John Reed

Zehn Tage, die die Welt erschütterten


Beilagen zu Kapitel XI

1.
Die Unzulänglichkeiten dieses Kapitels

Dieses Kapitel erstreckt sich über etwa zwei Monate. Diese Zeit umfaßt die Verhandlungen mit den Alliierten, die Verhandlungen und den Waffenstillstand mit Deutschland und den Beginn der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk. Es sind aber auch die zwei Monate, in denen die Grundlage für den Sowjetstaat gelegt wurde.

In diesem Buch habe ich mir jedoch nicht die Aufgabe gestellt, diese äußerst wichtigen geschichtlichen Ereignisse zu schildern und zu interpretieren. Sie beanspruchen einen weit größeren Raum, und ihnen widme ich mich in meinem Band Von Kornilow bis Brest-Litowsk.

In diesem Kapitel habe ich mich also auf die Versuche der Sowjetregierung beschränkt, im eigenen Lande ihre Macht zu festigen. Ich habe lediglich aufgezeichnet, wie sie nach und nach die gegnerischen Elemente im Lande selbst überwand – ein Prozeß, der für einige Zeit durch den katastrophalen Frieden von Brest-Litowsk unterbrochen wurde.


2.
Deklaration der Rechte der Völker Rußlands

Die Oktoberrevolution der Arbeiter und Bauern hat unter dem allgemeinen Banner der Befreiung begonnen.

Befreit werden die Bauern von der Macht der Gutsbesitzer, denn es gibt kein gutsherrliches Eigentum an Grund und Boden mehr – es ist abgeschafft. Befreit werden die Soldaten und Matrosen von der Macht der Zarengenerale, denn die Generale werden von nun an wählbar und absetzbar sein. Befreit werden die Arbeiter von den Launen und der Willkür der Kapitalisten, denn von nun an wird die Kontrolle der Arbeiter über die Werke und Fabriken eingeführt. Alles Lebendige und Lebensfähige wird von den verhaßten Fesseln befreit.

Es bleiben nur die Völker Rußlands, welche Unterdrückung und Willkür erduldeten und erdulden, zu deren Befreiung unverzüglich geschritten werden muß, deren Befreiung entschieden und unwiderruflich durchgeführt werden muß.

In der Epoche des Zarismus wurden die Völker Rußlands systematisch gegeneinander aufgehetzt. Die Ergebnisse dieser Politik sind bekannt: Gemetzel und Pogrome auf der einen Seite, Sklaverei der Völker – auf der anderen.

Für diese schmachvolle Politik der Aufhetzung der Völker gegeneinander gibt es keine Wiederkehr und darf es auch keine geben. Von nun an soll sie ersetzt werden durch die Politik des freiwilligen und ehrlichen Bündnisses der Völker Rußlands.

In der Periode des Imperialismus, nach der Februarrevolution, als die Macht an die kadettische Bourgeoisie übergegangen war, trat an die Stelle der unverhüllten Verhetzungspolitik eine Politik des feigen Mißtrauens zu den Völkern Rußlands, eine Politik der Schikanen und Provokationen, die verhüllt wurden durch Lippenbekenntnisse zur „Freiheit“ und „Gleichheit“ der Völker. Die Ergebnisse dieser Politik sind bekannt: Zunahme des nationalen Haders, Untergrabung des gegenseitigen Vertrauens.

Dieser unwürdigen Politik der Lüge und des Mißtrauens, der Schikanen und der Provokationen muß ein Ende gemacht werden. Von nun an soll sie ersetzt werden durch eine offene und ehrliche Politik, die zu vollem gegenseitigem Vertrauen der Völker Rußlands führen wird.

Nur durch ein solches Vertrauen kann ein ehrlicher und fester Bund der Völker Rußlands zustande kommen.

Nur durch einen solchen Bund können die Arbeiter und Bauern der Völker Rußlands zu einer einzigen revolutionären Kraft zusammengeschweißt werden, fähig, allen Anschlägen der imperialistischen, annexionistischen Bourgeoisie zu widerstehen ...


3.
Dekrete

Dekret über die Nationalisierung der Banken

Im Interesse der richtigen Organisierung der Volkswirtschaft, im Interesse der entschiedenen Ausrottung der Bankspekulation und der vollständigen Befreiung der Arbeiter, Bauern und der gesamten werktätigen Bevölkerung von der Ausbeutung durch das Bankkapital und zwecks Schaffung einer wirklich den Interessen des Volkes und der armen Klassen dienenden einheitlichen Volksbank der russischen Republik beschließt das Gesamtrussische Zentralexekutivkomitee:

  1. Das Bankwesen wird Staatsmonopol.
  2. Alle jetzt bestehenden privaten Aktienbanken und Bankkontore werden mit der Staatsbank vereinigt.
  3. Die Aktiva und Passiva der zu liquidierenden Unternehmen gehen an die Staatsbank über.
  4. Die Reihenfolge der Verschmelzung der Privatbanken mit der Staatsbank wird durch eine besondere Verordnung festgesetzt werden.
  5. Die provisorische Verwaltung der Privatbanken wird dem Rat der Staatsbank übergeben.
  6. Die Interessen der Besitzer von kleinen Guthaben werden vollkommen garantiert.

* * *

Dekret über die Herstellung der Gleichsetzung aller Militärdienstpflichtigen

In Durchführung des Willens des revolutionären Volkes hinsichtlich der baldigen und entschlossenen Vernichtung aller Überreste der früheren Ungleichheit in der Armee beschließt der Rat der Volkskommissare:

  1. Alle Ränge und Dienstgrade in der Armee vom Gefreiten bis zum Generalsrang werden abgeschafft. Die Armee der Russischen Republik besteht von nun an aus freien und gleichberechtigten Bürgern, die den Ehrentitel von Soldaten der revolutionären Armee tragen.
  2. Alle Vorrechte, die mit ehemaligen Rängen und Dienstgraden zusammenhingen, sowie alle äußerlichen Unterschiede werden abgeschafft.
  3. Alle Titulierungen werden abgeschafft.
  4. Alle Orden und übrigen Auszeichnungen werden abgeschafft.
  5. Mit der Beseitigung des Offiziersrangs werden auch alle besonderen Offiziersorganisationen beseitigt.
  6. Die in der Armee bestehende Einrichtung der Ordonnanzen wird abgeschafft.
    Anmerkung: Ordonnanzen bleiben nur bei den Regimentsschreibstuben, bei den Komitees und den übrigen Truppenorganisationen.

Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare
W. Uljanow (Lenin)

Der Volkskommissar für Heeres- und Marinewesen
W. Krylenko

Der Volkskommissar für das Militärwesen
W. Podwoiski

Die Mitarbeiter des Volkskommissars für das Militärwesen
Kedrow, Skljanski, Legran, Mechanoschin

Der Sekretär des Rates
N. Gorbunow

* * *

Dekret über das Wahlprinzip
und über die Organisierung der Macht
in der Armee
  1. Die Armee, die dem Willen des werktätigen Volkes dient, ist dem obersten Träger dieses Willens – dem Rat der Volkskommissare – unterstellt.
  2. Die ganze Macht im Rahmen jedes Truppenteils und ihrer Vereinigung liegt in den Händen des entsprechenden Soldatenkomitees oder -sowjets.
  3. Die Angelegenheiten und die Tätigkeitsgebiete der Streitkräfte, die sich schon im Kompetenzbereich der Komitees befinden, sind jetzt ihrer unmittelbaren Leitung unterstellt, über die Tätigkeitsgebiete, die die Komitees nicht übernehmen können, wird die Kontrolle der Komitees oder der Sowjets errichtet.
  4. Es wird die Wählbarkeit der Kommandeure und der Dienstgrade eingeführt. Die Kommandeure bis zum Regimentskommandeur einschließlich werden durch allgemeine Abstimmung in ihren Abteilungen, Zügen, Kompanien, Kommandos, Schwadronen, Batterien, Divisionen und Regimentern gewählt. Die höheren Kommandeure bis zum Oberbefehlshaber einschließlich werden auf den entsprechenden Kongressen oder Beratungen bei den entsprechenden Komitees gewählt.
    Anmerkung: Unter Beratung ist eine Versammlung des entsprechenden Komitees gemeinsam mit Delegierten der eine Stufe niedriger stehenden Komitees zu verstehen.
  5. Die gewählten höheren Kommandeure – nach dem Regimentskommandeur – werden vom nächsten übergeordneten Komitee bestätigt.
    Anmerkung: Im Falle der begründeten Weigerung eines übergeordneten Komitees, einen gewählten Kommandeur zu bestätigen, ist der von dem entsprechenden niederen Komitee zum zweiten Male gewählte Kommandeur unbedingt zu bestätigen.
  6. Die Armeebefehlshaber werden von den Armeekongressen gewählt. Die Befehlshaber einer Heeresgruppe werden auf Kongressen der Heeresgruppe gewählt.
  7. In Funktionen technischen Charakters, die eine spezielle Ausbildung, spezielle Kenntnisse oder eine andere praktische Ausbildung erfordern, als da sind: Ärzte, Ingenieure, Techniker, Telegrafisten, Radiotelegrafisten, Luftschiffer, Kraftfahrer usw., werden von den entsprechenden Komitees der Spezialtruppenteile nur solche Leute eingesetzt, die die betreffenden Spezialkenntnisse besitzen.
  8. Die Stabschefs werden auf den Kongressen aus den Personen gewählt, die dafür eine spezielle Ausbildung aufweisen.
  9. Alle übrigen Dienstgrade der Stäbe werden von den Stabschefs ernannt und von den entsprechenden Kongressen bestätigt.
    Anmerkung: Alle Personen mit Spezialbildung sind besonders zu registrieren.
  10. Leitenden Personen, die das Einberufungsalter für Soldaten überschritten haben und im Dienst stehen, die aber nicht für irgendein Amt gewählt worden und damit in die Stellung eines gemeinen Soldaten gekommen sind, wird das Recht zugestanden, ihren Abschied zu nehmen.
  11. Alle übrigen Funktionen, die nicht die Führung betreffen, werden mit Ausnahme der Wirtschaftsfunktionen von dem entsprechenden gewählten Kommandeur nach seiner Verfügung besetzt.
  12. Eine detaillierte Instruktion über die Wahlen der Kommandeure wird besonders erlassen.

Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare
W. Uljanow (Lenin)

Der Volkskommissar für Heeres- und Marinewesen
N. Krylenko

Der Volkskommissar für das Militärwesen
N. Podwoiski

Die Mitarbeiter des Volkskommissars für das Militärwesen
Kedrow, Skljanski, Legran, Mechanoschin

Der Sekretär des Rates
N. Gorbunow

* * *

Dekret über die Aufhebung der Stände
und der Rangbezeichnungen für den
zivilen Dienst
  1. Alle Stände und ständischen Einteilungen der Bürger, ständische Vorrechte und Beschränkungen, ständische Organisationen und Einrichtungen sowie alle Rangbezeichnungen für den zivilen Dienst, die bis jetzt in Rußland bestanden, werden aufgehoben.
  2. Alle Stände (Kaufmann, Edelmann, Bürger, Bauer usw., Fürsten-, Grafen- und andere Titel) und Rangbezeichnungen für den zivilen Dienst (Geheime Staats- und andere Räte) werden aufgehoben, und es wird eine für die gesamte Bevölkerung Rußlands allgemeine Benennung – Bürger der Russischen Republik – festgesetzt.
  3. Das Vermögen der adligen ständischen Institutionen ist sofort den betreffenden Gemeindeselbstverwaltungen zu übergeben.
  4. Das Vermögen der kaufmännischen und bürgerlichen Körperschaften gelangt sofort in die Verfügungsgewalt der betreffenden städtischen Selbstverwaltungen.
  5. Alle ständischen Institutionen, Dokumente, Akten und Archive werden sofort an die betreffenden städtischen und Gemeindeselbstverwaltungen abgegeben.
  6. Alle entsprechenden Artikel der bis jetzt geltenden Gesetze werden aufgehoben.
  7. Dieses Dekret tritt mit dem Tage seiner Publikation in Kraft und ist sofort durch die örtlichen Sowjets der Arbeiter-, Soldaten-und Bauerndeputierten auszuführen.

Dieses Dekret wurde vom Zentralexekutivkomitee auf seiner Sitzung vom 23. (11.) November 1917 bestätigt und mit folgenden Unterschriften versehen:

Der Vorsitzende des Zentralexekutivkomitees
Swerdlow

Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare
W. Uljanow (Lenin)

Der Chef der Kanzlei beim Rat der Volkskommissare
W. Bontsch-Brujewitsch

Der Sekretär des Rates
N. Gorbunow

* * *

Am 3. Dezember beschloß der Rat der Volkskommissare, „die Gehälter der Beamten und Angestellten in allen Regierungsinstitutionen und Einrichtungen, im allgemeinen und im besonderen, ohne Ausnahme zu vermindern“.

Als erstes setzte der Rat das Gehalt eines Volkskommissars auf fünfhundert Rubel im Monat fest mit einem Zuschlag von hundert Rubel für jedes nicht arbeitsfähige erwachsene Familienmitglied ...

Das war das höchste Gehalt für einen Regierungsangestellten ...


4.

Gräfin Panina wurde verhaftet und vor das erste Oberste Revolutionstribunal gestellt. Der Prozeß wird in meinem Buch Von Kornilow bis Brest-Litowsk in dem Kapitel Revolutionäre Justiz beschrieben. Die Angeklagte wurde verurteilt, „das Geld zurückzuerstatten, und im übrigen der Verachtung der Öffentlichkeit überlassen“. Mit anderen Worten, man ließ sie laufen!


5.
Aus der menschewistischen Zeitung Delo Naroda vom 18. (5.) November

Die Geschichte mit dem bolschewistischen „unverzüglichen Friedensschluß“ erinnert an eine komische Szene in einem Film. Neratow reißt aus – Trotzki hinterher. Neratow klettert auf eine Mauer -Trotzki hinterher. Neratow springt ins Wasser – Trotzki hinterher. Neratow klimmt aufs Dach – Trotzki immer hinterher. Neratow kriecht unters Bett – Trotzki fängt ihn auch da. Jetzt hat er ihn! Und selbstverständlich wird unverzüglich der Friedensschluß unterzeichnet.

Im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten ist es still und leer. Die Kuriere sind ehrerbietig, doch auf ihren Gesichtern liegt ein ironischer Ausdruck.

Was wäre, wenn man einen Gesandten verhaften und mit ihm ein Abkommen über Waffenstillstand oder gar über Friedensschluß unterzeichnen würde? Aber diese Gesandten sind ein merkwürdiges Volk. Sie schweigen und schweigen, als wenn sie nichts hörten. Ach, ihr, England, Frankreich, Deutschland! Wir haben mit euch Waffenstillstand geschlossen. Vielleicht wißt ihr davon selber noch nichts? Aber das ist doch in allen Zeitungen abgedruckt und an allen Mauern angeschlagen. Bolschewistisches Ehrenwort, der Frieden ist schon unterzeichnet! Wir verlangen doch nichts von euch – nur die wenigen Worte ...

Die Gesandten schweigen. Die Mächte schweigen. Still und leer ist es im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten.

„Hören Sie“, sagt Robespierre-Trotzki zu seinem Gehilfen Marat-Urizki, „fahren Sie zum englischen Gesandten und sagen Sie ihm, daß wir Friedensschluß vorschlagen.“

„Gehen Sie doch selber“, antwortet Marat-Urizki. „Er empfängt doch nicht.“

„So rufen Sie ihn doch an.“

„Hab’ ich doch probiert. Der Hörer ist abgenommen.“

„Dann schicken Sie ein Telegramm.“

„Hab’ ich gemacht.“

„Na, und was ...?“

Marat-Urizki lächelt und antwortet nicht. Robespierre-Trotzki spuckt wütend in die Ecke.

„Hören Sie, Marat“, fängt Trotzki nach einer Minute wieder an. „Wir müssen der Welt unbedingt zeigen, daß wir eine aktive Außenpolitik betreiben. Wie soll man das machen? ...“

„Noch einen Befehl über die Verhaftung Neratows herausgeben“, antwortet Urizki tiefsinnig.

„Marat, Sie sind ein Dummkopf!“ schreit Trotzki. Und plötzlich erhebt er sich, drohend und majestätisch, und ist in diesem Augenblick wirklich Robespierre ähnlich.

„Schreiben Sie, Urizki!“ sagt er streng. „Schreiben Sie einen Brief an den britischen Gesandten – einen Einschreibebrief mit bezahlter Rückantwort. Schreiben Sie! Ich werde auch schreiben. Die Völker der ganzen Welt erwarten sofortigen Frieden.“

Und in dem riesigen, leeren Gebäude des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten hört man nur das Geklapper zweier Schreibmaschinen. Und so betreibt Trotzki eigenhändig eine aktive Außenpolitik.


6.

Zur Frage des Paktierens
Der Aufmerksamkeit aller Arbeiter und aller Soldaten empfohlen.

Am 11. November fand im Klub des Preobrashenski-Regiments eine außerordentliche Versammlung der Vertreter aller Truppenteile der Petrograder Garnison statt.

Diese Versammlung war auf Initiative des Preobrashenski- und des Semjonow-Regiments einberufen worden, um die Frage zu erörtern, welche sozialistischen Parteien für die Sowjetmacht sind, welche gegen die Sowjetmacht sind, welche für das Volk und welche gegen das Volk sind und ob ein Pakt mit ihnen möglich ist.

Zur Versammlung waren die Vertreter des Zentralexekutivkomitees der Sowjets, der Stadtduma, des Bauernsowjets Awxentjews und aller politischen Parteien – von den Bolschewik! bis zu den Volkssozialisten einschließlich – eingeladen worden.

Nach langer Diskussion stellte die Versammlung, nachdem sie die Reden aller Parteien und Organisationen angehört hatte, mit großer Stimmenmehrheit fest, daß allein die Bolschewiki und die linken Sozialrevolutionäre für das Volk sind, alle übrigen Parteien tarnen sich nur hinter der Losung des Paktierens, um das Volk aller Errungenschaften zu berauben, die in den Tagen der Großen Oktoberrevolution der Arbeiter und Soldaten erobert wurden.

Hier der Text der Resolution, die auf dieser Versammlung der Petrograder Garnison mit 61 Stimmen gegen eine, bei 12 Enthaltungen, angenommen wurde:

„Die Garnisonversammlung, auf Initiative des Preobrashenski-und des Semjonow-Regiments einberufen, hat die Vertreter aller sozialistischen Parteien und gesellschaftlichen Organisationen in der Frage des Paktierens angehört und konstatiert, daß 1. die Vertreter des Zentralexekutivkomitees der Sowjets (der 2. Legislaturperiode), die Vertreter der Partei der Bolschewiki und der linken Sozialrevolutionäre ausdrücklich erklärt haben, daß sie für die Macht der Sowjets, für die Dekrete über den Grund und Boden, über den Frieden und die Kontrolle über die Produktion sind und daß sie auf dieser Plattform einen Pakt zwischen den sozialistischen Parteien für zulässig halten; 2. demgegenüber haben die Vertreter der anderen Parteien (der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki) entweder keine Antwort gegeben oder aber offen erklärt, daß sie gegen die Sowjetmacht und gegen die Dekrete über den Grund und Boden, über Frieden und die Kontrolle sind.

Angesichts dessen beschließt die Versammlung: erstens allen jenen Parteien einen scharfen Tadel auszusprechen, die sich hinter der Losung eines Paktes tarnen, in Wirklichkeit aber die Errungenschaften, die sich das Volk in der Oktoberrevolution erkämpft hat, beseitigen wollen; zweitens dem Zentralexekutivkomitee und dem Rat der Volkskommissare volles Vertrauen auszusprechen und ihnen volle Unterstützung zuzusichern.

Zugleich hält es die Versammlung für notwendig, daß die Genossen linken Sozialrevolutionäre in die Volksregierung eintreten.“

Beratung der Vertreter der Truppenteile
der Petrograder Garnison


7.
Die Wein-„Pogrome“

Es stellte sich später heraus, daß es bei den Kadetten eine reguläre Organisation gab, die Unruhen unter den Soldaten auslösen sollte. So kamen in die verschiedenen Kasernen Telefonanrufe, daß dort und dort Wein zu haben sei. Wenn die Soldaten hinkamen, stand immer jemand da, der ihnen den Weinkeller zeigte ...

Der Rat der Volkskommissare setzte einen Kommissar zur Bekämpfung der Trunkenheit ein, der nicht nur die Weintumulte erbarmungslos niederschlug, sondern auch Hunderttausende von Flaschen Spirituosen vernichtete. Die Kellereien im Winterpalast, in denen die auserlesensten Weine im Wert von über fünf Millionen Dollar lagerten, wurden zunächst überflutet. Später wurden die Weine nach Kronstadt gebracht und dort verschüttet.

Die Matrosen von Kronstadt, „der Stolz der revolutionären Kräfte“, entledigten sich dieser Aufgabe mit eiserner Selbstdisziplin ...


8.
Spekulanten

Zwei Befehle zu ihrer Bekämpfung

Der Rat der Volkskommissare an das Revolutionäre Militärkomitee

Die Zerrüttung des Ernährungswesens, die durch den Krieg, durch die Mißwirtschaft hervorgerufen worden ist, wird von den Spekulanten, Marodeuren und ihren Helfershelfern auf den Eisenbahnen, auf den Schiffahrtslinien, in den Speditionskontoren usw. bis zum äußersten verschärft.

In einer Zeit der größten Leiden der Volksmassen treiben die Verbrecher, um sich zu bereichern, ihr Spiel mit der Gesundheit und dem Leben von Millionen Soldaten und Arbeitern.

Ein solcher Zustand darf keinen einzigen Tag mehr geduldet werden.

Der Rat der Volkskommissare ersucht das Revolutionäre Militärkomitee, die entschiedensten Maßnahmen zur Ausrottung der Spekulation und Sabotage, der Verheimlichung von Vorräten, des böswilligen Aufhaltens von Gütertransporten usw. zu ergreifen.

Alle, die sich solcher Handlungen schuldig machen, sind auf Grand besonderer Beschlüsse des Revolutionären Militärkomitees sofort zu verhaften und bis zur Übergabe an das Revolutionsgericht in die Gefängnisse Kronstadts einzusperren.

Alle Volksorganisationen müssen zum Kampf gegen die Marodeure des Ernährungswesens herangezogen werden.

Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare
'W. Uljanow (Lenin)

* * *

An alle ehrlichen Bürger!

Das Revolutionäre Militärkomitee beschließt:

Das Revolutionäre Militärkomitee ersucht alle gesellschaftlichen Organisationen und alle ehrlichen Bürger, die ihnen bekannt gewordenen Fälle von Raub, Plünderei und Spekulationen unverzüglich dem Revolutionären Militärkomitee zur Kenntnis zu bringen.

Der Kampf gegen dieses Übel ist gemeinsame Sache aller ehrlichen Menschen. Das Revolutionäre Militärkomitee erwartet von allen Unterstützung, denen die Interessen des Volkes am Herzen liegen.

Gegen Spekulanten und Marodeure wird das Revolutionäre Militärkomitee schonungslos vorgehen.

Petrograd, 10. November 1917

Das Revolutionäre Militärkomitee


9.
Brief Purischkewitschs an Kaledin

Die Lage Petrograds ist verzweifelt. Die Stadt ist von der Außenwelt abgeschnitten und befindet sich in der Gewalt der Bolschewiki. Man ergreift die Menschen auf den Straßen, wirft sie in die Newa, ertränkt sie und sperrt sie ohne jedes Gerichtsurteil ins Gefängnis. Selbst Burzew befindet sich in strenger Haft in der Peter-Pauls-Festung.

Die Organisation, an deren Spitze ich stehe, arbeitet ununterbrochen daran, die Offiziere und alle Überreste der Offiziersschulen wieder zusammenzufassen und sie zu bewaffnen. Man kann die Lage nur retten, indem man Regimenter aus Offizieren und Offiziersschülern bildet. Hat man losgeschlagen und einen ersten Erfolg erzielt, dann kann man auch hiesige Trappenteile auf seine Seite bekommen; aber jetzt sofort, ohne diese Voraussetzung, ist hier mit keinem einzigen Soldaten zu rechnen, denn die Besten von ihnen sind isoliert und werden durch das Gesindel in ausnahmslos allen Regimentern terrorisiert. Die Kosaken sind zu einem bedeutenden Teil der Propaganda zum Opfer gefallen durch die seltsame Politik Dutows, der den Augenblick, da man mit entschlossenem Handeln noch das Ruder herumreißen konnte, verpaßt hat. Die Politik des Zuredens und Ermahnens hat ihre Früchte gezeitigt: alles, was in Ordnung war, ist vergiftet und eingeschüchtert; es herrschen jetzt die Verbrecher und der Pöbel, mit dem man jetzt nur noch mit öffentlichen Erschießungen und Hinrichtungen durch den Galgen abrechnen kann.

Wir erwarten Sie hier, General, und zu dem Zeitpunkt Ihres Anmarsches werden wir alle unsere Kräfte in den Kampf führen. Doch dazu ist es notwendig, Verbindung herzustellen und vor allem folgendes zu erfahren:

  1. Ist Ihnen bekannt, daß in Ihrem Namen allen Offizieren, die am bevorstehenden Kampf teilnehmen könnten, hier vorgeschlagen wird, Petrograd zu verlassen, um sich mit Ihnen zu vereinigen?
  2. Wann könnte man mit Ihrem Anmarsch auf Petrograd rechnen? Es wäre gut, dies rechtzeitig zu wissen, um unsere Aktionen damit abzustimmen.

Bei aller verbrecherischen Starrheit des hiesigen bewußten Teils der Gesellschaft, der sich das bolschewistische Joch um den Hals legen läßt, bei aller erstaunlichen Trägheit eines großen Teils der Offiziere, der nur sehr schwer und mühevoll zu organisieren ist, glauben wir, daß die Wahrheit auf unserer Seite ist und daß wir die Oberhand über alle verbrecherischen und finsteren Kräfte behalten werden, weil wir aus Liebe zur Heimat und um ihrer Rettung willen handeln. Was auch kommen mag, wir lassen den Mut nicht sinken und bleiben standhaft bis zum Ende.“

Purischkewitsch wurde vor ein revolutionäres Kriegsgericht gestellt und zu einer kurzen Haft verurteilt.


10.
Dekret über die Einführung des Staatsmonopols für Inserate

  1. Der Druck von Inseraten gegen Bezahlung in periodischen Presseorganen sowie in Sammelbänden und Anschlägen, ferner die Aufgabe von Inseraten in Kiosken, Kontoren u.dergl. Institutionen wird zum Staatsmonopol erklärt.
  2. Solche Inserate dürfen nur in den von der Provisorischen Arbeiter-und-Bauern-Regierung in Petrograd und den örtlichen Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten herausgegebenen Druckerzeugnissen veröffentlicht werden. Presseorgane, die Inserate drucken, ohne das Recht dazu zu haben, werden verboten.
  3. Alle Besitzer von Zeitungen, Inseratenannahmekontoren sowie alle Angestellten in den Kontoren, Expeditionen und allen anderen Betrieben dieser Art sind verpflichtet, ihre Arbeit fortzuführen bis zur Obergabe ihrer Geschäftsstellen an den Staat, in die Verwaltung der oben angeführten Organe; sie sind voll verantwortlich für die ordnungsgemäße Abwicklung der Geschäfte, für die Einhaltung der Kontinuität im Arbeitsgang der Betriebe und für die Übergabe aller Privatinserate an die Presseorgane der Sowjets sowie für die Übergabe aller Geldsummen für angenommene Inserate, für die sie, unter Beifügung der Rechnungsunterlagen, voll Rechenschaft ablegen müssen.
  4. Alle Leiter von Presseorganen und Betrieben, die Inserate gegen Geld entgegennehmen, sowie alle Angestellten und Arbeiter dieser Betriebe sind verpflichtet, unverzüglich Stadtkongresse abzuhalten und sich zunächst zu Stadtverbänden, sodann zu einem Gesamtrussischen Verband zu vereinigen, um die Annahme und Veröffentlichung von Privatinseraten in sowjetischen Presseorganen besser zu organisieren und um eine Regelung zu treffen, die auf diesem Gebiet der Bevölkerung bestimmte Bequemlichkeiten schafft.
  5. Alle, die sich der Verheimlichung von Rechnungsunterlagen oder Geldsummen sowie der Sabotage der unter den Ziffern 3 und 4 aufgeführten Maßnahmen schuldig machen, werden mit Konfiszierung des gesamten Vermögens und Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft.
  6. Die entgeltliche Veröffentlichung von Inseraten in privaten Druckerzeugnissen in Form von Berichten, Reklameartikeln oder in anderer getarnter Form zieht die gleiche Strafe nach sich.
  7. Unternehmungen zur Annahme und Aufgabe von Inseraten werden durch den Staat konfisziert, wobei an ihre Besitzer nötigenfalls eine zeitlich begrenzte staatliche Unterstützung gezahlt wird. Kleineigentümer, Deponenten und Aktionäre der konfiszierten Unternehmungen erhalten ihre Einlagen voll zurück.
  8. Alle Presseorgane, Kontore, Expeditionen und überhaupt alle Unternehmen, die sich mit der Annahme und Veröffentlichung bezahlter Inserate befassen, sind verpflichtet, den Sowjets der Arbeitefund Soldatendeputierten unverzüglich ihre genaue Adresse anzugeben und ihre Obliegenheiten und Inserate zu übergeben, widrigenfalls die unter Ziffer 5 aufgeführten Strafen angedroht werden.

Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare
W. Uljanow (Lenin)

Der Volkskommissar für Bildungswesen
A.W. Lunatscharski

Gegengezeichnet: Der Sekretär
N. Gorbunow


11.
Verbindlicher Beschluß

  1. Über die Stadt Petrograd ist der Belagerungszustand verhängt.
  2. Jegliche Versammlungen, Kundgebungen, Ansammlungen u.a. auf Straßen und Plätzen sind verboten.
  3. Alle Versuche, Weinkeller, Lager, Betriebe, Verkaufsstände, Geschäfte, Privatwohnungen usw. usf. zu plündern und zu demolieren, werden mit MG-Feuer ohne jede Warnung unterdrückt werden.
  4. Den Hauskomitees, Pförtnern, Hauswarten und der Miliz wird zur unbedingten Pflicht gemacht, in den Häusern, auf den Höfen und auf den Straßen für strengste Ordnung zu sorgen. Die Türen und Durchfahrten der Häuser müssen von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens geschlossen bleiben. Nach 9 Uhr abends dürfen die Mieter nur unter Kontrolle der Hauskomitees die Häuser verlassen.
  5. Alle, die sich des Verteilens, des Verkaufs oder des Aufkaufs von alkoholischen Getränken schuldig machen oder die gegen Punkt 2 und 4 verstoßen, werden auf der Stelle verhaftet und strengstens bestraft.

Komitee zum Kampf gegen Pogrome
beim Exekutivkomitee des Sowjets
der Arbeiter- und Soldatendeputierten


12.
Zwei Proklamationen

Lenin an die Bevölkerung:

Genossen! Arbeiter, Soldaten, Bauern, Werktätige!

Die Arbeiter- und Bauernrevolution hat in Petrograd endgültig gesiegt ... Die Revolution hat auch in Moskau gesiegt... Von der Front und vom Lande treffen täglich und stündlich Mitteilungen ein, daß die erdrückende Mehrheit der Soldaten in den Schützengräben und der Bauern in den Landkreisen die neue Regierung ... unterstützt... Der Sieg der Revolution der Arbeiter und Bauern ist gesichert, denn die Mehrheit des Volkes ist bereits für die Revolution.

Es ist ganz klar, daß die Gutsbesitzer und Kapitalisten, die Angestellten und Beamten, die mit der Bourgeoisie eng verknüpft sind, mit einem Wort, alle Reichen und ihr Anhang, die neue Revolution feindselig aufnehmen, sich ihrem Sieg entgegenstellen, mit der Einstellung der Tätigkeit der Banken drohen, die Arbeit verschiedener Institutionen sabotieren oder einstellen, sie in jeder Weise behindern, bald direkt, bald indirekt hemmen. Jeder klassenbewußte Arbeiter versteht sehr gut, daß wir unvermeidlich auf einen solchen Widerstand stoßen werden, denn die höheren Angestellten wurden gegen den Willen des Volkes ausgesucht und wollen nicht ohne Widerstand ihre Position dem Volke einräumen. Die werktätigen Klassen werden sich keinen Augenblick durch diesen Widerstand einschüchtern lassen, werden vor den Drohungen und Streiks der Anhänger der Bourgeoisie keinen Augenblick erschrecken.

Hinter uns steht die Mehrheit des Volkes. Hinter uns steht die Mehrheit der Werktätigen und Unterdrückten in der ganzen Welt. Unsere Sache ist die Sache der Gerechtigkeit. Unser Sieg ist sicher.

Der Widerstand der Kapitalisten und der höheren Angestellten wird gebrochen werden. Niemand wird seinen Besitz verlieren ohne ein besonderes Staatsgesetz über die Nationalisierung der Banken und Syndikate. Dieses Gesetz wird vorbereitet. Kein Werktätiger und Arbeiter wird auch nur eine einzige Kopeke verlieren; im Gegenteil, man wird ihm helfen. Die Regierung wird jetzt keine neuen Steuern einführen, sondern stellt sich vor allem die Aufgabe der strengsten Rechnungslegung und Kontrolle bei der Einziehung der früher festgesetzten Steuern, ohne jede Verheimlichung.

Genossen! Werktätige! Denkt daran, daß ihr selbst jetzt den Staat regiert. Niemand wird euch helfen, wenn ihr selbst euch nicht zusammenschließt und nicht alle Staatsangelegenheiten in eure Hände nehmt. Eure Sowjets sind von nun an Organe der Staatsgewalt, bevollmächtigte, beschließende Organe ... Stärkt sie. Geht selbst ans Werk von unten. Wartet auf niemand. Stellt die strengste revolutionäre Ordnung her, unterdrückt erbarmungslos jeden Versuch der Anarchie durch Säufer, Raufbolde, konterrevolutionäre Offiziersschüler, Kornilowanhänger usw.

Führt die strengste Kontrolle über die Produktion und die Registrierung der Produkte durch. Verhaftet und übergebt dem revolutionären Gericht des Volkes jeden, der es wagt, die Sache des Volkes zu schädigen, ganz gleich, ob diese Schädigung sich in der Sabotage der Produktion oder in der Verheimlichung von Vorräten an Getreide und Lebensmitteln oder im Aufhalten der Getreidezufuhren oder in der Desorganisation von Eisenbahn, Post, Telegraf und überhaupt in irgendeinem Widerstand gegen die große Sache des Friedens, die Übergabe des Landes an die Bauern ... äußert.

Genossen! Arbeiter, Soldaten, Bauern, Werktätige! Ergreift die ganze lokale Macht ... Nach und nach, unter Zustimmung und Billigung der Mehrheit der Bauern, auf Grund der praktischen Erfahrungen der Arbeiter und Bauern werden wir fest und unbeirrbar zum. Sieg des Sozialismus schreiten, den die fortgeschrittenen Arbeiter der zivilisiertesten Länder verankern werden und der den Völkern einen dauernden Frieden und die Befreiung von jeglicher Unterdrückung und jeglicher Ausbeutung bringen wird.

* * *

An alle Arbeiter Petrograds!

Genossen! Die Revolution siegt – die Revolution hat schon gesiegt. Alle Macht ist an unsere Sowjets übergegangen. Die ersten Wochen sind die schwersten. Die schon geschlagene Reaktion ist restlos zu vernichten, unseren Bestrebungen muß zum vollen Siege verhelfen werden. Die Arbeiterklasse muß, es ist ihre Pflicht, in diesen Tagen die allergrößte Ausdauer und Standhaftigkeit an den Tag legen, um der neuen, der Volksregierung der Sowjets die Erfüllung aller Aufgaben zu gewährleisten. In den nächsten Tagen werden neue Gesetze, die die Arbeiter betreffen, erlassen werden; eines der ersten wird das Gesetz über die Arbeiterkontrolle und über die Organisierung der Industrie sein.

Streiks und Aktionen der Arbeitermassen in Petrograd schaden jetzt nur.

Wir bitten euch, alle ökonomischen und politischen Streiks sofort einzustellen, an die Arbeit zu gehen und in voller Ordnung die Produktion aufzunehmen. Die neue Regierung der Sowjets braucht die Arbeit in den Werken und allen anderen Betrieben, weil jegliche Unordnung und Verwirrung in der Produktionsarbeit für uns neue Schwierigkeiten mit sich bringt, deren ohnehin genug sind. Jeder an seinen Platz!

Das beste Mittel, die neue Regierung der Sowjets in diesen Tagen zu unterstützen, ist, seine Pflicht zu erfüllen.

Es lebe die Standhaftigkeit des Proletariats! Es lebe die Revolution!

Der Petrograder Sowjet der Arbeiter- und Bauerndeputierten

Der Petrograder Rat der Gewerkschaftsverbände

Der Zentralrat der Fabrikkomitees


13.
Aufrufe und Gegenaufrufe

An die Bevölkerung Petrograds von den Angestellten der Staats- und Privatbanken

Genossen Arbeiter, Soldaten und Bürger!

Das Revolutionäre Militärkomitee hat in einer „Sondermitteilung“ die in den Staats- und Privatbanken und in anderen Institutionen Arbeitenden beschuldigt, daß sie die Arbeit der Regierung, die Front mit Lebensmitteln zu versorgen, „hintertrieben“.

Genossen und Bürger! Glaubt nicht dieser Verleumdung, die gegen uns gerichtet ist, gegen einen Teil der großen Armee der Arbeit.

Wie schwer es auch ist, unter der ständigen Bedrohung der gewaltsamen Einmischung in unser Arbeitsleben zu arbeiten, wie schwer es auch sein mag zu sehen, daß die Heimat und die Revolution sich am Rande des Abgrunds befinden, erfüllen wir alle, ob groß oder klein, wir Angestellten, Kontordiener, Buchhalter, Arbeiter, Kuriere usw., weiter unsere Pflichten, die mit der Versorgung der Front und des Landes mit Lebensmitteln und Ausrüstungen zusammenhängen.

Unter Ausnutzung eurer Unerfahrenheit in Geld- und Bankfragen, Genossen Arbeiter und Soldaten, hetzt man euch auf ebensolche Werktätige, wie ihr sie seid, und will damit die Verantwortlichkeit für die hungernden und an der Front sterbenden Brüder von sich auf ganz unschuldige Werktätige abwälzen, die unter der Last des allgemeinen Elends und der Zerrüttung treu ihre Pflicht erfüllen.

Denkt daran, Arbeiter und Soldaten! Die Angestellten haben stets die Interessen des arbeitenden Volkes vertreten und werden sie immer vertreten, sie bilden einen Teil dieses Volkes, und sie haben keine Kopeke, die die Front und die Arbeiter brauchen, zurückgehalten und werden auch nichts zurückhalten.

Seit dem 24. Oktober dieses Jahres bis zum 10. November, d.h. in siebzehn Tagen, wurden 500 Millionen Rubel an die Front, nach Moskau 120 Millionen Rubel überwiesen, nicht gerechnet die Überweisungen in andere Städte.

Die Angestellten bewahren das Volksgut, dessen wirklicher Herr nur das ganze russische Volk in Person der Konstituierenden Versammlung sein kann, aber sie weigern sich, bei der Auszahlung von Geldern für unbekannte Zwecke mitzuwirken.

Glaubt nicht den Verleumdern, die euch zu Pogromen hetzen.

Die Zentralverwaltung des Gesamtrussischen
Verbandes der Angestellten der Staatsbank

Die Zentralverwaltung des Gesamtrussischen
Gewerkschaftsverbandes der
Angestellten der Kreditinstitutionen

* * *

An die Bevölkerung Petrograds

Bürger! Glaubt nicht den Verleumdungen, die euch gewissenlose Leute einreden wollen, glaubt nicht den von ihnen verbreiteten gemeinen Lügen über die Angestellten des Ministeriums für Ernährungswesen sowie über die Angestellten der anderen Versorgungsorganisationen, die in diesen schweren Tagen unentwegt für die Rettung Rußlands arbeiten. Bürger! In Maueranschlägen ruft man euch dazu auf, selbständig über uns zu Gericht zu sitzen und zu urteilen, bringt man gegen uns verlogene Beschuldigungen über Sabotage und Streiks, macht man uns für alles Elend und alles Unglück verantwortlich, das über das Volk gekommen ist, obwohl wir unermüdlich und unentwegt dafür gekämpft haben und weiter kämpfen, das russische Volk vor den Schrecken des Hungers zu bewahren. Trotz allem, was wir als Bürger des schmerzensreichen Rußlands ertragen müssen, haben wir uns in unserer schweren und verantwortungsvollen Arbeit zur Versorgung der Armee und der Bevölkerung mit Lebensmitteln keinen Augenblick Ruhe gegönnt.

Das Bild der hungernden und frierenden Armee, die mit ihrem Blut und ihren Qualen unser Leben verteidigt, verläßt uns keinen Augenblick.

Bürger! Wenn es uns gelungen ist, die schlimmsten Tage, die es im Leben und in der Geschichte unseres Volkes je gegeben hat, zu überstehen, wenn es uns gelungen ist, den Hunger von Petrograd fernzuhalten, wenn es uns gelungen ist, durch unwahrscheinliche, beinahe unmenschliche Anstrengungen unsere gequälte Armee wenigstens einigermaßen mit Brot und Proviant zu versorgen, dann nur darum, weil wir unsere Arbeit ehrlich fortgesetzt haben und weiter fortsetzen.

Auf die „letzte Warnung“ der Machteroberer antworten wir: Nicht ihr, die ihr das Land dem Ruin entgegenführt, habt uns mit Drohungen und Schmähungen zu bewerfen, uns, die wir alles tun, was in unseren Kräften steht, damit das Land nicht zugrunde gehe! Wir fürchten eure Drohungen nicht; vor uns steht das geheiligte Bild des geplagten Rußland. Wir werden unsere Arbeit zur Versorgung der Armee und des Volkes mit Brot weiterführen, wir werden alle Anstrengungen machen, wenn ihr uns nicht endgültig alle Möglichkeiten, diese Pflicht vor der Heimat zu erfüllen, abschneidet. Anderenfalls werden vor der Armee und dem Volke alle Schrecken des Hungers stehen, aber die Verantwortung dafür fällt auf die Gewalttäter.

Das Exekutivkomitee der Angestellten
des Ministeriums für Ernährungswesen

* * *

An alle Beamten!

Hiermit wird bekanntgegeben, daß alle Beamten und Amtspersonen, die den Regierungsdienst quittiert und die öffentlichen Institutionen verlassen haben, sowie auch die, welche wegen Sabotage oder wegen Nichtübergabe ihrer Amtsangelegenheiten in der festgesetzten Frist entlassen worden sind, aber ihr Gehalt im voraus empfangen haben, ohne es erarbeitet zu haben, verpflichtet werden, bis spätestens zum 27. (14.) November 1917 dieses Gehalt an die Institutionen zurückzuzahlen, bei denen sie gearbeitet haben.

Alle, die diese Weisung nicht ausführen, werden wegen Veruntreuung von Staatseigentum vor dem revolutionären Kriegsgericht zur Verantwortung gezogen.

24. (11.) November 1917

Das Revolutionäre Militärkomitee

* * *

Von der Sonderbehörde für Lebensmittelversorgung

Bürger! Die Bedingungen unserer Arbeit zur Versorgung Petrograds mit Lebensmitteln werden mit jedem Tag schwieriger. Die für unser Arbeitsgebiet unheilvolle Einmischung der Kommissare des Revolutionären Militärkomitees wird noch immer fortgesetzt.

Ihre selbstherrlichen Wandlungen und die Aufhebung unserer Verfügungen können zur Katastrophe führen.

Wieder ist ein Kühlhaus versiegelt worden, wo für die Bevölkerung bestimmtes Fett und Fleisch gelagert ist, und wir können die Temperatur nicht regulieren, damit die Lebensmittel nicht verderben.

Ein Waggon Kartoffeln und ein Waggon Kohl sind beschlagnahmt und mit unbekanntem Ziel abtransportiert worden.

Frachten, die der Requirierung nicht unterliegen (Chalwa), werden von den Kommissaren requiriert; fünf Kisten Chalwa hat sich kürzlich ein Kommissar persönlich angeeignet.

Wir können nicht über unsere Kühlhäuser verfügen, selbstherrliche Kommissare geben keine Produkte heraus und terrorisieren unsere Angestellten, drohen ihnen mit Verhaftung.

Alles, was in Petrograd geschieht, wird in der Provinz bekannt, und aus dem Dongebiet, aus Sibirien, aus Woronesh und anderen Orten haben wir schon Absagen erhalten, Getreide zu schicken.

Lange kann das nicht mehr so weitergehen.

Die Arbeit beginnt unseren Händen zu entgleiten.

Unsere Pflicht ist es, dies alles der Bevölkerung zur Kenntnis zu geben.

Bis zur allerletzten Möglichkeit werden wir über die Interessen der Bürger wachen.

Wir tun alles, um die heraufziehende Hungersnot abzuwenden, aber wenn unter diesen schweren Bedingungen unsere Arbeit unvermeidlich eingestellt werden muß, möge es die Bevölkerung wissen – nicht wir sind daran schuld ...



14.
Die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung in Petrograd

In Petrograd gab es neunzehn Listen. Das folgende Ergebnis wurde am 30. November veröffentlicht:

Partei

Stimmen

Volkssozialisten

  19.109

Kadetten

245.006

Bauerndemokraten

    3.707

Bolschewiki

424.027

Sozialisten – Universalisten

       158

Ukrainische und jüdische sozialdemokratische und
sozialrevolutionäre Arbeiter

    4.219

Liga für die Gleichberechtigung der Frauen

    5.310

Sozialrevolutionäre (Vaterlandsverteidiger)

    4.696

Linke Sozialrevolutionäre

152.230

Bund der Volksentwicklung

       385

Radikale Demokraten

       413

Rechtgläubige Kirchengemeinden

  24.139

Frauenbund zur Rettung des Vaterlandes

       318

Unabhängiger Bund der Arbeiter, Soldaten und Bauern

    4.942

Christliche Demokraten (Katholiken)

  14.382

Vereinigte Sozialdemokraten

  11.740

Menschewiki

  17.247

Gruppe „Jedinstwo“

    1.823

Bund der Kosakentruppen

    6.712



15.

Vom Rat der Volkskommissare an die werktätigen Kosaken

Brüder Kosaken! Man betrügt euch! Man hetzt euch auf das übrige Volk. Man sagt euch, die Sowjets der Arbeiter-, Soldaten-und Bauerndeputierten seien eure Feinde, sie wollten euch eure Kosakenfreiheit, eure Kosaken„sonderrechte“ nehmen. Glaubt das nicht, Kosaken! Man belügt euch. Man betrügt euch in verbrecherischer Weise. Eure eigenen Generale und Gutsbesitzer betrügen euch, um euch in Finsternis und Knechtschaft zu halten. Wir, der Rat der Volkskommissare, wenden uns hiermit an euch, Kosaken. Lest dies Blatt aufmerksam und urteilt selbst, wo die Wahrheit und wo übler Betrug ist.

Das Leben und der Dienst eines Kosaken war immer Unfreiheit und Zwangsarbeit. Auf den ersten Ruf der Obrigkeit mußte sich der Kosak aufs Pferd setzen und ins Feld ziehen. Seine ganze Kriegs„ausrüstung“ mußte sich der Kosak selbst mit eigenen, selbst erarbeiteten Mitteln anschaffen. Der Kosak im Felde und die Wirtschaft werden ruiniert und gehen zugrunde. Ist eine solche Ordnung gerecht? Nein, sie muß ein für allemal abgeschafft werden. Das Kosakentum muß von der Knechtschaft befreit werden. Die neue, die Volksmacht, die Sowjetmacht ist bereit, den werktätigen Kosaken zu Hilfe zu kommen. Es ist nur notwendig, daß die Kosaken selbst sich entschließen, die alte Ordnung abzuschaffen, ihre Unterwürfigkeit gegenüber den Gutsbesitzern, den Reichen aufzugeben, das verfluchte Joch sich vom Halse zu schaffen. Erhebt euch, Kosaken! Vereinigt euch! Der Rat der Volkskommissare ruft euch zu einem neuen, freieren, glücklicheren Leben.

Im Oktober und November haben in Petrograd Gesamtrussische Kongresse der Sowjets der Soldaten-, Arbeiter- und Bauerndeputierten stattgefunden. Diese Kongresse haben die ganze Macht in den einzelnen Orten in die Hände der Sowjets gelegt, d.h. in die Hände der vom Volk gewählten Menschen. Von jetzt ab wird es in Rußland keine Regenten und Beamten mehr geben, die das Volk von oben kommandieren und malträtieren. Das Volk selbst schafft sich seine Macht. Ein General hat nicht mehr Rechte als ein Soldat. Alle sind gleichberechtigt. Urteilt selbst, Kosaken, ob das schlecht ist oder gut. Wir rufen euch auf, Kosaken, euch dieser neuen Volksordnung anzuschließen und euch eure eigenen Sowjets der Kosakendeputierten zu schaffen. Diesen Sowjets muß in den Gemeinden alle Macht gehören. Nicht den Atamanen im Generalsrang, sondern den gewählten Vertretern der werktätigen Kosaken, ihren vertrauenswürdigen und zuverlässigen Leuten.

Die Gesamtrussischen Kongresse der Soldaten-, Arbeiter- und Bauerndeputierten haben beschlossen, allen gutsherrlichen Boden dem werktätigen Volk zur Nutzung zu übergeben. Ist das vielleicht nicht gerecht, Kosaken? Alle die Kornilow, Kaledin, Dutow, Ka-raulow und Bardish verfechten mit aller Kraft die Interessen der Reichen, und sie sind bereit, Rußland im Blut zu ersäufen, nur damit der Boden den Gutsbesitzern bleibt. Doch ihr, die werktätigen Kosaken, leidet ihr etwa nicht selbst an der Armut, der Unterdrückung und dem Mangel an Land? Wie viele Kosaken gibt es, die nur vier bis fünf Desjatinen Land bei ihrem Hof haben. Daneben aber gibt es unter den Kosaken Gutsbesitzer, die Tausende Desjatinen Land ihr eigen nennen und die darüber hinaus sich die für die Ernährung der Truppen bestimmten Ländereien aneignen. Nach dem neuen, nach dem Sowjetgesetz müssen die Ländereien der Gutsbesitzer unter den Kosaken unentgeltlich den werktätigen Kosaken, den armen Kosaken übergeben werden. Man schreckt euch damit, daß die Sowjets euch euren Boden wegnehmen wollen. Wer schreckt euch damit? Die reichen Kosaken, die wissen, daß die Sowjetmacht den gutsherrlichen Boden in eure Hände geben will. Wählt, Kosaken, für wen ihr euch erheben sollt: für die Kornilow und Kaledin, für die Generale und die Geldsäcke oder für die Sowjets der Bauern-, Soldaten- und Arbeiterdeputierten.

Der vom Gesamtrussischen Sowjetkongreß gewählte Rat der Volkskommissare hat allen Völkern unverzüglichen Waffenstillstand und einen ehrlichen, demokratischen Frieden, einen Frieden ohne Kränkungen und Nachteile für irgendein Volk vorgeschlagen. Alle Kapitalisten, alle Gutsbesitzer, alle Kornilowgenerale haben sich gegen die Friedenspolitik der Sowjetmacht gewandt. Ihnen hat der Krieg Gewinn, Macht, Ränge eingetragen. Aber was hat er euch, den einfachen Kosaken, eingetragen? Ihr seid ohne Sinn und Zweck zugrunde gegangen wie eure Brüder, die Soldaten und Matrosen. Dreieinhalb Jahre zieht sich nun schon dieser verfluchte Krieg hin, den die Kapitalisten und Gutsbesitzer aller Länder um ihrer Profite und der Eroberungen willen vom Zaune gebrochen

haben. Den werktätigen Kosaken hat der Krieg nur Ruin und Untergang gebracht. Der Krieg hat aus der Kosakenwirtschaft alle Säfte ausgesogen. Die einzige Rettung für unser ganzes Land und für die werktätigen Kosaken im besonderen ist ein schneller und ehrlicher Friedensschluß. Der Rat der Volkskommissare hat allen Regierungen und allen Völkern erklärt: Wir wollen nichts Fremdes und wir wollen das Unsere nicht weggeben. Frieden ohne Annexionen und Kontributionen! Jedes Volk soll selbst sein Schicksal entscheiden. Es darf keinerlei Unterdrückung einer Nation durch eine andere geben. Einen solchen ehrlichen, demokratischen, d.h. dem Volke genehmen Frieden eben schlägt der Rat der Volkskommissare allen Regierungen, allen Völkern, den verbündeten wie den feindlichen, vor. Und das erste Ergebnis liegt vor: An der russischen Front ist schon Waffenstillstand eingetreten! Dort fließt schon kein Soldaten- und Kosakenblut mehr. Jetzt, Kosaken, entscheidet selbst: Wenn ihr weiter diesen verderblichen, verhängnisvollen, unsinnigen, verbrecherischen Krieg führen wollt, dann unterstützt die Kadetten – diese Volksfeinde, dann unterstützt die Tschernow, Zereteli, Skobelew, die euch am 18. Juni in die Offensive geschickt haben, dann unterstützt Kornilow, der die Todesstrafe an der Front für Soldaten und Kosaken eingeführt hat. Aber wenn ihr einen baldigen und ehrlichen Frieden haben wollt, dann stellt euch auf die Seite der Sowjets und unterstützt den Rat der Volkskommissare.

Euer Schicksal, Kosaken, liegt in eurer eigenen Hand. Unsere gemeinsamen Feinde: die Gutsbesitzer, die Kapitalisten, die Kornilowoffiziere, die bürgerlichen Zeitungsschreiber – betrügen euch und stoßen euch auf den Weg des Verderbens. In Orenburg hat Dutow den Sowjet verhaften und die Garnison entwaffnen lassen. Kaledin bedroht die Sowjets am Don. Er hat dort den Kriegszustand verkündet und zieht seine Truppen dorthin. Karaulow läßt Einheimische im Kaukasus erschießen. Die Kadettenbourgeoisie stellt ihnen ihre Millionen zur Verfügung. Ihr gemeinsames Ziel ist, die Volkssowjets abzuwürgen, die Arbeiter und Bauern zu unterdrücken, wieder die mit dem Stock aufrechterhaltene Disziplin in der Armee einzuführen und die Sklaverei der werktätigen Kosaken zu verewigen.

Unsere revolutionären Truppen sind gegen den Don und gegen den Ural marschiert, um dort mit dem verbrecherischen Aufstand gegen das Volk Schluß zu machen. Den Führern der revolutionären Truppen ist der Befehl erteilt, keinerlei Verhandlungen mit den Putschistengeneralen aufzunehmen, sondern entschlossen und schonungslos vorzugehen.

Kosaken! Von euch hängt es jetzt ab, ob weiter Bruderblut fließen wird. Wir strecken euch die Hand hin. Vereinigt euch mit dem ganzen Volk gegen seine Feinde. Erklärt Kaledin, Kornilow, Dutow, Karaulow und alle ihre Handlanger und Helfershelfer für Volksfeinde, für Verräter. Verhaftet sie mit eigenen Händen und übergebt sie der Sowjetmacht, die sie richten wird im offenen und öffentlichen Revolutionsgericht.

Kosaken! Vereinigt euch zu Sowjets der Kosakendeputierten. Nehmt in eure eigenen arbeitsgewohnten Hände die Verwaltung aller Angelegenheiten der Kosaken. Nehmt den Boden der reichen Gutsbesitzer, übergebt ihr Getreide, ihre landwirtschaftlichen Geräte den werktätigen Kosaken, die durch den Krieg ruiniert worden sind, damit sie damit den Boden bestellen können.

Vorwärts, Kosaken, zum Kampf für die Sache des ganzen Volkes!

Es leben die werktätigen Kosaken!

Es lebe das Bündnis der Kosaken, Soldaten, Bauern und Arbeiter!

Es lebe die Macht der Sowjets der Kosaken-, Soldaten-, Bauern-und Arbeiterdeputierten!

Nieder mit dem Krieg! Nieder mit den Gutsbesitzern und Kornilowgeneralen!

Es lebe der Frieden und die Brüderlichkeit unter den Völkern!

Der Rat der Volkskommissare


16
Von der Kommission für Volksbildung bei der Zentralen Stadtduma

Genossen Arbeiter und Arbeiterinnen!

Einige Tage vor den Feiertagen wurde ein Streik der Lehrer der städtischen Lehranstalten erklärt. Die Lehrer stellten sich auf die Seite der Bourgeoisie gegen die Arbeiter-und-Bauern-Regierung.

Genossen, organisiert Elternkomitees und faßt Resolutionen gegen den Streik der Lehrer. Wendet euch an die Bezirkssowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, an die Gewerkschaftsverbände, an die Fabrik- und Parteikomitees mit dem Vorschlag, Protestkundgebungen zu organisieren. Beschafft mit eigenen Kräften Tannenbäume und veranstaltet Feiern für die Kinder, verlangt Wiederaufnahme des Unterrichts nach den Feiertagen zu dem von der Zentralen Duma angeordneten Termin.

Genossen, festigt eure Stellung auf dem Gebiet der Volksbildung, besteht auf der Kontrolle der proletarischen Organisationen über die Schule.

Die Kommission für Volksbildung bei der Zentralen Stadtduma


17.
Die diplomatische Korrespondenz der Sowjetregierung

Die Noten Trotzkis an die Alliierten und die neutralen Nationen und die Note der alliierten Militärattachés an General Duchonin sind zu umfangreich, um sie hier wiederzugeben. Außerdem gehören sie in eine andere Phase der Geschichte der Sowjetrepublik, die nicht in diesem Buch behandelt wird – in die Außenpolitik der Sowjetregierung. Ich beschäftige mich damit eingehend im nächsten Band, Von Kornilow bis Brest-Litowsk.


18.

Appell an die Front gegen Duchonin

Der Kampf um den Frieden ist auf den Widerstand der Bourgeoisie und der konterrevolutionären Generale gestoßen ...

Nach Zeitungsmitteilungen sammeln sich im Hauptquartier des ehemaligen Oberbefehlshabers Duchonin Paktierer und Agenten der Bourgeoisie: Werchowski, Awxentjew, Tschernow, Goz, Zereteli u.a. Sie sammeln sich dort, um eine neue Macht gegen die Sowjets zu bilden.

Genossen Soldaten! Alle obengenannten Personen waren schon Minister. Sie haben alle mit der Bourgeoisie und mit Kerenski unter einer Decke gesteckt. Sie sind verantwortlich für die Offensive vom 18. Juni und für die Fortdauer des Krieges. Sie haben den Bauern Land versprochen, in Wirklichkeit aber die Bodenkomitees der Bauern verhaftet. Sie haben die Todesstrafe für Soldaten eingeführt. Sie haben sich den englischen, amerikanischen und französischen Börsenjobbern unterworfen.

Für seine Weigerung, den Befehlen des Rates der Volkskommissare zu folgen, ist General Duchonin als Oberbefehlshaber abgesetzt worden ... Als Antwort darauf läßt er in den Truppenteilen die Noten der Militärattachés der alliierten imperialistischen Mächte verbreiten und sucht eine Konterrevolution zu provozieren ...

Ordnet euch nicht Duchonin unter! Folgt nicht seinen Provokationen! Seid ihm gegenüber und seiner Gruppe von konterrevolutionären Generälen äußerst wachsam!


19
Aus dem Befehl an Armee und Flotte Nr.2

... Ich erkläre den ehemaligen Oberbefehlshaber General Duchonin wegen seiner hartnäckigen Weigerung, dem Befehl über die Absetzung Folge zu leisten, und wegen verbrecherischer Handlungen, die zu einem neuen Ausbruch des Bürgerkriegs führen, zum Feind des Volkes.

Alle Personen, die Duchonin unterstützen, sind, unabhängig von ihrer gesellschaftlichen und Parteistellung und ihrer Vergangenheit, zu verhaften. Die Verhaftung ist von besonders dazu bevollmächtigten Personen vorzunehmen. Ich beauftrage General Manikowski, eine entsprechende Verfügung über die Absetzung zu erlassen.

Der Oberbefehlshaber Krylenko



Zuletzt aktualisiert am 15.7.2008