Tony Cliff

 

China: Die Krise der Sechziger Jahre

(1967)


Tony Cliff, China in Crisis.
Zuerst veröffentlicht im Frühjahr 1967 in International Socialism 29.
Deutsche Übersetzung aus China und die Revolution in der Dritten Welt, Ffm. 1971, S.  137–163.
Die Übersetzung wurde von REDS – Die Roten mit dem Original verglichen und leicht korrigiert und ergänzt.
Transkription: REDS – Die Roten.
HTML-Markierung: Einde O’Callaghan für das Marxists’ Internet Archive.


Auf Stalins Spuren: Der Vorrang der Schwerindustrie

Um die Kräfte zu verstehen, die hinter der „Kulturrevolution“ standen, muß man bei einer Analyse der sozio-ökonomischen Probleme beginnen, mit denen China zu kämpfen hat.

Bis 1957, dem Ende des ersten 5-Jahresplans folgte China dem Stalinschen Modell des wirtschaftlichen Vormarsches: Der Schwerpunkt lag bei der Schwerindustrie zum Nachteil der Leichtindustrie und Landwirtschaft. So erhielt zum Beispiel während des ersten 5-Jahresplanes die Landwirtschaft nur 6,2 % der staatlichen Investitionen, während der Anteil der Industrie 61,8 % betrug. Von dem Anteil, der in die Industrie investiert wurde, waren nur 11,2 % für die Leichtindustrie vorgesehen (d. h. sogar weniger als in Rußland während des ersten 5-Jahresplanes, als die entsprechende Zahl 14,1 % betrug). Sofern sich diese Zahlen auf die Brutto investitionen beziehen, das heißt ohne die Entwertung des existierenden Kapitals in Betracht zu ziehen, ist es zweifelhaft, ob der Plan überhaupt irgendeine Reininvestition in der Leichtindustrie vorsieht.

Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß einer der Hauptfaktoren der sehr hohen industriellen Wachstumsraten in der UdSSR die Tatsache war, daß ein sehr großer Anteil des in der Industrie investierten Kapitals sich mehr in Kapitalgütern als in Konsumgütern niederschlug. Eine Maschine, die Maschinen produziert, spielt eine größere Rolle bei der Organisation des Kapitals als eine Maschine, die, sagen wir, Schuhe für die Bevölkerung produziert.

Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen der Vernachlässigung der Leichtindustrie und der Vernachlässigung der Landwirtschaft in den ersten 5-Jahresplänen sowohl Rußlands als auch Chinas. Wenn die Leichtindustrie, die die Bedürfnisse der Bauern erfüllt, vernachlässigt wird, gibt es für die Bauern wenig Anreiz, die landwirtschaftlichen Erträge ansteigen zu lassen. In Rußland waren die phantastischen Leistungen der Industrie unter Stalin nur möglich durch die erzwungene Kollektivierung und durch die Zwangsablieferungen von Getreide an die Städte, um die neu angeworbene industrielle Arbeiterklasse- die hauptsächlich in der Schwerindustrie beschäftigt war, zu ernähren.

Bereits früh gegen Ende des ersten 5-Jahresplans wurde leider klar, daß Mao nicht einfach Stalins Spuren folgen konnte, daß das sowjetische Entwicklungsmodell nicht nutzbringend auf China übertragen werden konnte. Zunächst war die industrielle Basis, von der Mao ausgehen konnte, viel schmaler als die von der aus Stalin den industriellen Aufschwung in Gang gebracht hatte. Sogar in absoluten Zahlen gemessen, blieb Chinas industrielle Erzeugung in fast jedem Sektor hinter der Rußlands von 1913 zurück. Pro Kopf der Bevölkerung gemessen war China noch schlechter dran, seine Bevölkerung betrug das Vierfache der russischen zu dieser Zeit. Ferner: wie schnell China sich auch industriell entwickelte (und während des ersten 5-Jahresplanes war der Fortschritt eindrucksvoll – eine jährliche Steigerungsrate von 14 %. [1] das Anwachsen der Beschäftigungsmöglichkeiten blieb weit hinter dem Anwachsen der Bevölkerung zurück. So stieg die nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung von 36,5 Millionen 1953 auf 40,9 Millionen 1957, also um 4,4 Millionen. Der durchschnittliche jährliche Anstieg der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft betrug 880.000. Die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter wuchs während des selben Zeitraums um durchschnittlich 4 Millionen pro Jahr, eine Zahl, die möglicherweise auf 5 Millionen von 1958–62 und 7 Millionen von 1963-67 anstieg. Das Ergebnis war, daß die landwirtschaftliche Arbeitskraft nicht abnahm – wie in Rußland unter Stalin – sondern um 75 Millionen anstieg, von 222 Millionen im Jahr 1952 auf 297 Millionen 1957. [2]

Ein dritter Grund zur Besorgnis war seinerzeit die Möglichkeit, daß die Landwirtschaft hinter der sich vervielfachenden Bevölkerung zurückzubleiben drohte. Man muß sich daran erinnern, daß China, bevor Mao an die Macht kam, für mehr als zwei Generationen ein reines Getreideimportland war (anders als Rußland, das vor der Revolution eine Kornkammer für Westeuropa darstellte). Irgendeine Störung im unsicheren Gleichgewicht der Getreideversorgung – entweder ein Abfallen in der Produktivität der Landwirtschaft oder auch Fehlschlag im Wettlauf mit dem Bevölkerungswachstum – würde schwere Schäden anrichten, zumal der Spielraum oberhalb des Minimalertrages, der notwendig war, um eine Hungersnot zu verhindern, unendlich gering war.

Mit dem Zurückbleiben der landwirtschaftlichen Erträge hinter dem Bevölkerungswachstum wurde es für Mao immer schwieriger, an landwirtschaftliche Überschüsse zu kommen, um damit die Städte zu ernähren, sowie für den Export ins Ausland, um die notwendigen Mittel für den Import von Maschinen und dergleichen zu erhalten. Staatliche Zwangsbeschaffung und die Besteuerung in Naturalien, die sich beide im Landwirtschaftsjahr 1953–54 zusammen auf 29,12 % der gesamten Getreideproduktion beliefen, fielen in den Jahren 1956–57 auf 25,15 %. [3]

Aber darüber hinaus gab und gibt es noch andere grundlegende Ursachen, warum die Methoden der zwangsweisen Umleitung der landwirtschaftlichen Erträge vom Land in die Stadt sich in China nicht so effektiv auswirken konnten wie in Rußland. Das Scheitern der Zwangsablieferungen in China wurde 1957 vorausgesagt:

In Rußland garantiert die Staatskontrolle über die Maschinen- und Traktorstationen, daß ein großer Anteil der bäuerlichen Produktion an den Staatsschatz geht, um Kapital für die Industrialisierung zu schaffen.

In China konnte die Rolle der Maschinen- und Traktorstationen – auch an den wenigen Orten, wo es sie überhaupt gibt – nicht eine solche beherrschende, intensivierende sein, besonders, da intensive Landwirtschaft, vor allem Getreideanbau nicht in solchem Maße von der Mechanisierung abhängig ist, und auch nicht sein könnte. Die Umkehrung dieser größeren Bedeutung der menschlichen Arbeit ergibt, daß der Wille zu arbeiten, die Sorgfalt und der Eifer bei der Produktion in Chinas Landwirtschaft eine viel größere Rolle spielt als in der russischen. Zwangsablieferungen waren, zusammen mit der Betonung der Schwerindustrie, unweigerlich eine kalte Dusche für die Wünsche der Bauern, die Produktion zu steigern: man hindert ihn nicht nur daran, mehr zu essen, sondern bietet ihm auch keine Konsumgüter an, um ihn anzureizen, seine Überschußerträge zu verkaufen. Und ohne Anreiz sind Ertragssteigerungen aus intensivierter Landwirtschaft unwahrscheinlich. Die Folgerung, daß das Modell der russischen Kollektivierung sich für China wohl kaum als geeignetes Orientierungsmaß erweisen wird gewinnt Unterstützung aus der wirtschaftlichen Geschichte der beiden Länder ... seit die chinesische Landwirtschaft abhängig von der Bewässerung wurde, trat an die Stelle der Leibeigenschaft eine bäuerliche Wirtschaft, auf der Basis des Privateigentums. Wie ausgebeutet und unterdrückt der Bauer auch gewesen sein mag, er wurde nicht mit der Peitsche zur Arbeit getrieben. Im Gegensatz hierzu waren die Leibeigenschaft und die Peitsche des Feudalherrn, für mehr als tausend Jahre die herausragenden Züge der ländlichen Gesellschaft in Rußland mit seiner extensiven Landwirtschaft. [4]

1958 versuchte Mao aus den beschriebenen Widersprüchen durch einen neuen Gewaltmarsch auszubrechen.

 

 

„Auf beiden Füßen gehen“

Die Volkskommunen und der Große Sprung nach vorn liefen unter der Parole „Auf beiden Füßen gehen“ – die Landwirtschaft sollte mit der Industrie Schritt halten. Die Ziele des „Großen Sprungs nach vorne“ können folgendermaßen zusammengefaßt werden:

  1. Die landwirtschaftlichen Erträge sollten gesteigert und radikal umverteilt werden, um höhere Überschüsse abzuschöpfen;
     
  2. Das Angebot an Arbeitsplätzen sollte erweitert werden, nicht nur in der Großindustrie, sondern auch in der Landwirtschaft, bei Bauarbeiten auf dem Land, sowie in der Kleinindustrie und im Handwerk;
     
  3. landwirtschaftliche Produkte sollten für die überschüssige Bevölkerung abgezweigt werden. Diese sollte in unmittelbarer Nähe der Bauern leben und mit Arbeiten beschäftigt werden, die offensichtlich zu deren Einkommen etwas beitrugen; die Bauern sollten diese Leute unmittelbar ernähren; damit sollten die Schwierigkeiten überwunden werden, Lebensmittel auch für die zu beschaffen, die vom Land in die Stadt abgewandert waren.

Um diese großen Aufgaben zu erfüllen, wurde mit großem und heroischem Aufwand das einzigartige Experiment der Volkskommunen gestartet. Millionen von Menschen wurden auf dem Land mobilisiert, um an der Wasserspeicherung zu arbeiten. In den Jahren 1949–52 arbeiteten ungefähr 20 Millionen an der Wasserspeicherung [5] aber über das Jahr 1957 und 1958 berichtete der stellvertretende Ministerpräsident Po I-po (im Februar 1958): „Im Moment arbeiten fast 100 Millionen Menschen täglich bei der Bewässerungsarbeit“, im Durchschnitt jeder 100 Tage. [6] Millionen wurden mobilisiert, um Hochöfen zu bauen, und 60 Millionen wurden zum Eisenschmelzen und zur Stahlerzeugung angestellt. [7]

Jedoch der Große Schritt vorwärts endete im Chaos. [1*]

 

 

Die dritte Kehrtwendung: Priorität für die Landwirtschaft

Wieder einmal mußte Peking seinen Kurs ändern. Aus dem völligen Schweigen der chinesischen Führung über die erzielten oder auch nur geplanten Erträge seit 1959 wird ersichtlich, daß der Große Sprung nach vorn in einem Desaster endete. Diese Verschwiegenheit hinsichtlich statistischer Angaben ist um so bemerkenswerter, als Peking zuvor gar nicht genug Statistiken veröffentlichen konnte – bis hin zur Anzahl getöteter Fliegen. Die einzig plausible Erklärung für dies plötzliche Schweigen: die entsprechenden Zahlen waren zu ungünstig.

Der erste klare Hinweis auf die Dritte Kehrtwendung tauchte auf im Bericht von Li Fi-chiun vor dem Nationalen Volkskongreß im März 1960. Er entwickelte die Vorstellung, daß die Landwirtschaft die Grundlage der Wirtschaft bilden solle, auf der sich dann die Industrie beschleunigt entwickeln könne. [8] Aber noch deutete nichts darauf hin, daß die bislang grundlegende Politik, nach der das Hauptgewicht auf der Entwicklung der Schwerindustrie lag, geändert worden wäre. Im Herbst 1960, als die Ernte-erträge weit hinter den Erwartungen zurückblieben, wurde schließlich eine weitere politische Umorientierung sichtbar. Ende September wurde eine Bewegung „alle Kräfte des Volkes für die Landwirtschaft“ von den Kadern im ganzen Land mit größter Intensivität vorangetrieben. [9] Damit war die völlige Abwendung von der nationalen Bewegung „alle Kräfte für die Eisen- und Stahlproduktion“, wie sie im Spätsommer 1958 proklamiert worden war, vollzogen.

Im Januar 1961 gab Li Fu-chiun in seinem Bericht auf dem 8. Plenum des ZK zu, daß die landwirtschaftliche Produktion 1960 hinter den Planungen zurückgeblieben sei, aufgrund von „schweren Naturkatastrophen“ im Jahr 1959 und „Naturkatastrophen“ im Jahr 1960, wie es sie seit 100 Jahren nicht gegeben habe. Daher verstärkte das Plenum seine Aufforderung: „Die ganze Partei und das ganze Volk in die Landwirtschaft“. Außerdem entschied das Plenum, daß „aufgrund der gewaltigen Entwicklung in der Schwerindustrie in den letzten drei Jahren – die Produktion der wichtigsten Güter habe die Planziffern für 1961 und 1962 bereits weit überschritten – der Aufbau der Grundindustrie seinem Umfang nach eingeschränkt werden solle„. Die neue Generallinie der Wirtschaftspolitik hinsichtlich des industriellen Aufbaus hieß „Wiederherstellung, Konsolidierung, Verstärkung und Verbesserung“. [10]

Tschou En-Lais Bericht am 27.3.1962 auf dem Nationalen Volkskongreß mit dem Titel Die Wiederherstellung der Volkswirtschaft und unsere unmittelbaren Aufgaben formulierte 10 unmittelbare Aufgaben, von denen drei direkt die Industrie betrafen:

Aufgabe 3: Weitere Beschränkung der „basic construction front“ und Umleitung der Rohstoffe, Ausrüstung und Arbeitskraft dorthin, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Aufgabe 4: Angemessene Verringerung der städtischen Bevölkerung, sowie der Arbeiter und Funktionäre. Als erste Maßnahme sollen diejenigen Arbeiter und Funktionäre, die vom Land kommen, wieder dorthin zurückgeschickt werden, um in der Landwirtschaft zu arbeiten, um die landwirtschaftliche Front zu stärken.

Aufgabe 10: Weitere Verbesserung der Planungsarbeit und der Versuch, ein Gleichgewicht zwischen allen Wirtschaftszweigen herbeizuführen, und zwar entsprechend der absteigenden Reihenfolge in der Vorrangig- keit von Landwirtschaft, Leicht- und Schwerindustrie. [11]

Daß nach dem Rückzug vom „Großen Sprung nach vorn“ wohl tatsächlich eine große Verschiebung im Gleichgewicht der Wirtschaft von der Industrie hin zur Landwirtschaft stattfand, geht aus der folgenden Schätzung des Bruttosozialprodukts in China und seiner Zusammensetzung hervor [12]:

Chinas Bruttosozialprodukt
(in Preisen von 1952)

1957

1959

1962

Insgesamt (in Millionen Yen):

95,2

110,5

82,7

Prozentsätze

1. Landwirtschaft

39,2

32,2

47,1

2. Moderne Industrie

20,3

29,5

14,5

3. Handwerk

5,7

5,3

6,4

4. Sonstige

34,8

33,0

32,0

 

 

Entspannung in der Landwirtschaft

Nach dem Ende des „Großen Sprungs nach vorn“ setzte eine bemerkenswerte Lockerung der staatlichen Kontrolle in der Landwirtschaft ein. Die Volks kommunen sind in vielen Orten zu leeren Hülsen geworden während die kleinen Produktionsteams und die privaten Parzellen der Bauern die bedeutendsten Produktionsfaktoren waren.

1958 waren alle chinesischen Bauern in 24.000 Kommunen organisiert, bei einem Durchschnitt von über 20.000 Menschen pro Kommune. Das ganze bäuerliche Land und andere Produktionsmittel wie Viehbestand und Pflüge wurden zum Gemeineigentum der Kommune erklärt, die – neben der Leitung der Landwirtschaft – die Aufgabe haben sollte, industrielle Unternehmungen, soziale und Erziehungsinstitutionen wie Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser zu besitzen und zu verwalten. Alle Mitglieder der Kommune sollten in einer Anzahl von gemeineigenen Hallen verpflegt werden. Die Kommune wurde so zur politisch-militärischen Grundeinheit von Staat und Partei erklärt.

Das Kommuneeigentum an praktisch allen Produktionsmitteln galt nur als Übergang zum Staatseigentum. „Dieser sollte an manchen Orten schon bald – nach zwei oder drei Jahren – andererorts erst später – nach fünf, sechs oder noch mehr Jahren – zum Abschluß gebracht weräen. [13] Der Übergang zum vollständigen Kommunismus in ganz China erschien am Horizont.

Die Volkskommunen sind die beste Organisationsform zur Erreichung des Sozialismus und zum schrittweisen Übergang zum Kommunismus. Sie werden sich zu sozialen Grundeinheiten in der kommunistischen Gesellschaft entwickeln. Es scheint, daß die Erreichung des Kommunismus in China nicht länger ein entferntes Ereignis der Zukunft ist. Wir sollten aktiv die Form der Volkskommunen gebrauchen, um den praktischen Weg zum Übergang zum Kommunismus zu erforschen. [14]

In der Straffung der Kontrolle über die Bauern wurde den Elementen des Privateigentums ein Ende gesetzt, die es noch immer in den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften gab.

Um den „Großen Sprung“ zu verwirklichen, wurden große Anstrengungen gemacht, die Rate der Kapitalakkumulation in den Kommunen zu steigern. So empfahl die Volkszeitung daß 30–40 % des Nettoeinkommens der Kommunen als Reserve „die nächsten paar Jahre“ angelegt werden sollten. [15] Jedoch währte die Flut des Kommuneaufbaus nur einige kurze Monate, dann kam die Ebbe. Ein Wendepunkt wurde im August 1959 erreicht, als ein Plenum des ZK die Kommunebewegung wegen ihrer „Tendenz zur Über-Zentralisierung, Gleichmacherei und Extravaganz“ kritisierte. [16] Ein Produktionsteam von ungefähr 10–20 Familien wurde nun als Grund-Rechnungs- und Produktionseinheit vorgesehen.

Keine Rede war mehr vom bevorstehenden Übergang vom Kommunevermögen zum völligen Staatseigentum. Im heftigen Fieber des Kommuneaufbaus waren auf das Versprechen hin, daß die Kommune für alle Bedürfnisse sorgen werde, alle Gartenparzellen, Vieh und anderer Privatbesitz enteignet worden. Mit dieser Kehrtwendung jetzt sollte individuelle Initiative und Arbeit wieder eine bedeutsame Rolle spielen. Kleine Stücke Land wurden an die einzelnen Haushalte zum privaten Anbau zurückgegeben. Ferner „sollte es den Mitgliedern der Kommune ermöglicht werden, ihre Freizeit dazu zu verwenden, Getreide, Melonen, Gemüse, und Obstbäume anzubauen und kleineres Hausvieh und Geflügel auf Brach- und Ödland zu halten.“ [17]

Als Folgeerscheinung begann jetzt der individuelle Anbau eine ganz beträchtliche Rolle im Leben der Bauernschaft zu spielen. Man stellte z. B. in der Kommune P’enghsing (in der Provinz Hupeh) fest, daß der Anteil der individuellen Landwirtschaft im Gesamteinkommen der Mitglieder der Produktionsbrigaden bei einer Brigade 36,38 %; bei einer zweiten 28 %; bei einer dritten Brigade 19,76 % betrug. [18] In der Volkskommune Hsiaokang, in Hupeh, stieg der individuelle Anteil der Bauern am Schweineverkauf auf 65 % und auf 95 % beim Hühner- und Eierverkauf. [19] Eine Zeitung bemerkte, daß 1965 70 % der landwirtschaftlichen Nebenproduktion auf privaten Parzellen angebaut wurde. [20] Da das Einkommen aus der Nebenproduktion über 60 % des gesamten Einkommens der Landwirtschaft ausmacht [21], muß daraus gefolgert werden, daß das Einkommen aus den privaten Parzellen so viel wie 40 % des gesamten Einkommens aus der Landwirtschaft beträgt.

Die Bauern waren nun nicht länger verpflichtet, auf Kommunebetrieben zu arbeiten. So entschied z. B. das Provinzkomitee der kommunistischen Partei von Kwantung, daß es „den Kommunebetrieben (einschließlich die der Kategorien Industrie, Kommunikationswesen, Waldwirtschoft, Viehzucht, Nebenproduktion und Fischzucht) in der Regel nicht erlaubt ist, mehr als 8 % der Arbeitskraft der Produktionsbrigaden heranzuziehen.“ [22]

Die Produktionsbrigaden durften jetzt nur noch bis zu 3 % ihres Einkommens für die Akkumulation abziehen. [23] Das Spektakel über die „kommuneeigene Industrie“ verstummte gänzlich. Nun erfahren wir:

Um Kommuneindustrie in Gang zu setzen, sollten die ländlichen Volkskommunen sich hauptsächlich auf die Profite der Kommunebetriebe und Kommune-Reservefonds stützen und nicht Geldmittel von oben (vom Staat) oder von unten (von den Brigaden) erwarten. Unter den gegenwärtigen Bedingungen sollte die Kommuneindustrie generell nicht mehr als 2 % der gesamten Zahl der Arbeiter in den Produktionsbrigaden aufnehmen. [24]

Zur Zeit des „Großen Sprungs nach vorn“ wurde berichtet daß der Aufbau der Volkskommunen der Partei helfe, das bäuerliche Land unter Kontrolle zu halten. „Warum sagen wir dann, daß mit der Einrichtung der Volks- kommunen die Parteiführung gestärkt werde? ... eine hoch zentralisierte Großorganisation ist natürlich leichter zu führen als eine verstreute kleinere Organisation ...“ [25] Jetzt mit dem großen Rückzug, kam es zu einem Nachlassen der Parteikontrolle über das Land.

 

 

Nachlassen der Kontrolle über die Führung der Industrie

Während des „Großen Sprungs nach vorn“ wurde die Autorität der Parteikomitees auf lokaler und betrieblicher Ebene verstärkt. Ein System der „engen Koordination zwischen Betriebsleitung, Arbeitern, technischem Personal und dem Verwaltungs-Apparat unter der Führung der betrieblichen Parteikomitees“ wurde eingeführt. [26] Der Sekretär des Parteikomitees wurde in jeder Hinsicht zum Hauptleiter des Betriebes. Der Nachdruck lag, wie es die Presse damals ausdrückte, auf „roter Gesinnung“ nicht auf „Fachkenntnissen“.

Jedoch mußte die Politik sich ändern, als der „Große Sprung nach vorn“ Rückschläge erlitt. Im April 1959 formulierte der Wetterfrosch Tschou En Lai das so:

Jeder Industriebetrieb muß das System durchsetzen, wonach der Betriebsleiter unter der Führung des Parteikomitees die Verantwortung übernimmt. [27]

Einige Zeit später jedoch, gegen Ende 1960, tauchten die Manager wieder auf als die anerkannten „Unternehmensleiter“ [28] Auf diese Weise verschob sich das Stück Gewicht zugunsten der „Fachleute“ auf Kosten der Partei.

Später, am 10. Aug. 1961, machte Marshall Tschen Ji, der Außenminister, die Betonung von „Fachwissen“ statt „roter Gesinnung“ noch klarer:

Wir sollten gegenwärtig unsere Anstrengungen auf spezialisierte Forschung richten, andernfalls wird unser Land in Wissenschaft und Kultur immer rückständig bleiben. In den frühen Jahren der Befreiung war es für die Partei und die Regierung vollkommen notwendig, den Nachdruck auf das politische Studium zu legen. Jetzt ist für uns die Notwendigkeit da, ... eine große Zahl von Spezialisten auszubilden. Anstrengungen zu machen im Studium seines speziellen Fach- gebietes ist die politische Aufgabe des Studenten ... die Studenten sollten den größten Teil ihrer Zeit und ihrer Anstrengungen dem Fachstudium widmen. Natürlich sollten diese Studenten auch Politik studieren, um sich selbst mit einem bestimmten Maß an politischem Bewußtsein auszurüsten ... [29]

Nach 1961 wurden alle Gesichtspunkte der „unabhängigen Vollmacht der Manager“ verstärkt und es wurde klargemacht, daß es dem Unternehmensleiter oblag, mit dem ihm anvertrauten Kapital und mit der ihm vom Staat zugewiesenen Aufgabe, richtige ökonomische Entscheidungen zu treffen. [30] Die Einflußsphäre der Partei schrumpfte radikal und die Moral der Parteikader litt entsprechend.

 

 

Intellektuelle Entspannung und Maos Rückzug

Die Intellektuellen nutzten nicht nur die begrenzte Liberalisierung zwischen 1960 und 1962, um die Partei und ihre Politik des „Großen Sprungs nach vorn“ zu kritisieren, sondern sie widersetzten sich auch den darauffolgenden Bestrebungen, diese Politik umzumodeln. Mao selbst sah sich genötigt, auf ihre Hartnäckigkeit einzugehen. Wie inzwischen bekannt geworden ist, erklärte er 1963, daß auf kulturellem Gebiet „im Hinblick auf die sozialistische Umgestaltung noch sehr wenig erreicht worden sei.. War es nicht absurd, daß sich viele Kommunisten für die Verbreitung feudaler und kapitalistischer Kunst begeisterten, aber keinerlei Enthusiasmus zeigten, die sozialistische Kunst zu fördern.“ 1964 beklagte Mao, daß die meisten Verbände literarischer und künstlerischer Arbeiter, sowie ihre Publikationsorgane „nicht die Politik der Partei zum Ausdruck gebracht und als allmächtige Bürokraten gehandelt hätten, nicht in Kontakt mit den Arbeitern, Bauern und Soldaten gestanden und nicht die sozialistische Revolution und den sozialistischen Aufbau weitergegeben hätten. In den letzten Jahren seien sie sogar auf die Bahn des Revisionismus geraten. Ohne ernsthafte Maßnahmen zu ihrer Umorientierung würden sie in Zukunft zwangsläufig zu Gruppen werden wie der Petöfi-Club in Ungarn.“ [31]

Ein bedeutsamer Ausdruck des allgemeinen Nachlassens der Parteikontrolle über Landwirtschaft, Industrie und Intellektuelle war Maos Aufgabe des Amtes als Staatspräsident der VR China. Diesen Posten übernahm Liu Schao-tschi, während Mao lediglich Parteivorsitzender blieb. Wie weit der Rückzug der Partei ging und wie sehr sie ihr Selbstvertrauen und ihre Gelassenheit eingebüßt hatte, zeigt die Tatsache, daß mehrere Jahre hindurch kein Plenum des ZK einberufen wurde: Die 10. Sitzung des achten ZK fand im September 1962 statt, die 11. Sitzung erst vier Jahre später im August 1966. (Der Artikel 33 der Parteisatzung von 1945 schreibt regelmäßige ZK-Sitzungen im Abstand von 6 Monaten vor!)

 

 

Bucharinismus erhebt sein Haupt

Die Periode nach dem „Großen Sprung nach vorn“ weist zahlreiche Paralle- len zur russischen NEP-Periode auf. Von 1924–28 wurde in Rußland eine bemerkenswerte wirtschaftspolitische Diskussion geführt. (Ein hervorragender Bericht darüber findet sich in Erlichs Buch. [32]) Eine der Hauptpersonen bei dieser Debatte war Nikolai Bucharin, der innerhalb der Partei, bei weitem die beste ökonomische Ausbildung hatte. Seine Argumente sind nahezu wörtlich von chinesischen Ökonomen seit 1961 wiederholt worden (wenngleich ein direkter Einfluß bezweifelt werden muß).

Bucharin vertrat die Auffassung, daß die Frage des Verhältnisses von Landwirtschaft und Industrie das zentrale Problem der Sowjetwirtschaft in der Mitte der zwanziger Jahre sei, und daß die Entwicklung der Industrie von der Entwicklung der Landwirtschaft abhängig sei. Durch Gewährung von Anreizen, durch Preissenkungen der von der Landwirtschaft benötigten Industrieprodukte sowie relativ günstigere Erlöse beim Verkauf landwirtschaftlicher Produkte, solle die landwirtschaftliche Produktion gefördert werden. Er wandte sich mit allem Nachdruck dagegen, die Austauschrelationen zum Nachteil der Bauern zu verändern, um damit im Interesse einer beschleunigten Kapitalakkumulation in der Industrie Mittel aus der Landwirtschaft in die Industrie umzuleiten. Diese Methode war von Preobrashenski, Bucharins konsequentester Gegner unter der Bezeichnung „ursprüngliche Akkumulation“ vorgeschlagen werde. Darunter verstand dieser

die Akkumulation materieller Ressourcen, die sich noch außerhalb des Systems der staatlichen Wirtschaft befanden, in den Händen des Staates. Diese Akkumulation muß in einem unterentwickelten Agrarland mit Notwendigkeit eine gewaltige Rolle spielen ... Daher muß diese gesamte Phase als die Periode der ursprünglichen oder vorbereitenden sozialistischen Akkumulation bezeichnet werden. [33]

Bucharin argumentierte, daß bei einer Verschlechterung der Austauschverhältnisse, zuungunsten der Landwirtschaft die Gefahr bestehe, daß die Bauern den Markt boykottieren, die Lieferungen in die Städte einschränken und den Zustand der Selbstversorgung bevorzugen. In diesem Zusammenhang grub Bucharin Guizots berühmtes „Enrichissez-Vous“ (bereichert euch) aus, das ihn noch jahrelang verfolgen sollte:

Wir müssen der gesamten Bauernschaft, all ihren Schichten, sagen: werdet reich, akkumuliert, entwickelt eure Wirtschaft. [34]

Bei der industriellen Entwicklung sollte nach Bucharin das Schwergewicht auf die Leicht- und nicht auf die Schwerindustrie gelegt werden.

Wir glauben, daß die Formel, die ein Maximum an Investition in der Schwerindustrie fordert, nicht ganz richtig, oder eher ganz unrichtig, ist. Wenn wir die Hauptbetonung auf die Entwicklung der Produktionsmittel legen müssen, müssen wir diese mit einer entsprechenden Ausdehnung der Leichtindustrie verbinden, die einen schnelleren Umsatz hat und innerhalb einer kürzeren zeit die Ausgaben zurückzahlt. Wir müssen versuchen, die optimale Kombination der beiden zu finden. [35]

Schließlich ist „unsere Wirtschaft für den Konsum da“, erklärte Bucharin, „und nicht der Konsument für die Wirtschaft“. [36]

Wenn aber das Industrialisierungstempo bestimmt wird durch die Unterordnung unter die in der Landwirtschaft gemachten Fortschritte, während die Schwerindustrie der Leichtindustrie untergeordnet wird, ist es gerade von Nachteil, wenn die Industrie schleichend vorankommt. Das ist unvermeidlich:

>Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, daß wir den Sozialismus sogar auf diesem dürftigen technologischen Niveau aufbauen können ... daß die Entwicklung im Schneckentempo vorangeht, aber daß wir den Sozialismus dabei aufbauen können und aufbauen werden. [37]

Es ist wirklich ungeheuerlich, wie Bucharins Argumentation in China nach 1962 praktisch in jeder Einzelheit wieder auflebte. Vor allem verkündeten eine ganze Reihe chinesischer Ökonomen, daß das Tempo der industriellen Entwicklung von der Landwirtschaft her bestimmt werden müsse:

Die Landwirtschaft als Basis der Volkswirtschaft erfordert, daß alle Produktionsabteilungen einschließlich derjenigen der Industrie, alle Baueinheiten, alle Kulturellen und Ausbildungsvorhaben in Übereinstimmung gebracht werden müssen mit den aktuellen Bedingungen der landwirtschaftlichen Produktion als dem Ausgangspunkt. Außerdem muß der Menge des zur Verfügung stehenden Getreides, der industriellen Rohstoffe sowie der Größe der Märkte und des Arbeitskräfteangebots im Hinblick auf die Möglichkeiten der Landwirtschaft Rechnung getragen werden. Mit anderen Worten: Es gibt kein gesellschaftliches Unternehmen, das sich von diesen durch die Landwirtschaft geschaffenen Bedingungen loslösen kann ... Die Landwirtschaft spielt eine entscheidende Rolle für eine günstige oder ungünstige Entwicklung der Volkswirtschaft und schließlich auch des gesamten gesellschaftlichen Lebens ... Erst wenn die Landwirtschaft ihre Bedeutung wiedererlangt hat und damit die Möglichkeit ihrer Ausdehnung gegeben ist, sind die Voraussetzungen für eine günstigere Entwicklung von Industrie, Kommunikation und Transport sowie Kultur und Erziehung gegeben ... Für die Aufstellung nationaler Wirtschaftspläne sollte die Rangfolge Landwirtschaft, Leichtindustrie und Schwerindustrie gelten. [38]

Die chinesischen Ökonomen gingen hinsichtlich der Unterordnung der industriellen unter die landwirtschaftliche Entwicklung sogar noch weit über Bucharins Vorstellungen hinaus. Einige von ihnen argumentierten, daß für einen längeren Zeitraum der Fortschritt der industriellen Entwicklung, Arbeitskräfte in den Städten freisetzen solle, um sie für das Land verfügbar zu machen, und nicht zu der sonst eher üblichen entgegengesetzten Entwicklung der Bevölkerungsbewegung führen dürfe.

Die Produktivität der Arbeit in der Industrie und im Bergbau muß erhöht werden, Arbeitskräfte müssen eingespart werden, die Anzahl der Arbeiter und Angestellten muß verringert werden und die Bevölkerung der Städte muß abnehmen. Auf diese Weise wird dann durch einen Bevölkerungsstrom aufs Land das Arbeitskräftepotential der Landwirtschaft erhöht, die landwirtschaftliche Front gestärkt und die Agrarentwicklung beschleunigt. [39]

Die Austauschverhältnisse, die sich in der Geschichte gegen die Bauern ausgewirkt haben, sollen nun gründlich zu deren Gunsten verändert werden. Während Preobrashenski sich dafür einsetzte, Überschüsse der Landwirtschaft abzuschöpfen, um sie der Industrie nutzbar zu machen und Bucharin eine Parallelentwicklung von Industrie und Landwirtschaft vorschlug, gingen die chinesischen Ökonomen noch weiter und befürworteten einen Kapitaltransfer von der Industrie zur Landwirtschaft:

In unserem Land wird unter den gegenwärtigen Bedingungen, soweit es sich um die Quelle der Akkumulation handelt, mehr von der Industrie als von der Landwirtschaft abgeschöpft – und zwar in beschleunigtem Tempo, – da die Wachstumsrate und die Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Industrie höher liegen als in der Landwirtschaft. Hinsichtlich der Bereiche der Akkumulation wird die für die Landwirtschaft erforderliche Akkumulation schneller wachsen als die für die Industrie benötigte, da das agrarische Produktionsniveau gegenwärtig immer noch sehr niedrig ist ebenso wie die Arbeitsproduktivität. So muß der Staat das Schwergewicht eines ökonomischen Handelns auf die landwirtschaftliche Produktion legen und dort stark investieren sowie diesen Bereich maximal mit materiellen Ressourcen versorgen, um auf diese Weise die Rückständigkeit der Landwirtschaft so bald wie möglich zu überwinden und es ihr ermöglichen, den Entwicklungserfordernissen aller Zweige der Volkswirtschaft zu entsprechen. [40] [2*]

Indem er Bucharins Worte, daß „die Industrie für den Konsumenten da ist und nicht der Konsument für die Industrie“ und daher die Schwerindustrie der Leichtindustrie unterzuordnen sei, praktisch wiederholte, schrieb ein chinesischer Okonom:

Sollten unter normalen Verhältnissen zunächst die Konsumbedürfnisse der Bevölkerung im ganzen Land durch entsprechende Maßnahmen einer Erfüllung näher gebracht werden, um dann, wenn möglich, die Bedingungen für Akkumulation zu schaffen? Oder sollten die entsprechenden Maßnahmen erst dann ergriffen werden, wenn die Akkumulation gesichert ist? In Übereinstimmung mit dem grundlegenden Ziel sozialistischer Produktion sollte das erste und nicht das letzte geschehen. [41]

 

 

Mao hält nicht viel vom Bucharinismus

Die chinesische Neo-NEP vergrößerte die Kluft zwischen Reich und Arm, entwickelten und zurückgebliebenen Gebieten und Dörfern, und sie ließ die Einkommen der Fabrikmanager, Techniker und reicheren Bauern steigen.

Dabei ist die Neo-NEP mit den größten Gefahren für einen Teil der Bürokratie verbunden. Sie schwächt die Parteikontrolle und könnte langfristig ihre starre Einheitlichkeit untergraben und womöglich die Partei unter Druck von Sonderinteressen zersplittern. Ihre Fortsetzung würde auch jede Großmachtbestrebungen zunichte machen, die China schnell zu einem Land mit Schwerindustrie und mächtigem militärisch-industriellen Apparat machen sollen.

Die Alternative zum Bucharinismus, d. h. der Fortsetzung der NEP, ist durch die Geschichte Rußlands geliefert worden – als Stalin mit Bucharin brach und verstärkt die Industrialisierung und Kollektivierung durchführte und dadurch die strenge Reglementierung der Arbeiter und Bauern noch verschärfte. Wenn Mao aber jetzt versucht, denselben Weg zu gehen, stehen ihm noch viel größere Hindernisse im Weg, als es bei Stalin der Fall war (man sollte dabei nicht vergessen, wie schwierig die Entwicklung in Rußland war). Einmal gibt es die oben erwähnten objektiven Faktoren (Mao verfügt über eine viel schmalere industrielle Ausgangsbasis für seine Industrialisierung als Stalin; die landwirtschaftlichen Erträge sind niedriger; der Bevölkerungsdruck ist groß; intensiver Reisanbau läßt sich nur schwer kontrollieren, usw.); weitere Hindernisse ergeben sich aus der Tatsache, daß die Verwaltungsstruktur in China einem leichten Sieg des Zentrums über zentrifugale Tendenzen nicht entgegenkommt. Weil die Kommunisten in den verschiedenen Provinzen an der Spitze vorrückender Armeen an die Macht kamen, hat es auch nicht die weitgehende, wenn auch nicht vollständige Trennung des Personals von Partei-, Armee-, Polizei- und Staatsverwaltung, wie sie in Rußland existierte, gegeben.

Vor 1949 war es schwierig, zwischen Partei- und Militärführern zu unterscheiden, weil es oft praktiziert wurde, daß dieselben Leute Militär-, Partei- und Staatsämter zur selben Zeit innehatten. Nach 1949 wurde diese Praxis in den militärischen und administrativen Komitees fortgeführt. Praktisch alle Parteiführer haben einen militärischen Rang: General Mao Tse-tung, General Tschou En-Lai, General Teng Hsiao-p’ing (Generalsekretär der Partei), Marschall Tschen Ji (Außenminister) usw. Die regionalen militärischen Befehlshaber zeigen eine eindrucksvolle Kontinuität, wenn man ihre militärische Laufbahn nach der Befreiung und vor der Einrichtung der Regionen im Jahre 1954 untersucht.

Zehn von dreizehn Befehlshabern in der Periode zwischen 1954 und 1958 (von denen acht noch immer – entweder als Befehlshaber oder als politischer Kommissar – im Amt sind) waren in führenden militärischen Positionen in der Region nach der Befreiung. So war Huang Yüng-sheng, Befehlshaber von Kanton bis 1958 und wieder nach 1962, stellvertretender Befehlshaber und dann Befehlshaber des militärischen Distrikte Kwangsi seit 1954, Tschen Tsai-tao war Befehlshaber von Wuhan seit 1954, hatte den Befehl über den militärischen Distrikt Honan von 1950 an. Zwei weitere, Teng Hua (Sheng-Yang) und Hsieh Fu-chih (Kunming), wurden in ihre militärische Region eingesetzt nach ihrem Dienst in Korea. Nur einer der dreizehn ursprünglichen Befehlshaber, Wang Hsin-ting (Tsinan), wurde direkt von einem Teil Chinas in einen anderen versetzt (von Szechuan nach Shantung) ...

Informationen über politische Kommissare sind weniger bekannt. Es scheint, daß in vielen Fällen seit 1958 die Ämter des Befehlshabers und des Kommissars von den gleichen Personen ausgeübt wurden, daß ihre Funktionen aber getrennt waren und daß der stellvertretende Kommissar zur Zeit des „Großen Sprung nach vorn“ dann zu einem vollen Kommissar aufstieg. (In der inneren Mongolei und in Sinkiang werden die beiden Ämter noch immer von nur einer Person besetzt.) Allgemein gesagt: Die meisten führenden militärischen Offiziere in diesem Bereich sind innerhalb ihrer besonderen Region seit den frühen fünfziger Jahren fast unverändert im Amt geblieben. [42]

Zwischen den Tätigkeitsbereichen der Politkommissare der Armee und der Ersten Sekretäre der Parteikomitees in den Provinzen gibt es zahlreiche personelle Überschneidungen:

Von fünfzehn um das Jahr 1960 herum bekannt gewordenen Kommissarpositionen wurden neun mit dem ersten Sekretär der Provinz besetzt. Die Kommissare der Garnisonen von Peking und Shanghai waren ebenfalls Parteisekretäre aus höheren Rängen. Alle diese Besetzungen scheinen auf die Zeit des „Großen Sprung nach vorn“ zurückzugehen und den zunehmenden Bemühungen, die Kontrolle der Partei über die Armee wirkungsvoller zu gestalten. In entsprechend kleinerem Maßstab ist diese Tendenz auch in den militärischen Bezirken festzustellen. Dort wurde (in der Tsinan Region) in jüngster Zeit (1964) die Position des Politkommissars, dem ersten Parteisekretär von Shantung, Ton Tschi-lung übertragen. Davor wurde bereits der Erste Sekretär von Kwantung, Tao Tschu, Politkommissar der Region Kanton, gab aber die Position 1962 wieder ab.

In den strategischen Verteidigungsgebieten der Inneren Mongolei, in Sinkiang und Futschau war der Befehlshaber und/oder der Kommissar ab 1954 auch Parteisekretär (Wu Lan-fu, Wang En-mao und Yeh Fei) [43]

Wahrscheinlich besteht zwischen Sicherheitsdienst und Parteiapparat eine ähnlich enge Verbindung, wenngleich dies aus verständlichen Gründen nicht dokumentiert werden kann.

Stalin spielte einen Teil der Bürokratie gegen den anderen aus: falls erforderlich setzte er den Geheimdienst gegen die Partei ein; als er indes in der Geheimpolizei eine Säuberungsaktion durchführen wollte (z. B. als er 1936 Jagoda und später 1938, dessen Nachfolger Jeshow loswerden wollte), stützte er sich auf seine private Sicherheitsorganisation, an deren Spitze der üble General Alexander Poskrebischew stand. Mao ist nicht in der Lage, sich der gleichen Waffen mit der gleichen Schnelligkeit und Wirksamkeit zu bedienen.

Eine reibungslose zentralisierte Kontrolle wird zudem durch die gewaltige Größe Chinas erschwert: flächenmäßig ist es größer als Europa, dabei hat es ein winziges Eisenbahnnetz, dessen Länge nur zwei Dritteln des britischen oder einem Drittel des indischen entspricht.

Außerdem wird eine zentralisierte Herrschaftsausübung dadurch behindert, daß weite Bereiche der Industrie von den lokalen Verwaltungen kontrolliert werden. Während des „Großen Sprungs nach vorn“ wurde die Industrie dezentralisiert, ohne daß dieser Prozeß revidiert worden wäre. Die folgenden Angaben zeigen die Veränderungen während dieser Jahre (in Prozent) [44]:

1957

1958

1959

Zentrale Kontrolle

46,0

27,0

26,0

Lokale Kontrolle

54,0

73,0

74,0

Die wachsende Streuung der Industrie muß ebenfalls die zentrifugalen Tendenzen begünstigen.

In der gleichen Richtung wirkt der Einfluß der Neo-NEP-Bedingungen – Handel und Spekulation [3*] – auf die Landwirtschaft. Es besteht eine tiefe Kluft zwischen den südlichen Provinzen (vor allem der Provinz Szechuan) mit ihrem Getreideüberschuß und den nördlichen Provinzen, die ständig unter Getreidemangel leiden.

 

 

Auf wen kann Mao sich stützen?

Einer der verblüffendsten Aspekte der „Kulturrevolution“ ist die Tatsache, daß Mao weder die Partei mit ihren 20 Millionen Mitgliedern mobilisiert hat, noch die Liga Junger Kommunisten oder die Pioniere mit 150 Millionen Mitgliedern. Stattdessen schuf er eine neue Organisation, die Roten Garden. Die Bewegung begann am 1.9.1966 ihre Zeitung Rote Garde herauszugeben, kurz nachdem die China Jugend am 16. August und die China Jugend Nachrichten, der Tageszeitung der Liga Junger Kommuni ten (LJK) am 20. August ihr Erscheinen eingestellt hatten. Seit dieser Zeit hat man von der LJK kaum noch etwas vernommen, auber Wandzeitungen in Peking griffen den Ersten Sekretär der LJK, Hu Yuo-pang, sowie andere frühere Vorsitzende dieser Organisation an und warfen ihnen vor, „die LJK in einen miesen populären Komsomol nach Art des sowjetischen umzuwandeln.“

Warum erhofft sich Mao vor allem von den Studenten Unterstützung? Zunächst einmal erfreuen sich die Studenten im Vergleich zur überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung ziemlicher Privilegien. Ein Professor hat es so dargestellt:

Der Staat hat für die Universitätsstudenten sehr günstige Studienbedingungen geschaffen – die jährlichen Ausgaben für einen Universitätsstudenten entsprechen dem Ergebnis der Arbeit von 6 oder 7 Bauern während eines ganzen Jahres. [45]

Zum anderen sind die Studenten noch nicht in die herrschende Bürokratie integriert. Daher sind sie weniger von der Mentalität jener Bürokraten infiziert, wie sie aus der Neo-NEP hervorgegangen sind.

Drittens betrachten sich Studenten im allgemeinen als einen nicht- spezialisierten Bereich der Gesellschaft und verstehen sich in gewisser Weise als Sprecher der Interessen der „Nation“ gegenüber gesellschaftlichen Sonderinteressen. Studenten haben auch das feinste Gespür für die technische Rückständigkeit ihres eigenen Landes gegenüber weiter fortgeschrittenen Ländern. Indem sie an der wissenschaftlichen und technischen Welt des 20. Jahrhunderts teilhaben, fühlen sie sich umsomehr von dieser Rückständigkeit ihres Landes eingeengt. Von Industrialisierung und Modernisierung erhoffen sie sich den Sprung vom Mittelalter ins Atomzeitalter.

Schließlich haben sie einen radikalen, revolutionären Erkenntniswandel während ihres eigenen Lebens durchlaufen – besonders wenn sie aus Bauern- oder Arbeiterfamilien kommen – so ist der Himmel ihre Grenze und Maos Voluntarismus fällt auf fruchtbaren Boden. [4*]

Es gibt ferner noch einen rein technischen Grund, warum Mao es so günstig fand, Studenten in seiner „Kulturrevolution“ einzusetzen. Studentendemonstrationen sind ziemlich leicht zentral zu organisieren: indem man einfach die Schulen schließt, oder Teile von Schulen, je nachdem, wie man es braucht, durch Befehl. So beschrieb eine Englischlehrerin, die ein Jahr lang in China arbeitete, die „spontanen“ Demonstrationen [46]:

Wenn eine Demonstration von 250.000 Menschen stattfindet ... dann wird ein Drittel jeder Klasse hingehen ... Wenn es eine Demonstration von 500.000 Menschen ist, gehen zwei Drittel hin, aber wenn eine Million demonstriert, dann wird das gesamte Kolleg für den ganzen Tag schließen.

Für neun Monate die Schulen zu schließen, ist eine Sache; aber Fabriken zu schließen – gleichgültig für welche Zeit – ist etwas ganz anderes. Neben der Studentenschaft ist die Armee ein anderes Instrument, das Mao benutzte. Schon sehr früh, 1960 hatte Lin Piao, der Verteidigungsminister, begonnen, sich in den „kulturellen Kampf“ einzuschalten. Er gründete ein Kunstinstitut in der Volksbefreiungsarmee (VBA), dessen erste Klasse 1965 Examen machte. Schriftsteller waren 1964 eine der ersten Gruppen, die angewiesen wurden, die revolutionäre Tradition der VBA in ihrem Werk zu entfalten.

Eine Novelle von einem Mitglied einer VBA-Schauspielgruppe Das Lied von Ouyang Hai, die Geschichte eines VBA-Zugführers, war das bedeutendste literarische Ereignis der ersten Hälfte der sechziger Jahre. Angehörige der VBA wurden maßgebliche Kritiker von Kunst, Film Theater und Literatur.

Als sich die „Kulturrevolution“ ausbreitete, rissen hohe Armeeoffiziere die gesamte Kontrolle über die Agitation und Propaganda an sich: Tao Chu, der frühere Leiter der militärischen politischen Abteilung der Vierten Armee, wurde Propagandachef, Generalleutnant Hsiao Wang-tung wurde geschäftsführender Kultusminister. Tatsächlich machte die Befreiungsarmee-Zeitung in der „Kulturrevolution“ von Anfang an das Rennen. Sie spielte eine unvergleichlich größere Rolle als das Parteiorgan, die Volkszeitung. Immer wieder ist die VBA als revolutionäres Modell für das ganze Land hingestellt worden. Es kam häufig vor, daß Lin Piaos Name, dem wie keinem anderen Führer die Eigenschaft zugeschrieben wurde, Maos Ideen „schöpferisch anzuwenden“, in einem Atemzug mit dem Namen Mao Tse-tung genannt wurde.

Zur ersten Massenversammlung der „Kulturrevolution“, am 18August, erschien Mao mit seiner Frau, Chiang Ching, in Armeeuniform. (Am nächsten Tag veröffentlichte die Befreiungsarmee einen Leitartikel und betonte die große Bedeutung der Tatsache, daß Mao seine Militäruniform trägt.) Tschou En-lai sprach zu den Massen und rief den „Roten Garden“ zu, die „Drei Hauptregeln der Disziplin und acht Punkte der Aufmerksamkeit“ zu beachten; er fügte hinzu:

Die „Roten Garden“ müssen zu einer hoch organisierten und disziplinierten militanten Armee aufgebaut werden, mit hohem politischen Bewußtsein, zu einer zuverlässigen Reservemacht der VBA.

Viele, die dieser Massenversammlung beiwohnten, trugen Kleider im Armeestil und wurden in Armeefahrzeugen befördert.

Von da ab spielte die in jedem Stadium der „Kulturrevolution“ – die aus Platzmangel hier nicht im einzelnen dargestellt werden kann – und besonders in der letzten Phase der Einsetzung neuer Autoritäten (der sogenannten „Dreier-Bündnisse“) die VBA eine zentrale Rolle. Es gibt eine Reihe von Gründen, warum die VBA im ganzen an Maos Seite steht – ungeachtet zentrifugaler Tendenzen in einzelnen Provinzen und Bezirken. Vor allen Dingen steht die Armee über der Gesellschaft. Dies wird mit nationaler Ehre und vor allem mit der Entwicklung einer durch die Schwerindustrie geprägten Kriegsmacht gleichgesetzt.

Die Vorstellung vom egalitären Charakter der VBA – die im Westen sehr verbreitet ist, ist völlig unbegründet. Die Offiziere der VBA sind eine privilegierte Gruppe. Es ist wahr, daß ursprünglich und viele Jahre lang sowohl Offiziere als auch Mannschaften mit Lebensmitteln und einem kleinen Taschengeld versorgt wurden. Jedoch wurde dieses System 1955 durch Barzahlung ersetzt. „Die gegenwärtige Skala der Löhne – die von 2,50 US-Dollar monatlich für einen einfachen Soldaten bis zu 192-236 Dollar für einen General reicht“ [47], ist bezeichnend für die Unterschiede. Die Hierarchie in der VBA spiegelt sich wieder in Baumwolluniformen für einfache Soldaten und Garbadineanzügen für Offiziere, in Zugfahrten 4. Klasse für einfache Soldaten und in Reisen 1. Klasse für Offiziere – vom Hauptmann aufwärts.

Vor allen Dingen mußte Mao wissen, wenn politische Loyalität nicht in der Armee verankert werden konnte, mit deren Vorteilen in Bezug auf militärische Disziplin und totaler Kontrolle über die Mannschaften, bestand überhaupt keine Hoffnung auf Kontrolle des zivilen Lebens.

 

 

Der Voluntarismus schnappt über

Je größer die objektiven Hindernisse – einschließlich des Widerstandes des Volkes – gegenüber den Diktaten der zentralisierten staatskapitalistischen Bürokratie wurden, desto mehr wurde der Nachdruck auf den Voluntarismus gelegt, auf die Allmacht des Willens der rechtschaffenen Menschen, d. h. jener, die blindlings ihrem Führer folgen. Der Voluntarismus Maos übertrifft bei weitem seinen stalinistischen Vorläufer. Stalin versuchte Rußland an den Stiefelriemen industriell und militärisch emporzuziehen, Mao versuchte dasselbe mit einem Land ohne Stiefel und Riemen. Stalin wiederholte wieder und wieder, „daß es nichts gebe, was Bolschewiki nicht leisten könnten“, aber er machte immer wieder deutlich, daß dies nur möglich war unter Verwendung deutscher oder in späteren Jahren amerikanischer Technik. Maos ganze Ideologie ist die Allmacht des reinen Willens, die Allwissenheit der „Mao Tse-tung-Ideen“.

Das ist der Grund, warum Mao es für notwendig hielt, mitten in der „Kulturrevolution“ ungefähr 15 km im Jantsekiang in wenig mehr als einer Stunde zu schwimmen. [5*]

Dieser extreme Voluntarismus Maos verleiht ihm übermenschliche Eigenschaften. Der Maokult übertrifft den Stalinkult bei weitem. Hier nur einige wenige Beispiele, aufs Geratewohl ausgewählt: ein Artikel, betitelt: Vorsitzender Mao, Du bist die Rote Sonne in unserem Herzen im theoretischen Organ des ZK, Hung Tschi (Rote Fahne) [48] endet folgendermaßen:

Die Meere mögen austrocknen, die Gebirge erröten. Die roten Herzen von unseren hunderten von Miliz-Leuten, die Dir treu sind, werden sich niemals ändern. Wer auch immer Dich bekämpft bricht unsere Herzen und nimmt uns das Leben. Dich zu verteidigen sind wir bereit, über Gebirge von Messern zu steigen und in Feuermeere hinabzugehen. Laß unsere Herzen wirbeln und laß unser heißes Blut fließen.

O, viel geliebter Vorsitzender Mao, Du bist die Rote Sonne in unseren Herzen. Wir freuen uns jeden Tag und singen jeden Tag. Es gibt so viele innige Worte, die wir Dir sagen möchten. Es gibt so viele Lieder, die wir Dir singen möchten aus Herzensgrund. Alle Worte des Lobes in der Welt mögen erschöpft sein, jedoch Deiner Weisheit und Größe können sie nicht voll gerecht werden. Alle Hymnen der Welt mögen erschöpft sein, sie können Deinen unermeßlichen Verdiensten und großen Leistungen nicht voll gerecht werden. Ich kann mir nicht anders helfen als zu springen und zu rufen mit höchster Stimme: tausendmal, zehntausendmal: Lang lebe, lang lebe, lang lebe der große Lehrer, große Führer, große Oberkommandierencje und große Steuermann, Vorsitzender Mao!

Eine Zeitung, Neuer Sport vom 19.5.66 brachte einen Artikel mit dem Titel Ein Gespräch über das philosophische Problem des Verkaufens von Wassermelonen in einer Großstadt. Das Fazit des Artikels war, daß die Lehren Maos den wichtigsten Anreiz zum Verkauf von Wassermelonen vermitteln. Die Volkszeitung zeigt ein Bild einer Mutter mit ihrem Sohn beim Lesen des Roten Buches. Der Titel des Bildes heißt: Eltern sind nicht so teuer wie der Vorsitzende Mao. Nichts ist so gut wie die Schriften des Vorsitzenden Mao [48a]

Die Nachrichtenagentur Neues China zitiert den Ausspruch eines chinesischen Seemanns: „Wenn das Wasser in allen Meeren Tinte wäre, würde es uns nicht ausreichen, über unsere innige Liebe zum Vorsitzenden Mao zu schreiben, noch sind Tausende von Liedern angemessen, um unseren Dank an den Vorsitzenden Mao auszudrücken.“ (NCNA, 10.1.1967)

Eine Massenversammlung von Befehlshabern und einfachen Soldaten der VBA sandte folgende Botschaft an Mao: „Geachteter und geliebter Vorsitzender Mao, wenn alle Bäume der Welt Schreibfedern wären und alles Wasser Tinte, könnten wir immer noch nicht genug sagen über Deine Liebe und Anteilnahme an unserer Erziehung. Du bist unser größter Lehrer, Führer, Oberkommandierender und Steuermann.“

 

 

Extremer Schdanowismus

Wenn man annimmt, daß „Mao-Tse-tung-Ideen“ allwissend sind, dann muß man akzeptieren, daß nicht bloß der Führer sondern auch seine kulturellen Helfer – die Schriftsteller, Dichter, Künstler usw. – „Ingenieure der Menschheit“, „Ingenieure der Seele“ sind. Es verlangt eine Ablehnung der Gültigkeit jeder künstlerischen Schöpfung bzw. Tradition aus der Vergangenheit, da diese die Beschränkungen des Individuums widerspiegeln. Im „sozialistischen Realismus“ gibt es keine Hamlets bzw. Othellos – in der wirklichen Welt sind sie allzu häufig. Der Schdanowismus ist der Preis der bürokratischen Allmacht. Vor kurzem während der „Kulturrevolution“ erreichte in China der Schdanowismus noch tiefere Abgründe als sein russisches Muster. Hier sind einige Beispiele des kulturellen Nihilismus:

Yang Hen-sheng, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender der Gesamtchinesischen Verbandes der Literatur- und Kunstkreise, wurde verurteilt, da er solche bürgerlichen Literaten wie Shakespeare, Moliere und Ibsen gelobt hatte. [49]

Chou Yang, der Tschernischewskij und Tolstoi ins Chinesiche übertrug, wurde in der Roten Fahne des Lobens der „Ausländer“ – so hieß es wörtlich in der Beschuldigung –, Belinski, Tschernischewskij und Dobrolubow, beschuldigt. [50] Chou Yang „kündigte stur an“, daß „in der Ästhetik ein treuer Anhänger Tschernischewskijs sei“. [51]

Chao Feng, ehemaliger Sekretär des Sekretariats des Verbandes der chinesischen Musiker und stellvertretender Direktor des Zentralen Konservatoriums wurde beschuldigt, daß er „Beethovens Neunte Symphonie dirigiert [hätte], die die ‚Menschenliebe‘ [d. h. Chruschtschowistische revisionistische Ideologie – TC] proklamiert“. [6*] Er hätte auch „Schwanensee gelobt“. [52]

Seit etwa 30 Jahren hatten Mao und Chou Yang, sein Sprachrohr in literarischen Angelegenheiten, die chinesische literarische Tradition akzeptiert, wenn auch kritisch. Trotzdem wurde im Sommer von 1966 die gesamte Kultur der Vergangenheit – auch solche Klassiker wie Der Dekan der roten Kammer – als feudal abgestempelt und abgelehnt. Und dieser ganze Nihilismus geschah im Namen der Kultur.

 

 

Ein neues Stadium der „Kulturrevolution“

Während dieser Artikel geschrieben wird, hat die „Kulturrevolution“ eine neue Stufe erreicht: mit der Spaltung der Bürokratie von der Spitze bis in die untersten Reihen trat die industrielle Arbeiterklasse in die Arena. Zum erstenmal seit der Revolution von 1925–27 fanden Massenstreiks in China statt und zwar im Dezember 1966 und im Januar 1967.

Die einzige Informationsquelle über die Streiks sind die offiziellen Erklärungen der maoistischen Autoritäten gewesen, die sie dementierten. Deshalb können wir nicht sicher sein, was die wirkliche Ausdehnung der Streikbewegung angeht. Aber daß die Streiks sehr weit verbreitet waren, ergibt sich aus den Erklärungen der Autoritäten selbst, die sie sonst sicherlich lieber verheimlicht hätten.

Eine Vorbemerkung ist notwendig. Die maoistische Presse erklärt die Streiks als das Werk „einer Handvoll Personen in wichtigen Positionen innerhalb der Partei, die den kapitalistischen Weg gehen“. Dies wird hunderte von Malen wiederholt. Es ist sehr zweifelhaft, daß in diesen Erklärungen mehr Wahrheit steckt als in den üblichen Erklärungen der westlichen kapitalistischen Presse von Streiks im Westen als das Handwerk einer „Handvoll von Unruhestiftern“.

Ein Streik der Hafenarbeiter und Docker im Hafen von Shanghai dauerte ungefähr 2 Wochen lang. [53] Streiks legten den Eisenbahnverkehr zwischen Shanghai und Hangschau sowie Shanghai und Nanking für 12 Tage, vom 30.12.66 bis zum 10.1.67, lahm. [54] Arbeiter legten auch im Jangshungsu Kraftwerk die Arbeit nieder. [55] In Nanking, in der städtischen Verkehrsgesellschaft, machten sich Anhänger Maos auf, „um die Kontrolle über die Finanzen der Gesellschaft zu gewinnen und schafften die Zahlung einer Prämie ab, die anfangs ausgegeben worden war, um den Kampfwillen der revolutionären Arbeiter zu schwächen.“ [56] In den Ölfeldern von Taching benutzten die „Handvoll“ „materielle Anreize, um eine große Zahl von Arbeitern dazu zu verleiten, ihre Produktionsstätten zu verlassen.“ Sie „gebrauchten Staatsgelder, um die Produktion zu sabotieren“. [57]

Ähnliche Berichte kamen aus einer Reihe von Fabriken: „... eine große Anzahl von Arbeitern des Textilwerkes Nr. 17 in Shanghai wurde einbezogen und verließen ihre Posten.“ [58] In der Shanghaier Glasmaschinenfabrik betrogen die „Handvoll“ eine Anzahl von Arbeitern, einschließlich der Führer der Arbeitsteams, dem technischen Personal und anderer Kader in den Basis-Produktionseinheiten und stachelten sie an, ihre Arbeitsplätze zu verlassen. Einige von ihnen versteckten Skizzen und andere technische Daten, verließen ihre Posten und beeinträchtigten natürlich die Produktion. [59] Im Shanghaier Kamerawerk Nr. 2 wurde als Folge eines Streiks „nur 9,2 % des Produktionsziels in den ersten zwei Januar-Wochen erfüllt“. [60] Pekings Werkzeug- und Maschinenfabrik Nr. 2 erfüllte in den ersten achtzehn Januartagen ... nur ein Drittel des monatlichen Produktionsziels. [61] 750 Arbeiter der Nationalen Baumwollfabrik Nr. 31 in Shanghai verließen, „angestachelt durch schlechte Elemente“ die Fabrik. [62] Ähnlich wurde eine große Anzahl von Arbeitern des Shanghaier Textilwerks Nr. 17 einbezogen und verließ ihre Posten. [63]

Eines der interessantesten Phänomene ist, daß während der „Kulturrevolution“ nicht ein einziges Mal davon die Rede war, daß die Gewerkschaften und ihre Tageszeitung Kung-Jen-Jih-Pao überhaupt irgendeine Rolle spielten.

 

 

Eine Lücke

Die Ähnlichkeit und Unterschiede zwischen den Problemen, denen China heute und Rußland zur Zeit seiner Industrialisierungsbewegung gegenüberstand, sind das Hauptthema dieses Artikels.

Ein Faktor, der in Rußland am Vorabend seiner Industrialisierungs-Kollektivierungsfahrt eine Schlüsselrolle spielte, war die „marxistisch-leninistische Opposition“ – die Trotzkistische Linke Opposition. Diese oder ähnliche Tendenzen dazu fehlen gänzlich in China.

An der Oberfläche gibt es eine formale Ähnlichkeit zwischen dem trotzkistischen Programm der Jahre 1923–28 und der Politik Stalins nach 1928. Trotzki trat im Gegensatz zu dem Stalin-Bucharin-Block von 1923-25 für beschleunigte Industrialisierung und die Kollektivierung der Landwirtschaft ein. Stalin bekämpfte diese Politik und sagte in seiner üblichen ungehobelten Art, daß der Bauer eine Kuh braucht; „er braucht Dnieproskroj so dringend wie ein Grammophon.“

Mit dem Ingangsetzen des Ersten Fünf-Jahresplanes im Jahr 1928 und später schien es, als ob Stalin einfach Trotzkis Ideen gestohlen hat. Viele der Anhänger Trotzkis (Preobraschenski, Radek, Smilga, Smirnow, usw.) glaubten, daß dies der Fall sei und beschlossen, sich dem Sieger Stalin anzuschließen. Im Nachinein läßt sich leicht erkennen, daß es dort nur eine rein formale Ähnlichkeit zwischen Trotzkismus und Stalinismus gab.

Für Stalin waren die Arbeiter das Objekt der Industrialisierung und Planung, sie waren dazu da, verplant und durch die Industrialisierung reglementiert zu werden. In der Kollektivierung geschah dasselbe mit der Bauernschaft. Die Arbeiter mußten vollkommen entmündigt werden, politisch wie ökonomisch.

Für Trotzki war die Arbeiterklasse das Subjekt der Geschichte, deren Selbstbefreiung – Verbesserung der materiellen und kulturellen Bedingungen, ausgedehnte demokratische Kontrolle über alle Hebel der Macht – waren die Sprossen auf der Leiter zum Sozialismus und Kommunismus. Um als Beispiel einige wenige Auszüge von Trotzki zu zitieren: im November 1928 stellte Trotzki fest, daß der Maßstab für den sozialistischen Aufschwung die konstante Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist, und die Löhne müssen das Hauptkriterium werden zum Maß des Fortschritts der sozialistischen Revolution. Die Plattform der Linken Opposition von 1927 forderte „eine konsequente Entwicklung der Arbeiterdemokratie in der Partei, den Gewerkschaften und den Sowjets“. [64]

Arbeiterdemokratie heißt Freiheit, das gesamte Parteileben offen zu beurteilen heißt freie Diskussion darüber, und Wahl der verantwortlich regierenden Gremien und des Personals von oben bis unten. [65]

Die Arbeit der Gewerkschaften sollte vor allem danach beurteilt werden, in welchem Grad sie die ökonomischen und kulturellen Interessen der Arbeiter verteidigt. [66]

Die absolute Unabhängigkeit der Fabrikkomitees und der örtlichen Komitees von den Organen des Management muß garantiert sein. [67]

Trotzki im Jahr 1931:

Der Lebensstandard der Arbeiter und ihre Rolle im Staat sind die höchsten Maßstäbe für den sozialistischen Fortschritt. [68]

Wenn es ein Grundsatz für Trotzki war, daß der aktive Schöpfer des Sozialismus die Arbeiterklasse ist, dann war es ebenso ein Grundsatz, daß das Kampffeld für die Errichtung des Sozialismus international sein mußte. „Sozialismus in einem Lande“ ist nichts anderes als ein Nachgeben vor dem Druck des Weltkapitalismus.

Solange der Weltkapitalismus stärker ist als der Arbeiterstaat in einem Lande, und besonders in einem unterentwickelten Lande, muß sein Druck zu Entstellungen im Arbeiterstaat führen und schließlich zu einem Verfall und Zusammenbruch. [7*]

Während es ohne Zweifel einen Bucharin-Flügel in der KPCh und einen Stalin-Flügel (Maoisten) gibt – obwohl es auch hier zwischen ihnen und ihren Vorläufern je nach ihrer nationalen und internationalen Umgebung – Unterschiede gibt, gibt es keinen Flügel der Trotzkistischen oder Linken Opposition. Die Linke Opposition repräsentierte die Kontinuität der Traditionen der Arbeiterklasse, die 1917 an die Macht gekommen war. Deshalb gibt es kein Erbe der Linken Opposition. Die Arbeiterstreiks in China finden aus diesem Grund noch keinen politischen Ausdruck.

Aber auch Spekulationen über die Zukunft anzustellen, kann man ziemlich optimistisch sein über die zukünftige Entwicklung der Bewegung der revolutionären Arbeiterklasse in China. Zum einen ist die chinesische Arbeiterklasse, in absoluten Kategorien gemessen, vier- oder fünfmal größer als die Rußlands in den zwanziger Jahren. Zum anderen war die Aktivität der Arbeiterklasse in Rußland während der Jahre des Kampfes der Linken Opposition ziemlich niedrig, in China verläuft die Bewegung stürmisch. [8*]

Zum dritten waren die zwanziger Jahre und noch viel mehr die dreißiger Jahre der Niederlage der Arbeiterklasse in einem Land nach dem anderen, heute sieht der internationale Schauplatz sehr viel günstiger aus. Schließlich konnte die Krise in der russischen wirtschaftlichen Entwicklung in den zwanziger Jahren durch die reine brutale Gewalt des Stalinismus überwunden werden. In China sind die Schwierigkeiten bei der Entwicklung viel größer, und deshalb ist die Krise sehr viel tiefer und anhaltender, und sie ist verbunden mit tiefen Spaltungen in der bürokratischen Struktur. Die Krise von oben mag auch eine neue politische Bewegung der revolutionären Arbeiterklasse von unten anspornen.

 

 

Fußnoten

1*. Ein wichtiger Nebenaspekt: Es wurde geschätzt, daß die Wertschöpfung in den eisenschmelzenden und stahlerzeugenden Kommunen in Wirklichkeit negativ war – das Produkt war weniger wert als das Material, das in der Industrie hergestellt wurde. (Vergl.: Wu Yuan-li: The Steel Industry in Communist China, New York, 1965, Kap. IV)

2*. Wenn einmal die Vorstellung, daß die Industrie keine Ressourcen aus der Landwirtschaft erhält, akzeptiert ist, muß man mehr Sorgfalt an die Kostenrechnung verwenden, da der Profit des Industriebetriebes die Quelle der Kapitalakkumulation ist. Während der verstärkten Industrialisierung mit dem Schwergewicht auf der Schwerindustrie und der Ausbeutung des Agrarsektors wurde dagegen das Bruttovolumen des industriellen Ertrages als Maßstab des Fortschritts angenommen. Am 19.7.62 veröffentlichte die Volkszeitung einen Artikel von zwei Ökonomen, die allgemein mit dem weniger liberalen Flügel identifiziert werden, in welchem folgende Bemerkung enthalten war:

Die Kostenrechnung ist die Grundlage der wirtschaftlichen Kalkulation von Unternehmen ... indem wir das annehmen, sollten wir prinzipiell das Kostenziel und das Profitziel als Berechnung der wirtschaftlichen Ergebnisse von Unternehmen verwenden, diese beiden Begriffe sind gleich wichtig .. .Ungeachtet der Tatsache, daß das Profitziel seine Mängel hat, ist es schließlich der Qualitätsmaßstab für die gesamte Arbeit des Unternehmens. Es enthält auch Ergebnisse, die vom Kostenziel her nicht erfaßt werden können. Es ist schließlich Hauptgrundlage für die Berechnung der Akkumulation für den Staat, da die Verwirklichung des Finanzhaushalts des Staates sich bemißt an den Profiten, die an die Regierung gezahlt worden sind. Yang Jun-jui und Li Hsün, Versuch einer Diskussion über Wirtschaftsrechnung in Industrie-Unternehmen, JMJP, 19.7.62, SCMP 2817.

3*. 1961 betrug eine Zeitlang der offizielle Verkaufspreis für Reis in Nanking 0,13 Yen pro Shih-Catty (ungefähr 1 Pfd.), dagegen auf dem freien Markt 3 Yen. Der offizielle Preis für Tafelöl war in Shanghai 0,61 Yen pro Catty, auf dem freien Markt aber 30 Yen. (JMJP, 14.3.61 Yuan-li-wu, The Economy of Communist China, London 1965, S. 96) Ursache dieser gewaltigen Preisunterschiede ist die Güterknappheit die sich aus dem Zurückbleiben der landwirtschaftlichen Produktion hinter dem Bevölkerungszuwachs ergibt.

4*. Diese Verallgemeinerungen sind sehr schematisch. Man muß sich vergegenwärtigen, daß Studenten keine Insel darstellen, die vom Rest der Gesellschaft getrennt wäre, deshalb bilden sie auch keine homogene Gesamtheit, die Mao uneingeschränkt in der „Kulturrevolution“ unterstützt.

5*. Übrigens war diese Leistung so erstaunlich, daß der Präsident des Weltverbandes der beruflichen Marathonschwimmer, Señor Carlos Larreira, Mao einlud, sich an zwei 10-Meilen-Schwimmwettbewerbe in Kanada zu beteiligen, da seine berichtete Zeit fast viermal so schnell wie der Weltrekord über 10 Meilen war.

6*. Die Maoisten haben anscheinend nicht bemerkt, daß Karl Marx Shakespeare sein ganzes Leben lang bewunderte, daß Lenin Beethoven sehr gern hatte und daß Tschernischewskij einen entscheidenden bildenden Einfluß auf Lenin hatte!

7*. Bucharin war formal weiter von Trotzki als von Stalin entfernt – beide, Trotzki und Stalin forderten Planung, beschleunigte Industrialisierung und Kollektivierung, Bucharin jedoch nicht. Aber inhaltlich stand Bucharin Trotzki viel näher. Er stellte immer noch einen Flügel des Bolschewismus dar. Er reflektierte den Druck der Fabrikmanager und Gewerkschaftsbürokraten auf den Bolschewismus, aber leugnete nicht, wie Stalin, alle Hoffnungen und Ansprüche des Bolschewismus, zielte nicht auf die totale Enteignung der politischen und wirtschaftlichen Rechte der Arbeiter ab. Auch die Tatsache, daß die Anhänger Trotzkis und Bucharins, von Stalin massakriert wurden, spricht für den Grad an grundsätzlicher Übereinstimmung zwischen den beiden und dem Bolschewismus.

8*. Die Zahl der Arbeiter in Rußland, die sich in staatseigenen Betrieben an Streiks beteiligten, betrug: 1922: 192.000; 1923: 165.000; 1924: 43.000; 1925: 34.000; 1926: 32.900; 1927: 20.000)

 

 

Anmerkungen

1. Li Fu-chun, Report on the First Five Year Plan for Development of the National Economy of the People’s Republic of China in 1953–57, Peking, 1955, S. 47.

2. Shigeru Ishikawa, Long-term Projections of Mainland China’s Economy: 1957–1982, Tokyo 1965, S. 32.

3. ebda., S. 36.

4. Y. Gluckstein, Mao’s China, London, 1957, S. 171–2.

5. New China’s Economic Achievements, 1949-52, Peking 1952, S. 196.

6. New China News Agency (NCNA), 13. Februar 1958.

7. ebda., 19. Nov. 1958.

8. Jen-min Jih-pao (JMJP, People’s Daily), 31. März 1960.

9. ebda., 27. Sept. 1960.

10. Kung Hsiang-cheng, Produce More and Better Light Industrial Products for Daily Use, Hung-ch’i (Rote Fahne), 10. Febr. 1962.

11. JMJP, 17. April 1962.

12. Y.L. Wu, F.P. Hoeber und M.M. Rockwell, The Economic Potential of Communist China, 1963; zit. nach Choh-ming, China’s Industrial Development, 1958–63, China Quarterly, No.17, S. 18.

13. People’s Communes in China, Peking 1958, S. 7.

14. ebda., S. 8.

15. JMJP, 31. Okt. 1958, Survey of the Chinese Mainland Press (SCMP) 1961.

16. NCNA, 26. August 1958.

17. Chung-kuo Ch’ing-nien Pao (China Youth News), 8. Juli 1959, SCMP 2086.

18. JMJP, 24. August 1959, SCMP 2092.

19. ebda.

20. Ta-kung Pao, 2. Juni 1965, SCMP 3490.

21. JMJP, 19. Juli 1965; SCMP 3520.

22. JMJP, 11. Juli 1960, SCMP 2301.

23. Kung Jen Jih Pao, Peking 21. Juli 1961, Current Background (CB) 669 Hongkong.

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Zuletzt aktualisiert am 7. Februar 2017