dass einer nicht mehr Dinge aufhaeuft, als er benutzen kann. Letztre wird erweitert durch Austausch der vergaenglichen Produkte gegen Geld (abgesehn von dem sonstigen Austausch):

"Er kann von diesen dauerhaften Dingen soviel aufhaeufen, wie ihm gefaellt; das Ueberschreiten der Schranken seines rechtmaessigen Eigentums" </abgesehn von der limit seiner persoenlichen Arbeit/> "liegt nicht in der Groesse seines Besitzes, sondern im Verderb alles dessen, was ihm keinen Nutzen bringt. Und so kam der Gebrauch des Geldes auf, eines dauerhaften Dinges, das man aufheben konnte, ohne dass es verdarb, und das die Menschen durch gegenseitige Uebereinkunft im Austausch //1293a/ gegen die wirklich nuetzlichen, aber leicht verderblichen Mittel zum Leben annahmen." (p.236.)

So entsteht Ungleichheit des individuellen Eigentums, aber Mass der persoenlichen Arbeit bleibt.

"Diese Teilung der Dinge in ungleichen Privatbesitz haben die Menschen, ausserhalb der Grenzen der Gesellschaft und ohne Uebereinkommen, nur dadurch moeglich gemacht, dass sie dem Gold und Silber einen Wert beigelegt und ueber den Gebrauch des Geldes stillschweigend uebereingekommen sind." (p. 237.)

Man muss nun hiermit zusammenstellen folgende Stelle aus Lockes Schrift ueber den Zins40 und nicht vergessen, dass nach ihm das Naturrecht die persoenliche Arbeit zur Grenze of property macht:

"Wir wollen nun untersuchen, wie es" (Geld) "die gleiche Natur erlangt wie der Boden, indem es ein bestimmtes jaehrliches Einkommen liefert, das wir Nutzen oder Zins nennen. Denn der Boden produziert natuerlicherweise etwas Neues und Nuetzliches und fuer die Menschheit Wertvolles; Geld dagegen ist ein unfruchtbares Ding und produziert nichts, uebertraegt aber durch Uebereinkunft den Gewinn, der das Arbeitsentgelt eines Mannes war, in die Tasche eines anderen. Was dies bewirkt, ist die ungleiche Verteilung des Geldes; diese Ungleichheit hat die gleiche Wirkung auf den Grund und Boden, die sie auf das Geld hat ... Denn die ungleiche Verteilung des Bodens ( indem du mehr Land hast, als du bearbeiten kannst oder willst, und ein anderer weniger) verschafft dir einen Paechter fuer dein Land; und dieselbe ungleiche Verteilung des Geldes ..., verschafft mir einen Paechter fuer mein Geld: So ist mein Geld, durch den Fleiss des Borgers, im Geschaeftsleben imstande, diesem mehr als sechs Prozent zu bringen, ebenso wie dein Land, durch die Arbeit des Paechters, imstande ist, groessere Ertraege hervorzubringen, als seine Rente betraegt." (folio ed. of Locke's Works, 1740, vol. II.)41

An dieser Stelle hat L(/ocke/) einerseits das polemische Interesse gegen das Grundeigentum, ihm zu zeigen, dass seine Rente sich durchaus nicht vom Wucher unterscheidet. Aber beide "uebertragen den Gewinn, der das Arbeitsentgelt eines Mannes war, in die Tasche eines anderen" durch die ungleiche Verteilung der Produktionsbedingungen.

Lockes Auffassung um so wichtiger, da sie der klassische Ausdruck der Rechtsvorstellungen der buergerlichen Gesellschaft im Gegensatz zur feudalen und seine Philosophie ueberdies der ganzen spaetren englischen Oekonomie zur Grundlage aller ihrer Vorstellungen diente. /XX-1293a//

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