Paul Lafargue

 

Das Mutterrecht

(Teil 1)

 

Wir leben unter dem System der patriarchalischen Familie, derjenigen Familienform, in der nach Sitte und Gesetz der Vater als Haupt der Familie gilt, unter dem Frau und Kind stehen; sein Name wird allein auf die kommenden Geschlechter übertragen; lange Zeit vererbte sich das Eigentum nur in männlicher Linie. Die Bibel, die heiligen Schriften des Orients, die Mehrzahl der Philosophen, der Historiker und der Staatsmänner nehmen es als selbstverständliche Wahrheit an, daß diese Form der Familie von Anfang des Menschengeschlechts an die herrschende war und die kommenden Jahrhunderte überdauern wird, ohne erhebliche Änderungen zu erleiden. Für den gewöhnlichen wie den gebildeten Geist gilt heute noch die patriarchalische Familie als die einzige vernünftige und natürliche Familienform. So glaubten auch die römischen Rechtsgelehrten, das „jus gentium“ [2] sei der juristische Ausdruck des Naturrechtes. Die Menschen haben ihre privatrechtlichen, politischen und religiösen, ihre Sitten und Bräuche stets als Ausflüsse der Gottheit oder als Resultate von Naturgesetzen hingestellt, um ihnen eine moralische Autorität zu verleihen. Die jeweiligen religiösen, moralischen und politischen Rechte und Pflichten der Frau beruhen auf dem zu betreffenden Zeit herrschenden Begriff der Familie, der ein Produkt der geschichtlichen Entwicklung ist.

Der gesellschaftliche Grundsatz: der Vater ist das natürliche Haupt der Familie – beruhe dieser auf Einehe (Monogamie) oder der Vielweiberei (Polygamie) – dieser Grundsatz, der für unerschütterlicher gilt, als ein Fels, zerstiebt vor dem Hauch der rücksichtslosen Wissenschaft, wie so manch andere verehrte „Wahrheit“, die uns aus grauer Vorzeit überliefert wurde. Es ist kein Zweifel, daß man schon früher diese „ewige Wahrheit“ bezweifelt hätte, wenn die Macher der Geschichts-Philosophie sich nicht nur durch gesellschaftliche Vorurteile hätten verblenden lassen, wenn sie ihnen vorliegenden Tatsachen geprüft hätten, wenn sie weniger hochmütig auf die Kyniker [3], Stoiker [4] der Gymnosophisten [5] und Platoniker [6] über die Gemeinschaft der Güter und Frauen als auf individuelle Phantasien ohne Bedeutung herabgesehen hätten – wie ihnen ja auch die modernen sozialistischen Theorien nur ein Lächeln der Geringschätzung entlocken. Erst im Jahr 1861 trat ein Mann von riesigem Wissen und kühnem Geist auf, der nachwies, daß in den urwüchsigen Gesellschaften andere Familienformen, als die heutigen, bestanden. Es war Bachofen, der Das Mutterrecht veröffentlichte. [7] Seine bedeutsame Entdeckung, die ein dichter Nebel von Mystizismus trübte, wäre vielleicht unentdeckt geblieben, wenn nicht wenige Jahre später englische schriftsteller, wie Mac Lennan [8], Lubbock [9], Herbert Spencer [10], Tylor [11] und andere die Aufmerksamkeit auf die Völker gelenkt hätten, welche die vaterrechtliche Familie nicht kannten. Es geschah dies jedoch übereilt, voll Voreingenommenheit und ohne die nötige Sichtung und Gruppierung des Materials. Einem tiefen, amerikanischen Denker, Lewis H. Morgan, gebührt die Ehre, der erste gewesen zu sein, der auf wahrhaft wissenschaftliche Weise nachwies, daß im Anfang der menschlichen Gesellschaft unterschiedsloser geschlechtlicher Verkehr herrschte, und die vaterrechtliche Familie erst am Ende einer Reihe aufeinanderfolgender Familienformen erscheint. Er war der erste, der eine begründete Ordnung in das anscheinend unentwirrbare Chaos von seltsamen, fremdartigen, sehr oft sogar einander widersprechenden Tatsachen brachte, welche die Historiker über das Altertum, die Anthropologen über den vorhistorischen Menschen und die Forschungsreisenden über die Völker der Jetztzeit gesammelt hatten. Sein großes Werk Ancient Society ist eine Zusammenfassung seiner Arbeiten, die in den publikationen der Smithsonian society erschienen waren und auf die er 40 jahre unermüdlicher und gewissenhafter Forschung verwendet hatte. [12] Friedrich Engels ergänzte und erweiterte die Arbeiten von Morgan durch die Ergebnisse der ökonomischen und historischen Studien von Karl Marx und ihm selbst und veröffentlichte einen kurzen Abriß der so auf der Grundlage der Morgan’schen Forschungen gewonnen Resultate über die Entstehung der Familie, des Privateigentums und des Staates. [13]

Um zu einem richtigen Verständnis der von diesen Forschern angehäuften Tatsachen und entworfenen Theorien zu kommen, ist es vor allem notwendig, die Philister-Vorurteile abzulegen, und sich daran zu erinnern, daß es mehr Ding’ im Himmel und auf Erden gibt, als eure Schulweisheit sich träumen läßt, wie Hamlet zu Horatio sagte. [14]

 

 

I

Am Ende des 15. Jahrhunderts, als Vasco de Gama die Küste von Malabar (Ostindien) erreichte, landeten die Portugiesen bei einem Volk, das ausgezeichnet war durch die hohe Stufe seiner Zivilisation, die Entwicklung seiner Marine, die Stärke und Organisation seiner Armee, den Reichtum seiner Städte, den Camoës [15] besang, den prächtigen Aufwand und die Sitte seiner Bewohner: Aber die gesellschaftliche Stellung der Frau und die Familienform, die sie dort vorfanden, stellte alle ihre aus Europa mitgebrachten Anschauungen auf den Kopf. – Bachofen gibt in seinen „antiquarischen Briefen“ eine eingehende Darstellung der Familie der Nairen [16] von Malabar, aufgrund zahlreicher Quellen, den Berichten arabischer, portugiesischer, holländischer, italienischer, französischer, englischer und deutscher Schriftsteller vom Mittelalter bis in die Neuzeit.

Die Nairen-Familie hat eine ungewöhnliche Lebenskraft an den Tag gelegt: Sie behauptete sich gegen die Unterdrückung durch die Aristokratie der arischen Brahmanen [17], gegen den Islam [18], gegen das Christentum. Diese widerstandsfähige Familienform hielt sich bei den Malabar-Völkern bis zur Invasion von Hyder Ali 1766. [19]

Die Nairen, die kriegerische Aristokratie von Malabar, bildeten große Familien, deren jede mehrere hundert Mitglieder umfaßte, die alle einen gemeinsamen Namen führten, entsprechend dem keltischen Klan, der römischen Gens und dem griechischen Genos. Das unbewegliche Vermögen ist das gemeinsame Eigentum des Geschlechts, der Gens; innerhalb dieser herrscht die möglichst vollständige Gleichheit.

Der Mann lebt nicht mit seiner Gattin und seinen Kindern, sondern bleibt mit seinen Schwestern und Brüdern im Hause seiner Mutter. Trennt er sich von diesen, so ist er stets von seiner Lieblingsschwester begleitet; nach dem Tod fällt sein bewegliches Vermögen nicht an seine Kinder, sondern an die Kinder seiner Schwester.

Die Mutter, oder nach deren Tod die älteste Schwester, bildet das Haupt der Familie und die Verwalterin des Haushaltes; die Verwaltung des Grund und Boden fällt aber ihrem ältesten Bruder zu, der den Namen führt: „der Mann, der zu Essen gibt“. Der Gatte ist ein Gast im haus seiner Frau; er betritt es nur zu gewissen festgesetzten Stunden und sitzt bei tisch nicht an der Seite von Frau und Kind. „Die Nairen“, sagt der Portugiese Barbosa [20], „haben außerordentliche Ehrfurcht für ihre Mutter [...]. In gleicher Weise verehren sie ihre ältere Schwester, die ihnen Mutterstelle vertritt“.

Die Nairen-Frau besitzt mehrere Männer, zehn, zwölf und auch mehr, wenn es ihr beliebt, die sie nach Gutdünken wechseln kann, sie folgen einander in bestimmter Reihenfolge, jeder hat seinen bestimmten ehelichen Tag, während dessen er zu den Kosten des Haushaltes beisteuern muß. Um zu bezeichnen, daß sein Platz besetzt ist, hängt er sein Schwert und Schild am Haustor auf. Die Frau wird umso mehr geachtet und bewundert, je mehr Gatten zu ihrer Unterhaltung sich vereinigen. Um nicht an den Tagen hungern zu müssen, an denen er keinen Zutritt zu seiner Dame hat, darf der Gatte sich noch anderen Ehegemeinschaften anschließen; er kann sich auch nach Belieben von einer Ehegemeinschaft zurückziehen, um in eine andere einzutreten, und seine Dame hat das Recht, ihn abzuweisen, wenn er ihr mißfällt oder seinen Pflichten nicht genügend nachkommt. Die Nairen-Frau lebt in der Vielmännerei (Polyandrie) und der Naire in der Vielweiberei (Polygamie oder Polygynie).

Die Kinder folgen der Mutter, dieser kommt die Pflicht zu, sie zu ernähren. „Kein Naire kennt seinen Vater“, sagt Buchanan [21], „vielmehr betrachtet jeder seine Schwesterkinder als seine Erben. [...] Noch mehr: er fühlt wirklich für sie jene Zuneigung, welche in anderen Teilen der Welt der Vater seinen eigenen Kindern widmet. Ja, derjenige würde als ein Ungeheuer gelten, der dem Tode eines Kindes, das er wegen der Ähnlichkeit und des langen Zusammenlebens mit der Mutter als seines betrachten muß, die gleiche Betrübnis zeigte und die gleichen Tränen vergösse, wie beim Tode eines Schwesterkindes“.

Die Nairen scheinen sich die Aufgabe gestellt zu haben, die moralischen Ideen der guten Europäer auf den Kopf zu stellen. Das Recht, einer Jungfrau ihre Blüte zu nehmen, welches sich die Feudalherren als ein kostbares Privilegium vorbehielten, erscheint den Nairen als eine höchst lästige Fronarbeit. Sie mieten zu diesem Geschäft Fremde, denen sie dafür einen Lohn zahlen. Bartema [22] erzählt: „Der Rajah [23] der indischen Stadt Tarnassari [24] überläßt seine Frau zur Entjungferung [...] weißen Männern, Christen oder Mohammedanern. Dasselbe tun diese Heiden. Bevor sie ihre Braut nach Hause führen, suchen sie nach einem Weißen, wer immer er sei, nehmen ihn mit in ihre Wohnung und übergeben ihm ihre Frau“. Und im Sommario de regni bei Remusio [25] heißt es vom Adel von Malabar: „Manche Caimaes dingen Patamaren, um ihren Frauen die Blüte zu nehmen. Dadurch gelangt diese Sorten Leute zu hohem Ansehen und schließt vorerst einen Vertrag über den Lohn. Sie sagen: So und so viel müßt ihre bezahlen, wenn ihr verlangt, daß ich mich für euch bemühe“. Georg IV., König von England [26], teilte diese Ansichten der Nairen; er sagte, das sei eine Arbeit für Stallknechte. Barbosa, der eine lebendige Schilderung der Hochzeitszeremonien der Nairen gibt, ruft aus: „Ein Mädchen, das Jungfrau bleibt, findet nach ihrer Ansicht keinen Einlaß im Paradies. Die Leichen der Jungfrauen werden vergewaltigt, Jungfräulichkeit wird zur Todsünde“. [27]

Wenn man diese seltsamen Sitten bei Wilden beobachtet hätte, die auf der untersten Stufe der Zivilisation stehen, dann wäre man versucht gewesen, dasselbe Urteil zu fällen, welches die Spanier über die Indianer abgaben, die von ihnen in grausamster Weise hingeschlachtet wurden: „Die Nairen sind Menschen ohne Vernunft – gentes sin razon“. Die guten Christen und manche gelehrten Anthropologen unserer Zeit könnten hinzufügen: „Die Nairen sind ein entartetes Volk, ihre scheußlichen Sitten zeigen den Stempel der Entartung“. In Wirklichkeit waren dagegen die Nairen die eingeborene Aristokratie eines zivilisierten Volkes, das sicherlich höher stand, als die Portugiesen des 16. Jahrhunderts.

Man könnte fragen: Ist die Nairen-Familie, die auf der Gemeinschaft des Grundeigentums innerhalb des Klans beruht, auf der Vielehe beider Geschlechter, auf der Oberhoheit der Mutter, der souveränen Herrin des Hauses, deren ältester Bruder nur eine Art Hausverwalter, „majordomus“, ist; auf der Erbfolge in weiblicher Linie, indem die Mutter allein Namen, Rang und Eigentum auf die Kinder überträgt – ist diese Familie eine beispiellose Erscheinung, eine gesellschaftliche Ungeheuerlichkeit, durch ganz außergewöhnliche Verhältnisse geschaffen, die ihres gleichen nirgends wieder finden? Selbst wenn dies der Fall wäre, wenn wir ähnliche Sitten bei keinem anderen Volk finden würden, müßte der Mann der Wissenschaft sich doch sagen, daß es keine Wunder gibt. Die Teratologie (Lehre von dem Mißgeburten, Monstrositäten) von Geoffroy St. Hillaire [28] reiht auch die Mißgeburten in die Klasse der Tiere ein, da jene nur Organismen seien, die in ihrer Entwicklung gehemmt geworden sind und die daher einen niederen Typus der Art darstellen. Könnte man nicht auch annehmen, daß die Nairen-Familie eine anfängliche Form der Familie wieder erneuert, welche die Menschheit im Laufe ihrer Entwicklung durchschreiten mußte?

Aber die Familiensitten der Nairen bilden keineswegs eine einzig dastehende Ausnahme. Wenn man die Erzählungen der Reisenden über die wilden Stämme der alten und neuen Welt durchblättert; wenn man, frei von den Vorurteilen unserer Zivilisation und aufmerksam gemacht durch die Berichte neuerer Forschungsreisender die Historiker, Poeten und Philosophen des Altertums studiert, wenn man die Riten und heiligen Bücher der verschiedenen Religionen untersucht, dann ergibt sich eine Fülle von Tatsachen, die beweisen, daß alle Völker der Erde auf einem gewissen Punkte ihrer Entwicklung Sitten huldigten, die denen der Nairen entsprechen.

 

 

II

Versetzen wir uns nach Afrika, inmitten die Tuaregs des Nordens (in der westlichen Sahara) und nehmen wir zu unserem Führer einen französischen Reisenden, Duveyrier. [29]

„Der Mutterleib gibt dem Kind seine Farbe“, sagt ein Targui [30]-Sprichwort, welches sich bei den Howas von Madagaskar wiederfindet. Das Targui-Kind folgt im Stand der Mutter; ist sie frei und edel, so ist es das Kind auch, selbst wenn der Vater ein Sklave ist. So berichtet auch Herodot von den Lyk„ern [31]: „[...] wenn eine Bürgerin sich mit einem Unfreien verbindet, so gelten die Kinder für echtbürtig; hat aber ein Bürger, und wäre er noch so vornehm, eine Fremde zur Frau oder eine Nebenfrau, so bekommen seine Kinder keinerlei Rechte“. [32] „Partus sequitur ventrem“, das Kind folgt der Mutter, sagt ein altes römisches Sprichwort. „Ventre affranchit et ennoblit“ sagt das Gewohnheitsrecht der Champagne [33] und von Brie [34] im 12. Jahrhundert.

Die Tuareg kennen zwei Arten von Eigentum: 1. Güter, welche durch die Arbeit des Individuums erworben wurden, wie Waffen, Geld, gekaufte Sklaven, Vieh; der Ertrag der Ernte, und überhaupt Lebensmittel, gelten als individuelles Eigentum; – 2. Abgaben, die von Karawanen oder einzelnen Reisenden eingehoben wurden, Abgaben von Weide- oder bebautem Land, oder von Gewässern; ferner Abgaben von Personen oder Stämmen, die in Abhängigkeit gebracht wurden, endlich das Recht zu befehlen und Gehorsam zu verlangen, sind der Familie gemeinsam. sie werden nicht in männlicher Linie übertragen, sie kommen an den ältesten Sohn der ältesten Schwester, der sie im Interesse der ganzen Familie verwaltet.

Früher, wenn es sich um die Verteilung von Ländereien handelte, wurden die jeder Familie zugewiesenen Grundstücke auf den Namen der Mutter eingetragen. Das Recht der Berber gestattet den Frauen die Verwaltung ihrer Güter; in Rhat [35] haben diese allein das Recht der Verfügung über Häuser und Gärten, mit einem Wort, über den ganzen Grundbesitz des Landes.

Die Tuareg haben eine weibliche Genealogie. Der Targui kennt seine Mutter, aber er kennt nicht seinen Vater. Das Kind gehört der Gattin und nicht dem Gatten; ihr Blut ist es, das ihm seinen Rang im Stamme und in der Familie anweist.

Wenn es einen Punkt gibt, in dem die Targuigesellschaft sich von der arabischen Gesellschaft unterscheidet, so ist es der Kontrast der hohen Stellung der Frau in der ersteren verglichen mit der untergeordneten Stellung der arabischen Frau. Bei den Tuareg ist die Frau dem Mann nicht nur gleich, sie erfreut sich sogar einer bevorzugten Stellung. Sie sind frei handlungsfähig, und in der ehelichen Gemeinschaft verwaltet sie selbst ihr Vermögen, ohne verpflichtet zu sein, zu den Haushaltungskosten etwas beizutragen. Es kommt auch vor, daß infolge der Anhäufung der Produkte der größte Teil sich in den Händen der Frau befindet.

Die Targui-Frau ist monogam; sie hat ihrem Gatten die Monogamie (Einehe) auferlegt, trotz des mohammedanischen Gesetzes, das ihm mehrere Frauen erlaubt. Sie ist unabhängig gegenüber ihrem Gemahl, den sie unter dem geringfügigsten Vorwand abweisen kann; sie kommt und geht, wie es ihr beliebt. Diese gesellschaftlichen Einrichtungen und aus ihnen folgende Sitten haben die Targui-Frau außerordentlich entwickelt. „Ihre Intelligenz und Energie überraschen inmitten einer mohammedanischen Gesellschaft“. Auch körperlich ist sie ausgezeichnet. Auf dem Rücken des Dromedars durcheilt sie hundert Kilometer, um sich zu einem Fest zu begeben; sie nimmt es in Wettrennen mit den kühnsten Rittern der Wüste auf. Sie ist bemerkenswert durch ihre Hochschätzung geis„iger Bildung; die Frauen des Stammes der Imanan wurden gepriesen wegen ihrer Schönheit und wegen ihres musikalischen Talents; wenn sie Konzerte geben, kommen die Männer von weit und breit hinzu, geputzt wie männliche Sträuße. Die Frauen der Berberstämme singen jeden Abend zur Begleitung der „rebaza“ (eine Geige); sie machen Improvisatione; mitten in der Wüste lassen sie die Liebeshöfen der Provence wiedererstehen. [36] Die verheiratete Frau wird um so mehr geachtet, je mehr Freunde sie unter den Männern; aber um ihren guten Ruf zu erhalten, darf sie keinen vorziehen. „Die Freundin und ihr Freund“, sagt sie, „sind für die Augen und für das Herz da, und nicht bloß für das Bett, wie bei den Arabern“. Aber die edlen Targui-Damen sind nicht gezwungen, sich entgegen ihren Gefühlen zu benehmen, wie es die Heldinnen der Fronde taten, welche die Beziehungen zwischen der Geliebten und dem Geliebten platonisch auffaßten und, wie sich Saint-Evremont [37] ausdrückte, ihre Liebhaber auf das zärtlichste lieben und sich ganz solid mit ihrem ihnen gleichgültigen Gatten ergötzen. Die Ehe der Tuareg ist nicht unauflöslich, die Paare können sich leicht trennen, und die Damen zu neuen Verbindungen schreiten.

Die Frauen spielen die wichtigste Rolle in den Legenden des Landes. Dieselbe Erscheinung beobachtet man bei den Griechen des Zeitalters Homers. Bei verschiedenen kriegerischen Unternehmungen führten sie das Kommando; eine von ihnen, Kahiva, die Maria Theresia [38] der Wüste, vereinigte zu Anfang des 8. Jahrhunderts die Berberstämme unter ihrer Herrschaft und bildete den Mittelpunkt des heldenhaften nationalen Widerstandes gegen den Einbruch der arabischen Eroberer, denen es erst nach ihrem Tod gelang, sich des Küstengebietes des Atlasgebirges [39] zu bemächtigen. Sie fiel mit dem Schwert in der Hand, getötet von Hassan, dem Feldherrn der Araber. Vor einigen Jahren stand an der Spitze des Stammes der Jhehaouen eine Frau, eine Scheika; noch heute werden Frauen, die sich durch ihre Talente auszeichnen, zu den Ratsversammlungen des Stammes zugezogen.

Die Tuareg sind die Nachkommen jener Lybier, von denen Herodot erzählt (IV, 180), daß die Frauen ihnen gemeinsam waren, daß sie aber nicht mit ihnen zusammen wohnten und daß die Kinder von den Müttern aufgezogen wurden. Sie behaupteten, Athene sei Zeus’ Adoptivtochter, da sie nicht zugeben konnten, daß ein Mann ohne Zutun des anderen Geschlechts zeuge [40], nur die Frauen waren für sie zu einer solchen Wundertat fähig.

Im Niltal, dieser alten Wiege der Zivilisation, nahmen die Frauen zu Herodots Zeiten eine so privilegierte Stellung ein, daß die Griechen Ägypten die verkehrte Welt nannten. Der Geschichtsschreiber aus Halikarnassos erklärte diesen Gegensatz aus der Besonderheit des Nils: „Wie die Ägypter [...] einen Fluß haben, der besonders ist, so haben sie sich auch in fast allen Stücken Gewohnheiten und Sitten zugelegt, die den anderen Menschen grade entgegengesetzt sind. So gehen die Frauen auf den Markt und handeln, die Männer aber sitzen zu Haus und weben. [...] Lasten tragen die Männer auf den Köpfen, die Frauen auf den Schultern. Die Frauen lassen Wasser im Stehen und die Männer im Hocken. [...]. Die Söhne brauchen ihre Eltern nicht zu ernähren, wenn sie keine Lust haben, aber die Töchter müssen es, auch wenn sie keine Lust haben“. [41] Diese den Töchtern auferlegte Verpflichtung würde allein schon genügen, zu beweisen, daß die Familiengüter in Ägypten den Frauen gehörten, in gleicher Weise, wie bei den Nairen und Tuareg: Und überall wo die Frauen diese ökonomische Stellung einnimmt, steht sie nicht unter der Vormundschaft des Mannes, sondern ist das Familienoberhaupt.

„Wegen der zahlreichen Wohltaten, welche die Göttin Isis den Menschen erweist“, schreibt Diodor von Sizilien [42] (I, 27), „wurde bestimmt, daß die Königin von Ägypten größere Macht und Ehre haben soll, als der König; dies erklärt, warum selbst unter Privatpersonen der Mann der Frau durch den Heiratsvertrag untertan wird, und daß unter Ehegatten ausgemacht wird, daß der Mann der Frau zu gehorchen habe“. Man hat diese Beobachtung von Diodor unter die Fabeln gereiht, mit denen weitgereiste Schrifsteller gerne ihre Schilderungen ausschmücken: Aber man war dann gezwungen, anzuerkennen, daß bis zur Zeit der Ptolemäer [43] die Königinnen an der Herrscher-Gewalt Anteil hatten, trotz der entgegengesetzten Ansichten der Griechen, die das Land eroberten. Kleopatra legte bei den religiösen Festen die Attribute der Gottesmutter Isis an, und ihr Gemahl Antonius, ein römischer Feldherr, folgte zu Fuß ihrem Triumphwagen. Die Grabinschriften, die im Niltal gefunden worden sind, nennen sehr häufig den Namen der Mutter des Verstorbenen, nicht den seines Vaters. „Mitunter“, sagt Revillout [44], „deutete man durch eine Parallelbezeichnung an, daß die in Rede stehende Person der Sohn dieses oder jenes ist [...]. Aber diese Bezeichnung des Vaters ist selten in der heiligen Schrift. [...] fügen wir hinzu, daß die verheiratete Frau immer den Namen Nebt-Pas führt, Frau des Hauses, Herrin des Hauses“. [45] Monsieur Revillout ist darüber fürchterlich entrüstet.

Die Untersuchung der in demotischer Schrift (der seit dem 8. Jahrhundert v.u.Z. eingeführten Volkssschrift) abgefaßten Papyri des Louvre erlaubt es dem gelehrten Ägyptologen, zu konstatieren, daß die alten Heiratskontrakte die Güter der Frau nicht erwähnten, wie zahlreich und wie bedeutend sie auch gewesen sein mögen, da der Gatte kein Recht darauf hatte; dagegen wurde die Summe bestimmt, die er seiner Frau zu zahlten hatte, sei es als Hochzeitsgeschenk, jährliche Pension oder Buße für den Fall des Ehebruches. Die Gattin ist stets absolute Herrin ihres Vermögens, über das sie nach Belieben schaltet und waltet. Sie verkauft, kauft, verleiht und macht Anleihen; kurz, sie handelt auf eigene Verantwortung, wie ein Familienoberhaupt. Die Tatsachen, welche Herodot und Diodor mitteilen, bekräftigt durch die Ergebnisse der Forschungen von Champollion [46] und andere Ägyptologen, beweisen, daß die ägyptische Frau in der Familie dieselbe Stellung einnahm, wie die Nairen- und Targui-Frau.

Aber wir besitzen weitere Beweise von anderer Natur.

Die Bräuche und Legenden der Religion erhalten gleich Mumien die Bräuche der Vorzeit. So ist die Legende von Abraham, der an Stelle Isaaks einen Widder schlachtet, ein fernes Echo der Menschenfresserei. Die Religion bildet sich im Menschen unter dem Einfluß der ihn umgebenen Tatsachen; aber im Lauf der Jahrhunderte verwandeln sich diese Tatsachen; sie verschwinden, während die religiöse Form bleibt, welche ihr Ausdruck im menschlichen Geist gewesen ist: Durch das Studium der religiösen Formen können wir die natürlichen und gesellschaftlichen Erscheinungen wieder entdecken und wieder darstellen, welche zu ihrem Aufbau gedient haben.

Isis, die Göttin der alten Ägypter, die Mutter der Götter, ist aus eigener Kraft entstanden, sie ist auch die jungfräuliche Göttin. Ihre Tempel zu Sais, der heiligen Stadt, trugen die stolze Inschrift: „Niemand hat noch mein Kleid gehoben; die Frucht, die ich geboren, ist die Sonne“. Der Stolz der Frau zeigt sich deutlich in diesen heiligen Worten; sie erklärt sich vom Mann unabhängig, sie bedarf seines Zutuns nicht, um zu zeugen. Griechenland gibt auf diese kecke Behauptung die Antwort: Zeus, der Vater der Götter, zeugt und gebiertAthene ohne Zutun einer Frau, und Athene, „die Göttin, die nicht in der Dunkelheit des Mutterschoßes gezeugt worden ist“, wird die Feindin der Frauen-Herrschaft in der Familie. Im Kontrast dazu zeigt sich Isis uns als die Göttin des alten Rechtes; sie heiratet ihren Bruder, wie in den Zeiten der unterschiedslosen Geschlechtsmischung innerhalb der Blutsverwandtschaft; auf d„n Denkmälern erklärt sie: „Ich bin die Mutter des König Horus, die Schwester und Gemahlin des Königs Osiris, ich bin die Beherrscherin des ganzen Erdkreises“. Ihr Gemahl, viel bescheidener, nennt sich nicht Vater des König Horus. Isis ist unsterblich, Osiris ist sterblich, er wird von Typhon getötet; er stirbt, sobald sein Werk als Zeuger vollbracht hat.

Babylon feierte in fünf Tagen ausgelassener Volksfeste die Göttin Mylitta [47]; es war das Volksfest der ursprünglichen Freiheit und Gleichheit; der Phallus, der alle Menschen gleich macht, wurde angebetet; der Fest-König, den man aus den Reihen der Sklaven nahm, wurde verbrannt, nachdem er die Fest-Königin, die schönste der Hetären, genossen hatte: In gleicher Weise, wie Osiris sterben muß, nachdem er seine Werk als Zeuger vollbracht hat. Der Gegensatz der Geschlechter, der mit der Menschheit entstanden ist, dauert an. Auf der einen Seite der Mann, der seit Beginn der historischen Zeit die Frau verachtet, sie unter Kuratel setzt und als bloße Beischläferin oder Haushälterin betrachtet; auf der anderen Seite die Frau, die, wie uns die religiösen Sitten zeigen, dem Mann beweist, daß sie ihm gleich ist, ja sogar höher steht.

Bei den kommunistischen Tiergesellschaften, den Ameisen und den Bienen, ist das Männchen ein Schmarotzer. Man tötet es nach dem Akt der Befruchtung.

 

 

III

Man kann nicht länger zweifeln, daß die Menschheit, ehe sie zur gegenwärtigen Familienform gelangte, die entgegengesetzte Form der Familie durchlief: Die Mutter vererbte den Kindern ihren Namen, ihr Vermögen, ihren Rang; der Vater ist eine untergeordnete Persönlichkeit. [48] Die Familie ist die Fortsetzung von Frau zu Frau, ihr Bindeglied ist die Nabelschnur, dieses materielle Zeichen der Mütterlichkeit. Dieses Organ, das man in den fürstlichen Familien Europas in Gegenwart von Zeugen abschneidet, um jeder Bestreitung der Legitimität des Neugeborenen zuvorzukommen, genießt bei manchen Völkerschaften eine solche Verehrung, daß z.B. die Bewohner des oberen Nil, die Fidschi-Insulaner [49] und selbst die Kreolen der Antillen [50] es sorgfältig bewahren und nach dem Tode des Individuums feierlich begraben; es ist das Band, welches mit dem Stamm der Familie, mit der Mutter verband.

Die Sitten, die dieser Familienform entspringen, erregen die moralische Entrüstung der zivilisierten Welt. Die Keuschheit der Monogamie gilt da noch nicht als Tugend; im Gegenteil wird die Frau umso mehr geehrt, je größer die Zahl ihrer Gatten, die einander entweder an bestimmten Tagen ablösen oder jeder während eines Mondmonats bei ihrer Gattin bleiben, wie dies z.B. auf den Kanarischen Inseln [51] gebräuchlich war [52]. Die Gatten ein und derselben Frau leben, wie neben anderen Herrera [53] von den Indianer Venezuelas erzählt, in vollständiger Eintracht, ohne die Eifersucht zu kennen; diese Leidenschaft entwickelte sich erst spät im Menschengeschlecht.

Die Kinder erbten das Vermögen der Mutter und der Brüder der Mutter, niemals das des Vaters. Der Onkel liebte seine Neffen zärtlicher, als seine eigenen Kinder. „Bei den Germanen“, sagt Tacitus [54], „ist das Kind einer Schwester dem Oheim ebenso teuer, wie seinem Vater. Einige halten sogar diesen Verwandschaftsgrad für einen heiligeren und engeren; und wenn sie Geiseln nehmen, ziehen sie die Neffen vor, da die Familie an diesen mehr hängt“. Die Germanen, die der römische Historiker beschreibt, hatten schon die Form der Vaterfamilie übernommen, da die Kinder nach den Vätern erbten; aber sie bewahrten noch die Gefühle und gewisse Sitten der Mutterfamilie. Der französische Ausdruck „nos neveux [unsere Neffen]“ wird gebraucht, um „unsere Nachkommen“ zu bezeichnen; schlechte Witze erklären ihn aus dem zweifel an die eheliche Treue der französischen Frauen, aber er ist jedenfalls eine überlieferte Erinnerungan die Mutterfamilie. Die Frau bleibt dort, wo das Mutterrecht herrscht, in ihrem Haus oder dem ihres Klans, sie wechselt nie in das ihres Gatten über. Folgende Bemerkung eines protestantischen Pastors, der jahrelang unter den Seneca-Irokesen lebte, ist typisch: „Was ihre [der Senecas] Familien betrifft, zur Zeit, als sie noch die alten Langhäuser bewohnten (die mehrere hundert Individuen fassen konnten), so herrschte wahrscheinlich in jedem Haus ein Klan vor; aber die Frauen führten ihre Männer von anderen Klans ein. In der Regel beherrschten die Frauen das Haus; die Vorräte waren gemeinsam; wehe dem unglücklichen Ehemann oder Liebhaber, der zu träge oder zu ungeschickt war, seinen Teil zu den gemeinsamen Vorräten beizutragen. Wie viele Kinder oder Vermögen er auch im Haus haben mochte, jeden Augenblick konnte er der Weisung gewärtig sein, samt seinen Decken und Fellen aus dem Haus zu verschwinden; und es war nicht ratsam, sich dieser Weisung zu widersetzen. Das Haus wurde ihm zu heiß gemacht, und wenn nicht irgendeine Tante oder Großmutter sich seiner annahm, blieb ihm nichts anderes übrig, als zu seinem Klan zurückzukehren, oder, was oft geschah, mit einem anderen eine andere Ehe abzuschließen. Die Frauen waren die große Macht in den Klans und auch sonst allenthalben. Sie hatten keine Bedenken, dem Häuptling die ‚Hörner abzuschlagen‘, wie der technische Ausdruck lautete, und ihn zum gemeinen Krieger zu degradieren. Die Wahl der Häuptlinge lag auch in ihrer Hand“. [55]

Die Berichte der Reisenden schildern die Frau in der Periode der Barbarei von Arbeiten erdrückt. Die Arbeitsteilung, bemerkt Marx, beginnt mit der Trennung der Geschlechter. [56] Der Wilde ist Krieger und Jäger; er lebt, umgeben von Feinden, auf deren Überfälle er jeden Augenblick gefaßt sein muß; er muß immer bereit sein, sich zu schlagen, stets unter Waffen: seine Arbeit besteht in der Verteidigung des Stammes und der Versorgung von Frauen und Kindern mit Lebensmitteln. Bei den zivilisierten Völkern ist der Soldat von jeder Arbeit befreit. Der Frau des Wilden hingegen fällt alle Hausarbeit zu, die Feldbestellung, auf ihrem Rücken trägt sie die Kinder und den Hausrat, der ihr übrigens gehört. „Völker, bei denen die Weiber weit mehr arbeiten müssen“, sagt Engels, „als ihnen nach unserer Vorstellung gebührt, haben vor den Weibern oft weit mehr wirkliche Achtung, als unsere Europäer. Die Dame der Zivilisation, von Scheinhuldigungen umgeben und aller wirklichen Arbeit entfremdet, hat eine unendlich niedrigere gesellschaftliche Stellung, als das hart arbeitende Weib der Barbarei, das in seinem Volk für eine wirkliche Dame (lady, frowa, Frau, Herrin) galt und auch eine solche ihrem Charakter nach war“. [57]

„Die Frau, die souveräne Herrscherin in ihrem Haushalt war, übte auch einen Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten aus; sie nahm teil an den Stammesversammlungen: Ohne näher darauf eingehen zu wollen sei hier nur die Funktion einer Schiedsrichterin erwähnt, die sie ausübte. In Tasmanien [58] trieben die Frauen am Beginn der Schlacht die Krieger zum Angriff; aber sobald sie drei Mal die Hände erhoben, endete der Kampf, und die Besiegten, die eben daran waren, getötet zu werden, wurden geschont“. [59] Die Frauen waren noch bei den Troglodyten [60] unverletzlich; sobald sie sich zwischen den Kämpfenden warfen „hörten diese auf, ihre Pfeile abzuschießen“. [61] Die Germaninnen wohnten den Schlachten bei, eiferten die Kämpfer durch ihre Rufe, trieben die Flüchtenden in das Getümmel zurück, zäzhlten und verbanden die Wunden. die Germanen verschmähten es nicht, sie zu befragen und ihren Ratschlägen zu folgen; sie fürchteten mehr die Gefangenschaft ihrer Frauen, als ihre eigene; diese Barbaren glaubten, es wohne in ihnen etwas Heiliges und Prophetisches, „sanctum aliquid et providum“. [62]

Ich könnte noch viele Seiten mit der Aufzählung ähnlicher Tatsachen füllen, die beweisen, daß alle Völker der Erde durch eine Familienform hindurchgegangen sind, die gänzlich verschieden ist von der, die wir heute kennen. Diese uns sonderbar erscheinenden Tatsachen, welche unsere überlieferten Ideen völlig über den Haufen werfen, waren früher nur von wenigen skeptischen Geistern hervorgehoben worden, die sich ihrer bedienten, um in die landläufigen Moralanschauungen eine Bresche zu schlagen. [63] Die Geschichtsphilosophen, die dicke Bände voll pedantischer Gelehrsamkeit über den „Fortschritt“ geschrieben, und die Moralphilosophen, welche die Gesetze der ewigen Moral dogmatisch weiterentwickelt haben, ignorierten sie vollkommen. sie taten, als sähen sie sie nicht, was allerdings sehr bequem ist. [64] Jetzt aber wurden sie von tiefgründigen und kühnen Denkern geordnet und benutzt, um aus ihnen auf den Weg zu schließen, den die Menschheit in ihrer Entwicklung zurücklegt.

 

 

IV

Stellen wir uns ein urwüchsiges Menschenpaar vor, wie etwa Adam und Eva nach der biblischen Überlieferung [65], das sich vielleicht von einer wilden Horde losgesagt hat, zu der Zeit, als sich der Mensch noch an der Grenze zum Tier befand. Was geschieht? Dieses Paar bildet mit seinen Nachkommen eine neue Horde, 40 bis 50 Köpfe stark; die Schwierigkeiten der Erlangung von Nahrung erlaubten kaum, diese Zahl zu überschreiten. Im Schoße dieser Gruppe sind die geschlechtlichen Beziehungen völlig frei, jede Frau ist die Gattin jedes Mannes und jeder Mann der Gatte aller Frauen, ohne einen Unterschied zu machen, ob diese etwa seine Mutter, seine Schwester, seine Tochter ist. Diese unterschiedslose Geschlechtsvermischung hat man bei keinem wilden Volk mehr beobachtet – eher findet man Ähnliches in den großen Hauptstädten der Zivilisation: Wir haben aber sehr triftige Gründe, anzunehmen, daß sie zu einer Zeit bestand, als der Mensch noch nicht, nach einem lateinischen Ausdruck, ein mit Vernunft begabtes (rationis particeps) Tier war; damals, als er noch völlig nackt auf den Bäumen oder in natürlichen Höhlen lebte, sich von Früchten, Muscheln, Schnecken und dem rohen Fleisch des erlegten Wildes nährte und sich kaum von seinem tierischen Vorfahren unterschied. Die festlichen Orgien der asiatischen Religionen, bei denen völlig geschlechtliche Freiheit herrschte, scheinen noch Erinnerungen an den urwüchsigen unterschiedslosen Geschlechtsverkehr zu sein. Strabo [66] berichtet, daß bei den Magarn [67] die religiöse Tradition die Ehe des Vaters mit der Tochter, des Sohnes mit der Mutter vorschrieb, zu dem Zwecke der Zeugung von Kindern, die für priesterliche Funktionen bestimmt waren. Bachofen sieht in der unterschiedslosen geschlechtlichen Vermischung eine religiöse Einrichtung, und verkennt ihren naturwüchsigen Ursprung. Die Feste mit geschlechtlicher Freiheit und die Sitten, die bei so vielen Völkern die Frauen zwangen, sich wahllos jedem Kommenden zu prostituieren, hatten nach seiner Auffassung den Zweck der Sühne, um die erzürnten Götter zu beruhigen: Die Menschen hatten durch das Eingehen individueller, mehr oder weniger polygamer Ehen die Befehle der Gottheit verletzt, welche die Gemeinschaft der Frauen gebot.

Die erste Einschränkung der geschlechtlichen Freiheit trat mit der Teilung der Individuen des wilden Stammes in Generationsgruppen ein, so daß jede Generation eine besondere Gruppe bildete; die Ehen zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen wurden untersagt: Die erste Gruppe ist die der Erzeuger, die zweite die der Kinder, die dritte die der Enkel usw. Alle Individuen einer Gruppe sind die Kinder der vorhergehenden Gruppe und die Eltern der nachfolgenden; untereinander betrachten sich alle Mitglieder einer Gruppe als Brüder und Schwestern und gleichzeitig als Gatten: Aber es ist ihnen verboten, geschlechtliche Verbindungen mit Individuen der höheren oder der niederen Gruppe einzugehen. Noch gibt es keine individuelle Ehe: Jeder Mann ist Gatte aller weiblichen Mitglieder der selben Generation, seiner Schwestern, und jede Frau Gattin aller ihrer Brüder. „In der Urzeit war die Schwester die Frau, und das war sittlich“, sagt Marx. [68] Die religiösen Legenden und die Sitten der Völker des Altertums liefern uns zahlreiche Beispiele von Geschwisterehen: Isis und Osiris, Jupiter und Juno, Kronos und Rhea usw. waren Gatten und Geschwister.

Morgan, der die Verwandschaftsbezeichnungen der Wilden auf das eingehendste und sorgfältigste untersuchte, fand auf den Sandwich-Inseln [69] eine Reihe von Verwandschaftsbezeichnungen, die mit der tatsächlich dort herrschenden Familienform nicht übereinstimmten und die einer Zeit entstammen müssen, wo die männlichen und weiblichen Individuen einer Generationsgruppe sich als Kinder der höheren Gruppe betrachteten und als Väter und Mütter der niedereren. Dieses Verwandschaftssystem kennt noch nicht die Unterscheidungen von Onkel, Tante, Neffe, Nichte, Vetter und Base, welche aber durch die herrschende Familienform tatsächlich gegeben waren. Zur Erklärung dieses scheinbaren Widerspruches sagt Morgan: „Die Familie ist das aktive Element; sie ist nie stationär, sondern schreitet vor von einer niedrigeren zu einer höheren Form, im Maß, wie die Gesellschaft sich von niederer zu höherer Stufe entwickelt. Die Verwandschaftsysteme hingegen sind passiv; nur in langen Zwischenräumen registrieren sie die Fortschritte, die die Familie im Laufe der Zeit gemacht hat, und erfahren nur dann radikale Änderung, wenn die Familie sich radikal verändert hat“. [70] „Und“, setzt Marx hinzu, „ebenso verhält es sich mit politischen, juristischen, religiösen, philosophischen Systemen überhaupt“. [71]

„Wenn der erste Fortschritt der Organisation darin bestand“, schreibt Engels, „Eltern und Kinder vom gegenseitigen Geschlechtsverkehr auszuschließen, so der zweite in der Ausschließung von Schwester und Bruder. Dieser Fortschritt war, wegen der größeren Altersgleichheit der Beteiligten, unendlich wichtiger, aber auch unendlich schwieriger, als der erste. Er vollzog sich allmählich, anfangend mit der Ausschließung der leiblichen Geschwister (d.h. von mütterlicher Seite) aus dem Geschlechtsverkehr, erst in einzelnen Fällen, nach und nach Regel werdend (in Hawaii kamen noch in diesem Jahrhundert Ausnahmen vor) und endend mit dem Verbot der Ehe sogar zwischen Kollateralgeschwistern, d.h. nach unserer Bezeichnung Geschwisterkindern, -enkeln und -urenkeln; er bildet, nach Morgan, ‚eine treffliche Illustration davon, wie das Prinzip der natürlichen Zuchtwahl wirkt‘. [72] Keine Frage, daß Stämme, bei denen die Inzucht durch diesen Fortschritt beschränkt wurde, sich rascher und voller entwickeln mußten, als die, bei denen die Geschwisterehe Regel und Gebot blieb“. [73]

Fison [74] und Howitt [75] erzählen in ihrer bemerkenswerten Arbeit über die Kamilaroi und Kurnai, zwei Völkerschaften Australiens [76], eine Legende, welche die allmähliche Einschränkung der geschlechtlichen Verbindungen zu erklären versucht: „Nach der Schöpfung verheirateten sich Brüder und Schwestern und die nächsten Verwandten ohne Unterschied. Als aber die Übel solcher Verbindungen offenbar wurden, versammelten sich die Häuptlinge, um zu beraten, wie dem abgeholfen werden könne. Das Ergebnis ihrer Beratungen war eine Anflehung Muramuras (des guten Geistes); er befahl ihnen, den Stamm in Gruppen zu teilen, die sich durch Namen von einander unterschieden, die belebten oder unbelebten Gegenständen der Natur entnommen waren, wie Hund, Maus, Emu, Regen, Yamswurzel [77] usw., und er verbot aufs strengste, daß Individuen, die denselben Gruppennamen führten, einander ehelichten; aber er erlaubte, daß Mitglieder einer Gruppe sich mit denen anderer Gruppen verbanden. Die Sitte wird heute noch beobachtet; die erste Frage eines Australiers an einen Fremden lautet: ‚Von welchem Murdu (von welcher Gruppe) stammst Du?‘“

Die Murdu-Legende enthält drei wichtige Tatsachen, die hervorzuheben sind. Ursprünglich bildete der Stamm eine völlig unterschiedslose Masse; innerhalb der ehelichen Gemeinschaft standen Schwestern und Brüder und selbst Eltern und Kinder: Dann teilte sich der Stamm in Gruppen, die ein Totem annahmen, das heißt, den Namen eines Tiers oder eines sonstigen Produktes der Natur: Dieser belebte oder unbelebte Gegenstand wurde schließlich als Urahne der Gruppe angesehen, die vollkommen dem keltischen Klan, der römischen Gens, dem griechischen Genos entspricht. Der Lexikon-Verfasser Festus Pompejus [78] behauptet, daß die Gens Aurelia, der die Mutter Cäsars angehörte, ihren Namen von der Sonne ableitete, dem glühenden Golde (aurum urere). Verschiedene griechische Familien erklären Tiere für ihre Urahnen; sie behaupteten freilich, diese Tiere seien nur die Verkleidungen Zeus’ bei seinen irdischen Liebesabenteuern gewesen. Plutarch spricht von einer athenischen Gens, die eine Pflanze als Vorfahren verehrte, den Spargel.

Die Murdu-Legende erzählt uns ferner, daß der gute Geist geschlechtliche Verbindungen zwischen Individuen verbot, die denselben Gentil-Namen trugen, dasselbe Totem führten, d.h. zur gleichen Gruppe gehörten.

Wie konnte sich die Teilung des Stammes in Gruppen, Klans, Gentes erhalten, wenn Nahrungsmangel seine Mitglieder zwingt, sich zu zerstreuen und neue Wohnsitze aufzusuchen? Sie erhalten sich durch die Bewahrung des Gentil-Namens, der von Generation zu Generation gleich einem Heiligtum überliefert wird. Die Mitglieder, die den Klan verlassen, nehmen dessen Namen mit sich; mögen sie sich noch so entfernt niederlassen, jenseits von Bergen, von Meeren; mögen sie im Laufe der Zeiten neue Sitten annehmen und ihre Sprache soweit ändern, daß sie unfähig sind, die des Mutterstammes zu verstehen, sie bleiben doch Mitglieder des gleichen Klans, derselben Gruppe. Und da die Ehe zwischen Personen der gleichen Gruppe untersagt ist, so geht die erste Frage bei der Begegnung fremder Individuen nach dem Namen, dem Totem. Dieses Verbot ist so streng, daß in Australien ein Krieger, der sich, selbst ohne es zu wissen, mit einer Frau vom gleichen Totem verbunden hat, von den Mitgliedern seines Stammes wie ein Wild gejagt wird.

Wie wird der Name des Ahnen übertragen? Durch den Vater oder durch die Mutter?

„Das ist ein kluges Kind, das seinen Vater kennt“, lautet ein Sprichwort. In der Tat, der wirkliche Zeuger eines Kindes ist ungewiß, stets ist dagegen seine Mutter sicher. Die väterlichen Gefühle sind auch dem Mann nicht angeboren: Um sich zu äußern, bedürfen sie selbst dort, wo sie bestehen, der Anregu„g durch äußere Umstände. Die Mutterliebe dagegen ist im Herzen der Frau tief verwurzelt: Sie hat die organischen Anlagen, Mutter zu werden, das Kind in ihrem Schoße zu entwickeln, mit ihrer Milch zu nähren, sobald es geboren ist. Das Muttergefühl ist eines der wichtigsten physiologischen Erfordernisse der Erhaltung der Art. Die Zivilisation wirkt oft der Natur entgegen, macht die Schwangerschaft beschwerlich, das Gebären mühevoll und schmerzlich, das Säugen gefährlich, oft unmöglich: So schwächt sie die Mutterliebe in der Frau. Die Frau des Wilden liebt ihr Kind über alles; sie säugt es zwei Jahre lang, sie schlägt es niemals; das Kind, welches die Mutter vor den Brutalitäten der Männer schützt, schmiegt sich an sie, wie sich die Küchlein bei der geringsten Gefahr unter die Flügel der Henne flüchten. Die Frau war daher von Natur aus zur Funktion bestimmt, das Totem des Klans zu tragen.

„Die Frau macht den Klan“, sagen die Wyandott-Indianer Nordamerikas. Das ist buchstäblich richtig: Die Frauen des Klans haben die Aufgabe, ihn fortzupflanzen; die Männer lassen ihre Kinder in anderen Klans. Das Kind gehört zum Klan der Mutter.

Die Mitglieder eines Klans, wie zahlreich und zerstreut sie auch sein mögen, bilden eine einzige große Familie; dasselbe Blut fließt in ihren Adern, dieselbe Nabelschnur, verlängert von Frau zu Frau, verbindet sie mit der Urmutter, dem mütterlichen Stamm. Unter allen Verhältnissen müssen sie für einander einstehen, zu gegenseitiger Hilfeleistung, Schutz und Vergeltung. Der Vater ist unbekannt; der Bruder der Mutter ersetzt ihn. Die Bande des Blutes und einer innigen Zuneigung verbinden Oheim und Neffen. Der Vater, der zu einem anderen Klan gehört, als seine Kinder, wird hingegen nicht mit ihnen als blutsverwandt betrachtet. Kein Band des Gefühls besteht zwischen beiden Teilen, sie können in Kampf geraten, einander töten, wenn die beiden Klans, zu denen sie gehören, einander den Krieg erklären, während es als ein furchtbares Verbrechen gilt, das Blut des eigenen Klans zu vergießen. [79] Die literarischen Eintagsfliegen unserer Tage spotten über Homer, weil er nicht ihre Manieriertheit besitzt, und lachen über seine Helden, die, bevor sie sich bekämpfen, einhalten, um ihren Stammbaum zu entwickeln: Die Sänger der Gedichte Homers hatten einen feineren Sinn für das Wirkliche, als die modernen Schriftsteller der naturalistischen Schule [80]; sie gaben einen Brauch wieder, der sicher noch bestand, nachdem die Abstammung von Vaterseite im Klan schon den mütterlichen Stammbaum ersetzt hatte. Krieger, die in feindlichen Lagern standen, konnten Mitglieder desselben Klans sein; sie mußten sich kennenlernen, ehe der Angriff begann, um nicht das scheußlichste Verbrechen zu begehen, das Blut des eigenen Klans zu vergießen. Mac Lennan merkt an, daß die Helden der Ilias in ihren Genealogien nicht über das dritte Glied hinauskamen, ohne einem Gott, d.h. einem unbekannten Vater zu begegnen; das scheint anzuzeigen, daß zu dieser Zeit die Rechnung der Abstammung in männlicher Linie bei den Hellenen noch neu war.

Der Wilde, der in ewigem Kampfe mit wilden Tieren und Menschen steht, kann nicht für sich allein leben; er kann nicht begreifen, wie man getrennt von seiner Gruppe, seinem Klan existieren kann; ihn aus diesem auszuschließen, heißt ihn zum Tode verurteilen: Und während langer Zeit im Altertum galt die Verbannung als die schrecklichste aller Strafen. Der urwüchsige Mensch bildet nicht ein selbständiges Wesen für sich allein; er besteht nur als Teil eines Ganzen, welches die Gruppe, der Klan ist: Nicht das Individuum heiratet, sondern der Klan. Diese Form der Eheschließung scheint uns zweifellos sehr sonderbar. Um sie zu illustrieren, nehme ich ein Beispiel aus dem Buch von Fison und Howitt. Die Kamilaroi zerfallen in vier Klans: Ippai und Kubbi, Kumbo und Murri. Jeder geschlechtliche Verkehr innerhalb jedes dieser Klans ist untersagt; aber der Klan Ippai heiratet den Klan Kubbi, und der Klan Kumbo den Klan Murri; das heißt alle Ippai-Männer sind die Gatten aller Kubbi-Frauen und alle Ippai-Frauen die Gattinnen aller Kubbi-Männer usw. Die Ehe beruht da nicht auf einem individuellen Vertrag, sondern auf einem Vertrag des Gemeinwesens, in den jedes Individuum hineinwächst: Für eine Frau genügt die Tatsache, in einer Gruppe zu sein, um alle Männer des mit diesem verehelichten Klans zu ihren Gatten zu machen. Die beiden Klans können über einen ganzen Kontinent verstreut sein, wie dies in Australien der Fall ist; aber sobald zwei Individuen verschiedenen Geschlechts sich begegnen und als Mitglieder der verehelichten Klans erkennen, können sie sich ohne weiteres als Gatte und Gattin benehmen. „Diese Form der Ehe“, sagt Fison, „scheint mir das ausgedehnteste System der Ehegemeinschaft zu sein, das wir kennen“. Andererseits betrachten sich die Schwestersöhne als Brüder bei den Stämmen, in denen die Abstammung in weiblicher Linie gilt, so daß Cäsar von den Briten sagen konnte, daß immer je zehn bis zwölf von ihnen die Frauen gemeinsam haben, besonders Brüder mit Brüdern; diese „Brüder“ brauchten ganz gut nur Vettern zu sein. [81]

Um es nochmals kurz zu wiederholen: Das Menschengeschlecht beginnt gleich anderen Tierarten mit der unterschiedslosen Geschlechtsverbindung; diese wird nach und nach eingeschränkt; zuerst werden die Verbindungen zwischen Kindern und Eltern ausgeschlossen, dann solche zwischen den Geschwistern von derselben Mutter, schließlich auch die zwischen den Nachkommen solcher Geschwister. Und im Laufe dieser Entwicklung wird zuerst die stets sichere Abstammung von mütterlicher Seite angenommen, später die stets zweifelhafte von der väterlichen Seite.

Die Abstammung in weiblicher Linie fällt mit der kollektivistischen und kommunistischen Form des Eigentums zusammen, doch kann sich diese auch erhalten, nachdem die Abstammung von mütterlicher durch die von väterlicher Seite ersetzt wurde.

Die Frau hat bei den Wilden eine theoretisch unbegrenzte Zahl von Gatten; tatsächlich weiß sie jedoch diese Zahl einzuschränken, indem sie sich unter den Schutz der Zauberer oder der Häuptlinge stellt; nach und nach, indem sie jede vorteilhafte Situation benutzt, sinkt die Zahl der Gatten immer mehr, auf zehn bis zwölf, endlich auf einen einzigen, den sie häufig wechselt.

Die Abstammung in weiblicher Linie verleiht der Frau im Stamm eine hervorragende Stellung, mitunter eine Überlegenheit über den Mann; sie verliert diese, sobald die Abstammung vom Vater bestimmend wird.

Der Übergang der Abstammung von der Mutter auf den Vater bedeutet eine soziale Revolution; er beraubte die Frau ihrer Güter, ihrer durch das Alter und die Religion geheiligten Vorrechte. Diese Umwälzung ging nicht immer auf friedlichem Weg vor sich: Ihre Geschichte ist mit blutigen Lettern in eine Sage Griechenlands geschrieben, dessen größte Dichter daraus Dramen verfaßten.

Wir wollen diese Sage näher betrachten.

 

 

 

Anmerkungen

2. „Jus gentium“ – das Völkerrecht – hieß bei den Römern im Gegensatz zum heimatlichen Privatrecht das internationale Privatrecht, wie es sich im geschäftlichen Verkehr der Römer mit Ausländern gebildet hatte. Die römischen Richter fällten ihre Urteile nach diesem Recht,„wenn weder das römische noch sonst ein bestimmtes Landrecht in Frage kam. – Anm.d.Übers.

3. * Anhänger des Philosophen Antistenes (444-368), der im Gymnasium Kynosarges vor allem Bedürfnislosigkeit und Selbstgenügsamkeit lehrte und die herkömmlichen Religionen sowie den Staat ablehnte. Kennzeichen des späten Kynismus war die Mißachtung aller Kultur, Derbheit und Schamlosigkeit.

4. * Strömung in der griechischen Philosophie, die von Zenon aus Kition (336-264 [?]) begründet wurde: Das richtige vernunft- und naturgemäße Begehren und Meiden, Tun und Lassen verbürgt allein das wahre Glück des Menschen.

5. * Bei den griechischen Geschichtsschreibern hießen so die indischen Asketen, eine Klasse der Brahmanen. Der bekannteste Gymnosophist, Kalanos, folgte Alexander dem Großen von Indien nach Mazedonien, wo er 323 v.u.Z. starb.

6. In Platos’ (427-347) Schrift politeia [Der Staat] haben die „Wächter“ (=Krieger) und die sich aus ihnen rekrutierenden Herrschenden keine Ehefrauen. Es wird vielmehr vorgesorgt, „daß diese Weiber all diesen Männern gemeinschaftlich seien und keine mit keinem besonders zusammenwohne und daß ebenso die Kinder gemeinschaftlich seien und kein Vater sein Kind kenne noch ein Kind seinen Vater“ (Platon, Sämtliche Werke, Berlin o.J., 2, 172).

7. Das Mutterrecht, eine Untersuchung über die Gynäkokratie [Frauenherrschaft] der Alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur, von J.-J. Bachofen, Stuttgart 1861.

8. * Dem schottische Ethnologe John Ferguson Mac Lennan (1827-1881) gelangte in seinem Buch Primitive marriage – An inquiry into the origin of the form of capture in marriage ceremonies, Edinburgh 1865, unabhängig von Bachofen und Morgan zur Schlußfolgerung, daß die mutterrechtliche die ursprüngliche Abstammungsordnung war; er leugnete allerdings die Gruppenehe.

9. * Der englische liberale Politiker, Biologe, Archäologe und Ethnologe John Lubbock (1834-1913) verfaßte die richtungweisende Studie Primitive marriage – An inquiry into the origin of the form of capture in marriage ceremonies, Edinburgh 1865.

10. * Herbert Spencer (1820-1903) war der Hauptvertreter einer populären, sozial-darwinistischen Freibeuter-Philosophie.

11. * Der englische Ethnologe Edward Burnett Tylor (1832-1917) übertrug mit seinem Werk Researches in the early history of mankind and the development of civilization, London 1865, die Evolutionslehre auf die Gebiete Anthropologie und Ethnologie.

12. Ancient society or researches in the lines of human progress from savagery through barbarism to civilization by Lewis H. Morgan, London 1877, New York 1878 (* deutsche Fassung: Die Urgesellschaft, Stuttgart 1908 [Reprint: Wien 1987]). Die Smithsonian institution for the increase and diffusion of knowledge among men (Simthson-Institut zur Vermehrung und Verbreitung des Wissens unter den Menschen) ist ein großartiges wissenschaftliches Institut in Washington (Vereinigte Staaten), welches vom Engländer Smithson gegründet worden ist und 1846 seine Tätigkeit begonnen hat, die namentlich in der Unterstützung wissenschaftlicher Forschungen und der Veröffentlichung wissenschaftlicher Schriften besteht. – Anm.d.Übers.

13. Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates; * in: MEW, 21, S.25ff.

14. * William Shakespeare: Hamlet, 1,5

15. * Nach 17-jähriger Teilnahme an militärischen Expeditionen in Goa und Macao vollendete Luis de Camoës (1524-1580) sein Epos os lusiadas (Die Nachkommen des Luso), des mythologischen Ahnherren der Portugiesen), in dem er die Kolonialpolitik als selbstlosen Dienst an der Kirche preist: „Habsüchtig nicht, nein! Bloß zum Dienst erlesen/ der Mutter, die im Himmel hat ihr Wesen“ (zit. nach Reinhold Schneider, Das Leiden des Camoës, Hellerau 1930, 133).

16. * Kriegerkaste des drawidischen (siehe Anm.17) Volkes der Malabar (heute Staat Kerala, Indische Union). Friedrich Engels erwähnt in seiner bahnbrechenden Schrift Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates die „Ausnahme“ der „Vielmännerei“ bei den Nairs in Indien, „deren sicher nicht uninteressanter Ursprung aus der Gruppenehe noch näher zu untersuchen ist“ (MEW, 21, 64).

17. * Um 1500 v.u.Z. wanderten die Arier (Arya), ein Zweig der Indogermanen, aus Nordwesten ins Gangesgebiet ein und unterjochen die Ureinwohner (Drawida); die Auslegung ihrer in Sanskrit verfaßten heilige Schriften (Veden) erfolgte durch Priester in den Brahmana-Texten.

18. * Von 1526-1658 existierte ein islamisches Mogul-Reich in Indien.

19. * Satz in der deutschen Version fehlend. Hyder Ali (auch Haidar Ali) (1722-1782), der Maharadscha von Mysore, dehnte zunächst seine Macht aus (dem fielen auch die Malabar-Völker zum Opfer) und besiegte dann 1769 die englischen Kolonialherren.

20. * Der portugiesische Dichter Manuel Maria Borbosa du Bocage (1766-1805) verließ mit 15 Jahren die Schule und diente zehn Jahre in Armee und Flotte, bevor er desertierte.

21. A journey from Madras trough the countries Mysore, Canara and Malabar by Fr. Buchanan, London 1807. * Buchanan, alias Francis Hamilton (?-1829) bereiste im Auftrag der Ostindischen Handels-Kompanie Indien; seine Auftraggeber verweigerten jedoch die vollständige Veröffentlichung seiner Berichte und Notizen (vgl. die Einleitung zu Journal of Francis Buchanan kept during the survey of the district of Sahabad in 1812-1813, edited by C.E.A.W. Oldham, Patna 1926).

22. * Bartema, alias Ludovicus de Vartema: Itemerario ne lo Egypto ne la Suria ne la Arabia Deserta et Felice ne la Persia ne la India, Milano 1523. Im englisch-sprachigen Reprint The travels in Egypt ..., London 1863, findet sich das angeführte Zitat auf S.202ff.; die Nairen von Malabar werden auf S.146 ff. beschrieben.

23. * König

24. * Tenasserim im heutigen Burma

25. * Der venezianische Staatsmann und Autor Giambettista Ramusio (1485-1557) hinterließ mit seinem Buch Delle navigationi e viaggi ... (Venetia 1563-74) eine bedeutsame erste Sammlung von reiseberichten.

26. * Der „Dandy“ Georg IV., der England von 1811-1830 regierte, war bekannt für seine Ehe-skandale.

27. * Der Satz fehlt in der deutschen Version (Giovanni Battista Ramusio: Navigazioni e viaggi, Turin 1979 [Reprint], 2, S.621).

28. * St. Hillaire Geoffroy (1772-1884) war ein bedeutender französischer Naturforscher.

29. * Duveyrier: Les Touaregs du Nord, Paris 1864. * Die Entdeckungen des Ethnologen Henri Duveyrier (1840-1892) dienten auch der kolonialistischen Politik Frankreichs.

30. Die Form Touareg oder Targa ist die Mehrzahl. Die Einzahl des Wortes lautet Targui, weiblich Targuia.

31. * Die nach den Lykiern benannte antike Landschaft im Südwesten Kleinasiens wurde 540 v.u.Z. von den Persern erobert.

32. Herodot, I, 173. * Begründer der griechischen Geschichtsschreibung (490-425 [?]).

33. * Die Champagne, eine französische Landschaft von der oberen Oise bis zur Yvonne, war im 12. Jahrhundert das bedeutendste Lehensfürstentum.

34. * Französische Landschaft, östlich von Paris, zwischen Marne und Seine.

35. Bei Barth „Rhet“ genannt; die östliche Oase der Tuareg. – Anm.d.Übers. (* der deutsche Reisende Heinrich Barth [1821-1865] besuchte in den Jahren 1850-1855 Nordafrika).

36. Zur Zeit der Troubadours, im 12. und 13. Jahrhundert, einer Zeit voller Lebenslust, Ritterlichkeit und Verehrung der Frauen, bildeten sich in Südfrankreich bei zahlreichen Festen Gerichtshöfe, aus den angesehensten Damen und Rittern bestehend, cours d’amour, Gerichtshöfe der Liebe genannt, welche über die Angelegenheiten der Liebe und Galanterie und ihrer Anwälte, der Troubadours, entschieden. – Anm.d.Übers.

37. * Charles de Marguetel de Saint-Denis de Saint-Evremont (1614 [?]-1703) war der erste französische Schriftsteller, der sich als „Essayist“ betätigte.

38. * Maria Theresia (1717-1736) übernahm als Frau aufgrund der Pragmatischen Sanktion die Herrschaft über die habsburgischen Erblande und verteidigte ihren Anspruch in zwei Erbfolgekriegen.

39. * Gebirgszug in Marokko mit Ausläufern in Algerien und Zentral-Tunesien.

40. * Nach der griechischen Sage wurde Athene nicht von einer Frau geboren, sondern entsprang aus dem Kopf des Göttervaters Zeus. – Anm.d.Übers.

41. * II, 35.

42. * Diodorus von Sizilien war ein griechischer Geschichtsschreiber im 1. Jhdt. v.u.Z. Seine 40-bändige Geschichte der Völker ist nur teilweise erhalten.

43. * Dynastie von 323-330.

44. * Der französische Ägyptologe Eugene Revillout (1843-1913) verfaßte Nouvelle chrestomathie démotique (1878).

45. Revue Egyptologique, 1880

46. * Jean Francois Champollion, auch „Champollion le Jeune“ (1843-1913), begründete die moderne Ägyptologie; er entziferte die hieroglyphen.

47. * Bezeichnung Herdots für die babylonische Göttin „Belet-ili [Herrin der Götter]“. Weitere Beispiele für „Tempelprostitution“ finden sich in W.H. Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Leipzig 1884-1886, I, 390ff.

48. „Fragt jemand einen [Lykier – siehe Anm.31], wer er ist“, berichtet Herodot I, 173, „so wird er seine mütterliche Herkunft nennen und seiner Mutter Mütter herzählen“. Plutarch teilt uns mit, daß die Kreter statt „Vaterland“ „Mutterland“ sagen. (* der griechische Schriftsteller Mestrius plutarchus setzte sich besonders mit Fragen der sittlichen Lebensführung auseinander). Ulpian, der berühmte Jurist des 3. Jahrhunderts unserer zeitrechnung, gibt dem Wort „matrix [Mutterleib]“ den Sinn von „Mutterstadt“, worin nach ihm selbst noch die Erinnerung an die Zeit fortlebt, da der Mensch nur die Familie, den Klan und das Land seiner Mutter kannte. (* Domitius Ulpianus wurde wegen der Abschaffung von Privilegien 228 v.u.Z. von der Prätorianergarde ermordet).

49. * Etwa 250 vulkanische und Korallen-Inseln im Stillen Ozean.

50. * Inselbrücken Mittelamerikas zu Westindien (Cuba, Haiti, Puerto Rico, Jamaica).

51. * Inselgruppe vor der Nordwestküste Afrikas (u.a. La Palma, Teneriffa, Gran Canaria).

52. Carver erzählt in seinen Travels in North America (*1778), daß er einmal fand, daß einer Frau vom Indianerstamm der Sioux ungewöhnlich große Ehrfurcht gezollt wurde. Als er nach dem Grund fragte, erzählte man ihm, sie habe bei einer bestimmten festlichen Angelegenheit die 40 hervorragendsten Krieger des Stammes zu sich geladen, bewirtet und schließlich als Gatten behandelt. Damit hatte sie eine alte Sitte erneuert, die in Vergessenheit geraten war. (* Der amerikanische Soldat und Reisende Jonathan Carver [1710-1780] erforschte die Region jenseits des Mississippi).

53. * Zitat aus dem Buch von Herrera: History of America, London 1725

54. * Der römische Historiker Cornelius Tacitus (55-117) verfaßte mit seinem Buch Germania ein ethnographisches Standardwerk.

55. Zit. von Morgan, Ancient society, S.455 (Reprint [siehe Anm.12], S.385).

56. * „Innerhalb einer Familie, weiter entwickelt innerhalb eines Stammes, entspringt eine naturwüchsige Teilung der Arbeit aus den Geschlechts- und Altersunterschieden [...]“ (MEW, 23, 372). – Lafargue hat sich in Das Proletariat der Handarbeit, Neue Zeit, V, 1886-87, S.407ff., ausführlich mit der Frage der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung befaßt.

57. Engels, Ursprung; in: MEW, 21, S.54. „Die Pani-Kotsch“, sagt Hogdson im Journal of the Asiatic society of Bengal 1849, „des englischen Indien gewähren ihren Frauen eine privilegierte Stellung, welche diese durch eifrigere und intelligentere Arbeit, als die der Männer, rechtfertigen. Sie haben den Boden umzugraben, zu säen und zu pflanzen, zu spinnen, zu weben, Bier zu brauen; sie verweigern keine Arbeit“.

58. * Bundesland des australischen Staatenbundes, die Insel Tasmanien selbst und die Nachbarinseln umfassend. Die Urbevölkerung ist dort seit 1870 ausgerottet.

59. A. de Quatrefages: Hommes fossiles et hommes sauvages, 1884.

60. * Eiszeitliche Menschen (von Troglon = Höhle).

61. Diodorus von Sizilien, III, 31 (* siehe Anm.42).

62. Tacitus: De moribus Germaniae, 7 und 8.

63. Montaigne (lebte 1533-1592): Essais, II. Buch, Kap. XII: * „[...] es gibt Dinge, die hier als verabscheuenswert gelten und anderswo als empfehlenswert, wie in Sparta die Gewandtheit im Stehlen; bei uns sind Ehen unter nahen Verwandten streng verboten, in anderen Ländern bringen sie Ansehen: ‚Es gibt Völker, so heißt es, wo der Sohn mit der Mutter und die Tochter mit dem Vater sich verbindet [...]‘ (Ovid, Metam. X, 331)“ (Michel de Montaigne, Die Essais, Leipzig 1953, 218). – La-Mothe-Le-Vayer (lebte 1588-1672): Cinque dialogues faits à l’ímitation des anciens, par Horatius Tubero, 1606.

64. Als Ausnahme ist Vico (1668-1743) hervorzuheben, einer der originellsten Denker der neueren Zeit. Die Tatsachen, die er kannte, waren weder zahlreich noch detailliert genug, um es ihm zu ermöglichen, eine vollständige Theorie auszuarbeiten; aber immerhin stellte er in seiner Scienza Nuova (* 1744) die Behauptung auf, ursprünglich habe unterschiedslose geschlechtliche Vermischung stattgefunden, und er begründete die Entstehung des Patriziats in Rom und seine Trennung von der Plebs mit dem Gegensatz ihrer Eheformen. Patrizier waren diejenigen, die ihren Vater nennen (patrem ciere possunt) konnten; Plebejer diejenigen, die an der mütterlichen Geschlechtsfolge festhielten und ihren Vater nicht kannten. (* Deutsche Fassung: Die Neue Wissenschaft über die gemeinschaftliche Natur der Völker, München 1924; die hier angesprochenen Behauptungen finden sich auf S.128, 177, 214ff., 247ff.).

65. * Hinweis auf Adam und Eva fehlt in der deutschen Version.

66. * Der weitgereiste griechische Geograph Strabo (63 v.u.Z.-24 n.u.Z.) hinterließ 17 Bücher über Europa, Asien, Ägypten und Nordafrika.

67. * Stamm im Westen Nepals.

68. Engels, Ursprung; in: MEW, 21, S. 44. Das Zitat ist aus einem Brief von Marx aus dem Jahr 1882 ( * dieser Brief, den Engels in seinem Brief vom 11. April 1884 an Karl Kautsky erwähnt, ist nicht erhalten geblieben), in dem er sich über die Wagnersche Verfälschung der germanischen Urzeit in dessen Nibelungenring ausspricht. Richard Wagner läßt Sigmund rufen: „War es je erhört, daß der Bruder die Schwester bräutlich umfing?“ Darauf erfolgt die angeführte Antwort von Marx. wir mußten sie anführen, da sdonst irgendein Pastor Schuster dieses zitat in einer weise wiedergeben und daraus deduzieren könnte, daß Marx neben der Weibergemeinschaft auch die Blutschande predigt. Gänzlich ist man freilich vor dieser Art „moralischer“ Vernichtung nie geschützt. – Anm.d.Übersetz.

69. * Hawaii-Inseln

70. * Zitat offensichtlich aus Engels, Ursprung; in: MEW, 21, S.44 übernommen; in: Morgan, Urgesellschaft (siehe Anm.12), S. 366 (textliche Abweichung durch Übersetzung).

71. Engels, Ursprung; * in: MEW, 21, S.38; Marx-Zitat in MEW nicht ausgewiesen.

72. * Morgan, Urgesellschaft (siehe Anm.12), S.358 (textliche Abweichungen durch Übersetzung).

73. Engels, Ursprung, S.19 (* in: MEW, 21, S.44ff.)

74. * Lorimer Fison (1832-1907) war ein englischer Ethnograph, der auch als Missionar auf den Fidschi-Inseln und in Australien wirkte.

75. * Alfred William Howitt (1830-1908) stellte als Kolonialbeamter ethnographische Studien an.

76. L. Fison und A.W. Howitt, Kamilaroi and Kurnai, Melbourne 1880.

77. * Eine Kletterstaude, deren haltbare, bis zu zehn Kilo schwere Knollen eßbar sind.

78. * Das Hauptwerk des Sextus Festus Pompejus (Mitte des 2. Jhdts. n.u.Z.) De verborum significatu ist verlorengegangen

79. Der Jesuitenpater Charlevoix erzählt: „Ein Irokese, der als Offizier bei unseren Truppen diente, glaubte ein Beispiel besonderen Großmuts zu geben, indem er bei einem Gefecht in dem Moment innehielt, als er im Begriff war, seinen Vater zu durchbohren“ (Histoire de la nouvelle France, IIIm Paris 1774).

80. * Kunstrichtung, die eine genaue Abbildung der Wirklichkeit anstrebt.

81. J. Cäsar: De bello Gallico, V. 14.

 


Zuletzt aktualisiert am 21.1.2004