Winfried Wolf

Bewegungen

3 : 0 für Rezo & friends

Anmerkungen zu dem wunderbaren Erfolg des wunderbaren Rezo-Videos
„Zerstörung der CDU“ und der Erklärung von 90+ Youtubern zur EU-Parlamentswahl

(Mai 2019)


Dieser Beitrag wurde im Mai 2019 verfasst.
Zuerst erschienen auf der Winfried Wolf – Homepage.
Kopiert mit Dank aus der Winfried Wolf – Homepage,
Transkription & HTML-Markierung: Einde O’Callaghan für das Marxists’ Internet Archive.


Eine Woche lang hatte die Republik auf eine Antwort der Berufspolitiker auf Rezo gewartet. Und dann gab es diesen Dreistufen-Raketen-Absturz von CDU/CSU/SPD/FDP/AfD – und den Triumph von 90+ Youtubern.

Stufe 1. Als das Video von Rezo Die Zerstörung der CDU, das erstmals am 18.5. ins Netz gestellt wurde, bereits zwei Tage später die 2-Millionen-Aufrufe-Schwelle überschritten hatte (und damit z. B. öfters aufgerufen wurde als Rezos WM-2018-Song), sprach der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak von „Pseudofakten“. Mario Bracht vom Vorstand der Jungen Union warf Rezo „Meinungsdiktatur“ vor. Die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer kommentierte Rezo mit: „Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab.“ Die Katholikin Kramp-Karrenbauer wurde belehrt, dass die Bibel zehn Plagen, wenn auch „sieben Todsünden“ kennt.

All das Ätzen als Antwort auf Argumente kam nicht gut an. Das Interesse am Zerstörung-der-CDU-Video wurde zusätzlich beflügelt. Es stand 1 : 0 für Rezo und sein Team.

Stufe 2. Als das Rezo-Video am 22. Mai die 3-Millionen-Klick-Grenze überschritt, kündigte der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak ein eigenes Antwort-Video an. Man werde dabei gewissermaßen „auf Augenhöhe“ agieren, indem der CDU-MdB Philipp Amthor, der wie Rezo 26 Jahre alt ist, vor der Kamera stehen werde. Die CDU schien willens zu sein, sich in einen fairen Wettbewerb zu begeben. Als dann am 23. Mai das Rezo-Video gerade die Schwelle von fünf Millionen Aufrufen passiert hatte, da gab es offensichtlich ein CDU-Amthor-Video. Laut Amthor ist „das Video [...] schlicht klasse!“; es habe auch „viel Freude gemacht bei dem Dreh“. Doch das Video kann bis heute nicht aufgerufen werden, weil, so Amthor, die CDU „jetzt nicht in eine Videoschlacht verfallen“ wolle.

Bild bezeichnete den Vorgang zutreffend als „offizielle Kapitulation“ der CDU und sprach von einem „Rohrkrepierer-Video“. Es stand 2 : 0 für den Solisten Rezo.

Stufe 3: Am 24. Mai, als das Rezo-Video gerade die Schwelle von 7 Millionen Aufrufen überschritten hatte, veröffentlichte Rezo ein neues Video. Eingeleitet mit „Dies ist ein offener Brief, ein Statement“ präsentierte Rezo mehr als neunzig Youtuber – 30 von ihnen mit kurzen Text-Einblendungen, mehr als 60, die zusätzlich namentlich erwähnt werden –, die die Grundaussagen im ursprünglichen Rezo-Video, wonach CDU und SPD inkompetent sind und die Zukunft verspielen, unterstützen. Unter ihnen befinden sich mit Julien Bam, Dagi Bee und LeFloid die reichweitenstärksten Youtuber. Das neue Video ist mehr noch als das Ursprungsvideo von Rezo ein direkter Wahlaufruf. Darin heißt es gegen Ende:

„Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD. Wählt auch keine andere Partei, die so wenig im Sinn von Logik und der Wissenschaft handelt und nach dem wissenschaftlichen Konsens mit ihrem Kurs unsere Zukunft zerstört. Und wählt schon gar nicht die AfD, die diesen Konsens sogar leugnet.“

Bis zum frühen Nachmittag des 25. Mai hatte dieses neue Video bereits die 2-Millionen-Klick-Schwelle überschritten. Der Hochlauf erfolgt damit doppelt so schnell wie im Fall des Rezo-Videos vom 18. Mai. Das Ursprungs-Video von Rezo lag da bereits bei 8 Millionen aufrufen. Doch nun herrschte bei den traditionellen Parteien ein dröhnendes Schweigen. Einen Tag vor Beginn der Wahlen zum EU-Parlament wollte man sich keine neue Blöße geben.

Damit stand es 3 : 0 für Rezo & sein Youtuber-Orchester.

Die beiden Videos könnten noch eine Weile im Netz viral bleiben. Das Ursprungsvideo hat mit 10 Millionen Aufrufen bis zum Beginn der EU-Wahl in Deutschland längst alle Rekorde vergleichbarer Polit-Videos gebrochen. Was sich durchaus auf diese Wahlen auswirken könnte. Zum Vergleich: Das Spitzenduell zur EU-Wahl zwischen dem Konservativen Manfred Weber und dem Sozialdemokraten Frans Timmermanns sahen in Deutschland 1,8 Millionen Menschen. Die Aufrufe des Rezos-Videos liegen demnach bei mehr als dem Fünffachen.
 

Es geht nicht um das „Zerstören“ von Personen – es geht um Antworten auf eine zerstörerische Politik

Der CDU-MdB Amthor kommentierte den Verzicht auf die Präsentation des eigenen Videos mit: „Uns geht es nicht darum, jemanden zu zerstören, sondern gute Argumente auszutauschen.“ Und in der twitter-message des CDU-Generals Ziemiak an Rezo heißt es:

„Lieber @rezomusik, lass uns miteinander reden. Wir machen das in der @CDU seit 70 Jahren: Wir zerstören einander nicht, sondern wir hören einander zu, wir reden miteinander, wir finden gemeinsame Lösungen.“

Der Vorwurf, Rezo wolle einzelne Menschen „zerstören“, tauchte in vielen Reaktionen auf das Video auf. Dabei geht diese Anschuldigung voll ins Leere. Gleich zu Beginn des Video stellt Rezo klar: „Nicht, weil ich aktiv versuche, jemanden zu zerstören, sondern weil die Fakten und Tatsachen einfach dafür sprechen, dass die CDU sich selbst, ihren Ruf, und ihr Wahlergebnis und damit sich selbst zerstört.“ Am Ende des Video sagt Rezo sogar, die CDU verstoße mit ihrer Politik gegen ihre „christlichen Grundsätze“. Er selbst sagt von sich, dass er die christlichen Werte, die in „die christlichen Werte“, die in seinem Elternhaus eine große Rolle spielten, „verinnerlicht“ habe.
 

Was macht den Erfolg des Videos aus?

Eine große Rolle für den Erfolg des Rezo-Videos spielt sicher, dass Rezo gewissermaßen eine eingeführte Marke ist. Allerdings mit Musik-Videos, die allesamt originell, auch mal von unterschiedlichem Niveau sind und gelegentlich auch als Nonsense daher kommen („Du riechst nach Schinken“). Insofern könnte man sagen, da habe ein Profi ein professionelles Video mit einer CDU-Kritik gemacht, um mal ein anderes Geschäftsfeld auszuprobieren.

Es gibt jedoch zwei Auffälligkeiten. Zum einen den Umstand, dass hier jemand, der sich bislang weitgehend nicht-politisch gab, der möglicherweise auch mal als „patriotisch“ missverstanden werden konnte [1], sich ausgesprochen dezidiert politisch äußert. Das scheint auch ein individuelles comming out zu sein. Gleich zu Beginn bilanziert Rezo seine Recherchen in Sachen CDU-Politik mit: „Fuck – ist das heftig! Ich habe nicht gewusst, wie heftig das ist!“. Zum anderen, dass dabei die Einschaltquoten, auch gemessen an Rezos eigener Internet-Präsenz, durch die Decke gehen. Die bisherigen Klicks, die Rezo auf seinem Stammgebiet erreicht, liegen im Bereich von 2 Millionen, also in der Regel deutlich niedriger als im Fall des CDU-Zerstörungsvideos. Rezo selbst sagt, er sei absolut überrascht von den heftigen, überwiegend positiven Reaktionen auf das Video.
 

Mainstream-PR wird negiert

Vieles an dem Video widerspricht Grundaussagen der aktuellen offiziellen Wissenschaft darüber, wie Medien und Menschen funktionieren. Da ist die Dauer von 55 Minuten. „Geht gar nicht“, sagt dazu die PR-Wissenschaft; der moderne Mensch vertrage heute nur Häppchen. Was erst recht für schwere Kost mit Kopf-Beanspruchung gelte. Dann ist da die Präsentation und die Technik: Das Setting im Video ist nach den allgemeinen PR-Kriterien ausgesprochen fragwürdig, da höchst simpel: fast „zufällig“ stehen da zwei Keyboards und zwei Gitarren herum – ohne tieferen Sinn oder praktischen Zweck. An der Wand gibt es zwei sechseckige Regale; eines wird vom Kameraausschnitt angeschnitten. Auf dem Schreibtisch ein Lautsprecher und eine PC-Maus ...

Der Youtuber selbst im grell orangefarbenen Kapuzenpulli. Irgendwie lässig und scheinbar zufällig. Andererseits verweist die Aufschrift auf dem Hoodie – „The Architects“ – auf eine britische Band, deren Mitglieder, wie Rezo, vegan leben und deren Songs oft die Zerstörung der Welt durch die bestehende Produktions- und Lebensweise – und die notwendige Zerstörung des „empire“ – zum Thema haben. [2]

Und dann die Sprache! Jeder PR-Berater würde davon abraten, in diesem Tempo in einem Parlament oder auf einer Wahlveranstaltung zu reden. Doch Rezo spricht stakkato-schnell; man wird dabei mit Fakten förmlich beballert. Die dazwischen geblendeten Quellen können eigentlich nur gelesen werden, wenn man mehrmals flink die Stopptaste drückt – oder wenn man am Ende des Videos die auf der Website getrennt ausgewiesenen Quellen ansteuert und diese gewissermaßen in einem ergänzenden Selbsthilfekurs studiert. Die Bilder zur Unterteilung erinnern eher an eine Schülerzeitung. All das ist nicht stylish. Es entspricht nicht gängigen PR-Normen. Schon gar nicht denen im Polit-Business. Und gerade damit wirkt es authentisch. Ja, es ist authentisch.

Authentisch und originell ist, wenn nach einer Aussage von Rezo der Freund T. J. aus dem Off den Youtuber korrigiert oder etwas ergänzt. Fast noch besser als in der „Heute-Show“ sind die kurzen Film-Einblendungen mit Politikern und deren entlarvendes Gestammel: Ausschnitte aus Bundespressekonferenzen; ein untergründiges Interview mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und ein entlarvendes mit Sigmar Gabriel aus seiner Zeit als Außenminister.

Inhalte, hinter denen enorm viel Arbeit steckt

Bei den Inhalten ist alles vom Feinsten. Sehr gut zusammengestellte, gut dokumentierte und belegte Fakten aus den Bereichen Bildung, Soziales, Klimapolitik und Krieg/Frieden. Sehr beeindruckend dargestellt wird beispielsweise die Einbindung Deutschlands in die US-amerikanische Drohnen-Kriegführung. Hochnotpeinlich, wie da der damalige Bundesaußenminister Gabriel – hier also auch eine Breitseite SPD-Kritik – vorgeführt wird, der angeblich nicht weiß, wie die US-Army von Ramstein aus ihre tödlichen Drohnen-Attacken im Nahen und Mittleren Osten und in Afghanistan koordiniert und steuert.
Spricht Rezo vor allem ganz junge Menschen an? Teilweise ist das sicher der Fall aufgrund des geschilderten Backgrounds des Youtubers. Allerdings nennt Rezo Zahlen, wonach die Hälfte derjenigen, die das Video aufriefen, 18 bis 24 Jahre alt sein soll, ein Teil jünger, aber auch ein größerer Teil älter. Die Sprache von Rezo mag teilweise speziell Jugendliche ansprechen („Lol“; „ey“; „peace“; „wir sind gefickt“). Doch diese Formulierungen erscheinen eher als Versatzstücke. Rezo spricht formal und inhaltlich in erster Linie eines, nämlich Klartext.

So locker der Auftritt von Rezo auf den ersten Blick aussieht – das sind nicht 55 Minuten luftiges Gerede. Ganz offensichtlich steckt viel Arbeit in dem Stück. Den wesentlichen Aufwand betrieben dabei Rezo und sein Freund „T. J.“ bzw. ein nicht näher ausgeführtes „Team“ (teilweise, so der Youtuber, sei auch Rezos Vater eingebunden gewesen). Rezo selbst sagt, dass sie „hunderte Stunden“ Arbeit investiert hätten. Man erkennt auch Dutzende Schnitte im Video-Film.

Der Erfolg des Videos fällt damit nicht vom Himmel. Das Video wurde sorgfältig erarbeitet, zusammengestellt, geschnitten & montiert.
 

Was wirklich wirkt

In den Reaktionen auf das erfolgreiche Video überwiegen Verblüffung und Verständnislosigkeit. Es gibt auch den typischen Paternalismus – so, wenn es im Straubinger Tagblatt heißt: „Auch wenn es mitunter lästig ist: Politiker müssen sich mit den Argumenten der jungen Generation, deren Wohl ihnen angeblich am Herzen liegt, auseinandersetzen.“ Und es gibt harsche, stupide Verurteilung, so wenn ein Jasper von Altenbockum auf faz.net schreibt, es handle sich bei dem Video um „ein Machwerk“, bei dem es „einem übel wird beim Anschauen“. Insgesamt gelte für das Video: „Jeder Like ein Armutszeugnis“. Oder wenn man im Kölner Stadtanzeiger lesen muss:

„Rezos Treffer gleichen denen eines Jägers, der mit der Schrotflinte auf ein Ziel anlegt – und dabei zwar das Ziel trifft, aber auch Kollateralschäden anrichtet. [...] Wer Krawall macht, wird gehört. Wer den größten Krawall macht, kommt ins Fernsehen.“ Dort, wo Kritik an konkreten Aussagen im Rezo-Video geäußert wird, ist diese oberflächlich und könnte zu neuen Eigentoren beitragen. [3]

Das heißt: Im Großen und Ganzen wird die sensationell große Resonanz des „Die-Zerstörung-der-CDU-Videos“ als etwas aus dem Rahmen Gefallenes, etwas „Lästiges“ oder als etwas, was neben ein paar Zufallstreffern vor allem leere Propaganda enthalte, betrachtet. Die CDU wird kritisiert, weil sie zu spät, zu unbeholfen, zu wenig professionell reagiere.

Dabei drängt sich – zumal vor dem Hintergrund des vorangegangenen und parallel weiter stattfindenden Erfolgs der Fridays for Future-Bewegung – eine ganz andere Erkenntnis auf: Kluge Ansichten zur verlogenen Parteienlandschaft und tiefe Einsichten in die Funktionsweise des Kapitalismus kommen heute mehr als je zuvor in den vergangenen 50 Jahren gut an. Sie finden erstmals seit 1968 dann wieder ein breites Publikum, wenn sie gut präsentiert und argumentativ gut entwickelt werden. Und wenn der Mensch, der spricht, der diese Kritik vorträgt, eingeschätzt wird als nicht gekauft, als integer, als jemand, der von dem, was er sagt, überzeugt ist.

Die „Jugend“, die Sprache und das Medium Internet spielen dabei eine Rolle. Doch das ist nicht alles. Es geht keineswegs nur um sie und nicht unbedingt nur vermittelt über sie. Die älteren Herrschaften Bernie Sanders in den USA und Jeremy Corbyn in Großbritannien kommen bei jungen Leuten auch gut an, wenn und weil sie Wahrheiten auf den Gebieten soziale Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Kriegstreiberei aussprechen.

Das zeigt auch die Fridays for Future-Bewegung: Hier handelt es sich um eine nach zehntausenden jungen Menschen zählende Menge, die binnen weniger Wochen einen Lernprozess vollzieht, den andere in ihrem gesamten Leben nicht bewerkstelligen. FDP-Chef Lindner schon gar nicht. Dieser hat sich über die Schülerinnen und Schüler-Bewegung lustig gemacht – und zu Recht einen shitstorm geerntet. Dass es sich um eine ernsthafte und um eine integere Bewegung handelt, dass diese jungen Menschen engagiert bei der Sache sind, dass sie die Wahrheit suchen und vielfach finden – all das interessiert den Berufspolitiker Lindner und die von ihm in den Zeugenstand gerufenen „Profis“ nicht.

Greta Thunberg sagt inhaltlich – und weitgehend beschränkt auf das Thema Klima – Vergleichbares wie Rezo. Sie benutzt dabei keine four-letter-words. Der Autismus der jungen Frau unterstreicht möglicherweise besonders deutlich, dass es schlicht um die radikale Formulierung von Wahrheit geht. Wobei auch Frau Thunberg eine Person ist, die deshalb so überzeugend wirkt, weil sie persönlich integer erscheint (und im Januar 2019 die 25-Stunden-Strecke von Stockholm nach Davos mit der Eisenbahn fuhr).

Das Handelsblatt hat mit Blick auf das Rezo-Video argumentiert: „Die CDU ist weit weg von der Jugend. Sie verliert die junge Wählergeneration.“ Das dürfte sich als eine deutliche Unterschätzung des Die-Zerstörung-der-CDU-Videos und der breiten Solidarität der Youtuber-Gemeinde mit dem Rezo-Auftritt erweisen. Es geht nicht allein um die Jugend. Seit einigen Jahren erleben wir einen Prozess, in dem der Kapitalismus flächendeckend seine Überzeugungskraft verliert. Gleichzeitig eröffnen sich enorme Möglichkeiten für ein Engagement für eine Gesellschaft, in der anstelle von Profit, Gier und Wachstum der Mensch, das Klima und die Solidarität im Zentrum stehen.

Ok, bevor wir dieses anspruchsvolle Ziel erreichen, müssen wir noch eine Kleinigkeit erledigen und unseren Job der Zerstörung der vorherrschenden Politik zu Ende bringen. Seit´an Seit´mit Rezo und Greta und den 300.000, die allein in Deutschland am 25. Mai auf den Fridays for Future-Demos waren.

Lol & peace.

* * *

Anmerkungen

1. Im WM-2018-Song heißt es: „Wir sind alle Deutschland... [Lukas] Podolski ist Pole, aber er spielt nicht in Polen“. Tatsächlich besteht der Song aus der Aneinanderreihung von Antworten, die Rezo zum Thema Fußball-WM auf der Straße von Jugendlichen erhielt.

2. Aus dem Song Holy Hell von „The Architects“, veröffentlicht 2018:

“A single spark can start a forest fire / Light our match and burn down the empire / There’s gold buried in the blue, oh / There’s gold buried in the blue. / Holy Hell, I’ve got nothing left to lose / And I can tell there’s gold buried in the blue / Maybe we’ll never learn? /

“The fire at the gates is our saving grace / Remember, we were born to burn / There is a holy hell, where we can save ourselves / Holy Hell, I’ve got nothing left to lose / And I can tell there’s gold buried in the blue / But even the mountains erode in the rain / A single spark can start a forest fire / Light our match and burn down the empire / There’s gold buried in the blue, oh / There’s gold buried in the blue.”

3. So kritisiert der zitierte Jasper von Altenbockum in faz.net (vom 23.5.) die Aussagen von Rezo zur hohen und wachsenden Armut in Deutschland. Er schreibt u. a.:

„Dass auch die Unterschichten auf einem weit höheren Niveau liegen als noch vor zehn, zwanzig Jahren, passt nicht ins Bild. Was für Rezo zählt, ist der Eindruck, die Armen würden immer ärmer und die Reichen immer reicher. Dass Armut eine Frage der Definition ist – kein Wort darüber.“

Tatsache ist, dass es in Deutschland 2007 erst 657 Tafeln gab; aktuell sind es 941. Tatsache ist, dass die Zahl der Obdachlosen 2017 bei 227.000 lag, 2016 waren es bereits 860.000. Siehe: Bald könnte es 1,2 Millionen Menschen ohne Wohnung geben, Zeit Online, 14. Februar 2019

Tatsache ist, dass der Paritätische Wohlfahrtsverband explizit feststellt: Längerfristig betrachtet sei bei der Armutsentwicklung „ein ganz klarer Aufwärtstrend erkennbar.“ Jede Behauptung (so der Bundesregierung), es gebe hier ein „Stabilisierung“, sei falsch. Bericht des Paritätischen Gesamtverbandes: Jeder Sechste in Deutschland lebt in Armut, Tagespiegel, 13. Dezember 2018.


Zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2023