Otto Bauer

Oesterreichs Wirtschaftspolitik
und der Dualismus

(November 1907)


Der Kampf, Jahrgang 1 2. Heft, November 1907, S. 63–71.
Transkription u. HTML-Markierung: Einde O’Callaghan für das Marxists’ Internet Archive.


Die Einheit des österreichisch-ungarischen Zollgebietes ist durch die internationalen Handelsverträge bis zum Jahre 1917 gesichert, in welche Rechtsform immer sie auch gekleidet werden mag. So wichtig die Fragen auch sind, die durch die Ausgleichsgesetze geregelt werden sollen, an dem wichtigsten Teile unserer wirtschaftlichen Beziehungen zu Ungarn kann der neue Ausgleich nichts ändern.

Die Parteien, die die Regierung vor ihren Karren gespannt hat, wollen jedes Zugeständnis an Ungarn mit dem heuchlerischen Vorwande rechtfertigen, dass die Einheit des Wirtschaftsgebietes dieses Opfer heische. Aber die Einheit des Zollgebietes ist bis zum Jahre 1917 gesichert – sie braucht diesmal nicht mit schweren Opfern erkauft zu werden. Gerade diesen Ausgleich können wir nüchtern prüfen auf seine Bedeutung für unsere Staatsfinanzen und unser Steuerwesen, unser Verkehrswesen und unsere Währung – die Einheit des Zollgebietes steht jetzt nicht in Frage. Sollen wir Ungarn Opfer bringen, damit die volksfeindliche Koalition sich leichter im Besitze der Macht behaupte? Sollen wir Ungarn Subsidien zahlen, damit es sich besser zum Vernichtungskampfe gegen unsere Industrie wappnen kann?

Aber die Bedeutung der Einheit des Wirtschaftsgebietes für die ganze Gestaltung und Entwicklung unserer Volkswirtschaft ist so gross, dass von ihr auch bei der Beratung der neuen Ausgleichsgesetze immer wieder die Rede sein wird, obwohl ihr Fortbestand, durch internationale Verträge gesichert, für die nächsten zehn Jahre nicht ernsthaft angefochten werden kann und von der parlamentarischen Erledigung des Ausgleichs unabhängig ist. Niemand wird der Frage ausweichen können, welche Pflichten uns die Erkenntnis auferlegt, dass dieser Ausgleich von den herrschenden Klassen Ungarns nur als Vorbereitung zur Trennung des Zollgebietes abgeschlossen, als letzte Phase der Entwicklung des ungarischen Staates zu voller wirtschaftlicher Selbständigkeit betrachtet wird.

Was die Einheit des Wirtschaftsgebietes für Oesterreich bedeutet, zeigen uns recht anschaulich die im zwischenverkehrsstatistischen Amte des Handelsministeriums gearbeiteten Tabellen über den Aussenhandel und Zwischenverkehr der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder und der Länder der ungarischen Krone. Aus den Daten der Statistik des auswärtigen Handels des österreichisch-ungarischen Zollgebietes, aus der österreichischen Zwischenverkehrsstatistik und der ungarischen Warenverkehrsstatistik wurde da zum erstenmal der gesamte auswärtige Handel der westlichen Reichshälfte – sowohl mit Ungarn als auch mit dem Zollausland – berechnet. So erhalten wir ein zwar nicht im einzelnen genaues, aber doch im ganzen gewiss zutreffendes Bild der Verflechtung Oesterreichs in den internationalen Warenaustausch. [1] Dieses Bild berichtigt eine ganze Reihe landläufiger Irrtümer.

Wir sind gewohnt, darüber zu klagen, dass unsere Warenausfuhr so viel kleiner ist als die der grösseren und wirtschaftlich fortgeschritteneren kapitalistischen Staaten. Aber wenn auch der Export des österreichisch-ungarischen Zollgebietes in das Zollausland verhältnismässig gering ist, so ist doch die westliche Reichshälfte ein nicht unbedeutender Exportstaat. Im Jahre 1905 hat Oesterreich Waren im Werte von 3.017,5 Millionen Kronen nach Ungarn und in das Zollausland ausgeführt. Der Export des Deutschen Reiches betrug in demselben Jahre 6.743,2 Millionen Kronen. [2] Auf den Kopf der Bevölkerung entfiel in Oesterreich eine Warenausfuhr von K 110,77, im Deutschen Reiche von K 111,26. Beachten wir, dass im Deutschen Reiche ein weit grösserer Teil der Bevölkerung in der Industrie beschäftigt ist als in Oesterreich, dass ein grosser Teil unseres Landvolkes im Osten und Süden des Reiches noch überwiegend Güter nur für den Eigenbedarf des Haushaltes produziert und an der Warenerzeugung nur sehr geringen Anteil hat, so dürfen wir wohl behaupten, dass der Export für das Wirtschaftsleben unserer warenproduzierenden Bevölkerung nicht geringere Bedeutung hat als für ein so hochentwickeltes Wirtschaftsgebiet, wie das Deutsche Reich es ist. Diese Tatsache ist keineswegs überraschend. Sie ist zurückzuführen auf unsere Verschuldung: wir liefern einen Teil des Mehrwertes, den Oesterreichs Arbeiter erzeugen, in Gestalt von Waren an unsere ausländischen Gläubiger; sie hängt mit der Kleinheit unseres Wirtschaftsgebietes zusammen: je kleiner ein Wirtschaftsgebiet ist, desto mehr ist es – unter sonst gleichen Umständen – auf den Warenaustausch mit dem Auslande angewiesen; sie hat ihre Ursache endlich in der Tatsache, dass wir im Osten ein Absatzgebiet haben, das nicht durch Zölle gegen uns abgesperrt ist.

Den grössten Teil unseres Exports bildet aber die Ausfuhr von Fabrikaten. Im Jahre 1905 haben wir ausgeführt:

 

in Tausenden von Kronen

Rohstoffe

   850.026

Halbfabrikate

   385.351

Ganzfabrikate

1.782.112

Von den aus Oesterreich exportierten Waren findet nun ein grosser Teil – von den Fabrikaten ein grösserer Teil als von den Rohstoffen – seinen Absatz in Ungarn. Im Jahre igo5 betrug unsere Ausfuhr nach Ungarn:


Wert in Tausenden
Kronen

in Prozenten
der gesamten Ausfuhr

Rohstoffe

103.250

12,1

Halbfabrikate

118.703

30,8

Ganzfabrikate

781.275

43,8

Ungarn ist das wichtigste Absatzgebiet für unseren Export, es ist vor allem der wichtigste Markt für unsere Industrieprodukte.

Die grösste Bedeutung hat der ungarische Markt für unsere Baumwollindustrie. Oesterreich hat im Jahre igo5 rohe Baumwolle, Baumwollabfälle und Baumwollgarn im Werte von 217,6 Millionen Kronen eingeführt, dagegen Baumwollgarn im Werte von 23,7 Millionen Kronen und Baumwollwaren im Werte von 177 Millionen Kronen nach Ungarn ausgeführt. Das Deutsche Reich hat in demselben Jahre Baumwolle, Baumwollabfälle und Baumwollgarn im Werte von 499,3 Millionen Mark eingeführt, dagegen insgesamt Baumwollgarn im Werte von 34,1 Millionen Mark und Baumwollwaren im Werte von 376,9 Millionen Mark ausgeführt. Der Wert des österreichischen Baumwollwarenexports nach Ungarn allein beträgt 93,15 Prozent des Wertes des eingeführten Rohstoffes, der Wert der gesamten reichsdeutschen Baumwollwarenausfuhr nur 82,31 Prozent des Wertes des importierten Rohstoffes.

Insgesamt beträgt unser Export nach Ungarn:

 

in Tausenden
Kronen

in Prozenten
der gesamten Ausfuhr

Baumwollgarn

  25.661

72,4

Baumwollwaren

177.025

70,2

Aehnliche Verhältnisse bestehen auch in einer Reihe von anderen Industrien.

 

Ausfuhr nach Ungarn

in Tausenden
Kronen

in Prozenten der
gesamten Ausfuhr

Leinenwaren

  15.785

43,3

Seilerwaren

    2.690

54,1

Wollwaren

107.248

63,5

Seidenwaren

  34.790

68,4

Kleidung, Wäsche, Putzwaren

  64.337

51,3

Leder, Lederwaren

  62.592

48,8

Steinwaren

    8.184

52,0

Eisen, Eisenwaren

  52.792

41,3

Maschinen, Maschinenbestandteile

  43.231

64,4

Chemische Produkte

  15.859

44,5

Wohl dürfte sich in den letzten beiden Jahren, für die uns die Berechnung des Anteils der westlichen Reichshälfte an dem Aussenhandel des Zollgebietes noch nicht vorliegt, das Verhältnis etwas verändert, der Anteil unseres Exports nach Ungarn an unserer gesamten Ausfuhr etwas verringert haben, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Eroberungen, die wir in den letzten Jahren auf dem Weltmarkt gemacht haben, nur eine Folge der Hochkonjunktur in den höher entwickelten Wirtschaftsgebieten sind und zum Teil wieder verloren gehen werden, sobald der innere Markt in Deutschland, England, Belgien, Italien die über das normale Mass gesteigerte Aufnahmsfähigkeit wieder einbüsst und die Konkurrenz auf dem Weltmarkt wieder stärker einsetzt.

Um den kleinsten freien Markt ringen heute zähe und hartnäckig die grössten und mächtigsten Staaten. Canada begünstigt die britische Einfuhr gegenüber der deutschen – und Europa zittert vor einem Weltkrieg zwischen Britannien und dem Deutschen Reich. Deutschland fürchtet, vom marokkanischen Markte ausgeschlossen zu werden – und stundenlang bleiben in Frankreich die wichtigsten Telegraphenlinien für den Privatverkehr gesperrt, um, wenn nötig, die Mobilisationsorder befördern zu können. Für uns aber steht ein Markt in Frage, der, auf den Kopf der Bevölkerung des Ausfuhrlandes berechnet, fast doppelt so viel von unseren Waren abnimmt wie der britische Markt von den Industrieprodukten Deutschlands – und wir reden davon mit beneidenswertem Gleichmut wie von einer Sache, die nur die Staatsrechtslehrer und die Berufspolitiker angeht!

Denn dass die Errichtung einer Zolllinie zwischen Oesterreich und Ungarn den Export unserer Industrieprodukte ernsthaft gefährden würde, kann niemand bestreiten. Ungarische Industriezölle würden zunächst die Preise unserer Waren auf dem ungarischen Markte um einen Teil des Zollbetrages erhöhen. Diese Preissteigerung würde vier Reihen von Wirkungen auslösen. Sie würde erstens die Aufnahmsfähigkeit des ungarischen Marktes überhaupt verringern; da unsere Baumwollgewebe in Ungarn teurer würden, könnte uns der ungarische Bauer weniger Waren abnehmen als bisher. Die Preissteigerung würde zweitens die Konkurrenzfähigkeit der ungarischen Industrie gegenüber der unseren erhöhen; die ungarischen Fabrikanten würden unserer Industrie mit mehr Aussicht auf Erfolg den Markt streitig machen. Dies hätte zur Folge, dass österreichisches Kapital lieber in Ungarn als in Oesterreich Anlage suchen würde; die dritte Folge der Trennung des Zollgebietes wäre also die Förderung des Kapitalexportes nach Ungarn. Das Wachstum der österreichischen Industrie würde dadurch verlangsamt, das nach Ungarn abfliessende Kapital ginge dem österreichischen Arbeitsmarkte verloren. Endlich würde viertens der ausländischen Industrie der Wettbewerb mit der unseren auf dem ungarischen Markte erleichtert. Im Falle eines Zollkrieges mit Ungarn, ja selbst im Falle eines Handelsvertrages, der uns auf den Genuss der Meistbegünstigung beschränkt, also den anderen Staaten gleichstellt, würden wir gewiss einen Teil des ungarischen Marktes an Deutschland und England, die billiger produzieren als wir, an Italien, das seine Waren auf dem kurzen und billigen Seeweg nach Fiume werfen kann, verlieren. Und selbst wenn wir mit Ungarn ein einheitliches Wirtschaftsgebiet nach aussen bilden würden, das nur im Innern durch eine Zwischenzolllinie in zwei (oder drei) Teile geteilt würde, wäre die Konkurrenz des Auslandes auf dem ungarischen Markte für uns um so gefährlicher, je höher die Zwischenzölle und je geringer die Spannung zwischen dem Auslandszoll und dem Zwischenzoll wäre.

Gewiss würde unsere Industrie den ungarischen Markt nicht mit einem Schlage und niemals zur Gänze verlieren. Die ungarische Industrie wird sich gewiss nur allmählich entwickeln können. Ungarn fehlt es an Kapital: aber die Zolltrennung wird den Zinsfuss und die Rate des Unternehmergewinns in Ungarn erhöhen, in Oesterreich senken, sie wird dem Kapital in Ungarn neue Anlagesphären erschliessen, in Oesterreich die Möglichkeiten gewinnbringender Anlage beschränken; kann man daran zweifeln, dass die Pester Banken, die Ableger der Wiener Bankinstitute sind, das nötige Kapital zum Ausbau der ungarischen Industrie aufbringen würden? Wohl fehlt es Ungarn auch an geschulten Arbeitskräften. Aber diesen Mangel hat bisher jedes Land, hat auch Oesterreich vor ein paar Jahrzehnten zu überwinden gewusst. Ungarn wird sich eine geschulte Arbeiterschaft um so leichter erziehen können, als der Prozess der Ersetzung gelernter Arbeiter durch angelernte oder ungelernte in der modernen Industrie bereits weit fortgeschritten ist. Und wenn die Arbeitsleistung dieser Arbeiter auch geringer sein wird als die ihrer österreichischen Kollegen, so werden die ungarischen Unternehmer doch darin Entschädigung finden, dass diese armen, kulturlosen Menschen eine grössere Ausbeutung, niedrigere Löhne bei längerer Arbeitszeit ertragen als die österreichischen Industriearbeiter. Auch hat jede neue Industrie den grossen Vorteil, dass sie die neuesten Maschinen, die modernsten Verfahrungsweisen in ihren Dienst stellen kann, während der Produktionsapparat ihrer älteren Konkurrenten stets zum grossen Teile veraltet ist; dieser wichtige Vorteil, der zu den grossen Erfolgen der deutschen und amerikanischen Industrie im Kampfe gegen die englische so viel beigetragen hat, wird auch der ungarischen Industrie den Kampf gegen die österreichische Konkurrenz gewiss erleichtern. Schon in den letzten Jahren hatte die ungarische Industriepolitik beträchtliche Erfolge zu verzeichnen; [3] die Zolltrennung gibt ihr die wuchtigste Waffe in die Hand. Und wenn es auch richtig ist, dass die Industrialisierung eines Landes seinen Warenverkehr mit dem Ausland nicht notwendig beschränken muss, so trifft dies doch natürlich nicht zu, wenn gerade die Hemmung des Warenaustausches mit den Nachbarländern als Mittel zur Industrialisierung benützt wird.

Auch die ausländische Konkurrenz wird uns den ungarischen Markt gewiss nicht gänzlich rauben können. Wir können Ungarn den Warenverkehr mit dem Auslande durch tarifpolitische Massnahmen erschweren; aber man vergesse nicht, dass Ungarn bei Fiume an Italien, durch die Donau, die völkerrechtlich ein freier Strom ist, an das Schwarze Meer und bei Passau an das Deutsche Reich grenzt. Wir kennen den ungarischen Markt besser als unsere ausländischen Konkurrenten; aber in der kapitalistischen Gesellschaft ist auch die persönliche Kenntnis, auch die individuelle Erfahrung käuflich. Der Handlungsreisende, der heute österreichische Waren in Ungarn vertreibt, wird seine Beredsamkeit um guten Lohn auch in den Dienst deutscher, englischer oder italienischer Fabrikanten stellen.

Wir werden gewiss auch im schwersten Konkurrenzkämpfe einen Teil des ungarischen Absatzgebietes behaupten; aber wir werden nicht minder gewiss infolge der Zolltrennung einen Teil unseres Exports nach Ungarn verlieren. Wie gross dieser Teil sein wird, hängt von den konkreten Bedingungen der Zolltrennung ab. Ein Zollkrieg mit Ungarn würde eine schwere Krise unserer Industrie herbeiführen; in jedem Falle aber befällt unsere industrielle Produktion im Augenblicke der Zolltrennung eine schwere Depression. Für die Arbeiter Oesterreichs bedeutet die Trennung des Wirtschaftsgebietes, die Verringerung unseres Absatzes in Ungarn und die Auswanderung unseres Kapitals nach der anderen Reichshälfte zweierlei: erstens eine Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt, die Vermehrung der Arbeitslosigkeit und die Erschwerung des gewerkschaftlichen Kampfes, zweitens die Verlangsamung unserer industriellen Entwicklung, also auch des Wachstums der industriellen Arbeiterschaft und ihrer Macht und Bedeutung im sozialen und politischen Leben.

Wir sind gegen Ungarn nicht wehrlos. Die ungarische Landwirtschaft ist auf den österreichischen Markt in noch höherem Grade angewiesen als die österreichische Industrie auf das ungarische Absatzgebiet. Durch Agrarzölle gegen Ungarn könnten wir die ungarische Volkswirtschaft schwer treffen. Und die österreichischen Agrarier, die heute, unbekümmert um die Lebensinteressen der österreichischen Industrie, die wirtschaftliche Trennung von Ungarn fordern, werden im Augenblicke der Zolltrennung gewiss plötzlich von tiefstem Mitleid für die Leiden der gewerblichen Bevölkerung erfüllt sein und verlangen, dass wir die Schädigung unserer Industrie durch hohe Agrarzölle gegen Ungarn rächen. Sie wissen wohl, warum! Aber die Anwendung dieser Waffe würde uns selbst am meisten schädigen und die Leiden unserer Arbeiterklasse ins Unerträgliche steigern.

Die österreichische Landwirtschaft ist nicht imstande, den Getreidebedarf unserer Bevölkerung zu decken. Im Jahre 1905 betrug die Roggen- und Weizenernte in Oesterreich 39.781.334 Meterzentner. Von dieser Ernte muss aber ein Teil als Saatgut, ein anderer Teil als Viehfutter verwendet werden. Nehmen wir an, dass 2 Meterzentner für jeden Hektar der mit Getreide bebauten Fläche als Saatgut verwendet und dass 25 Prozent der Roggenernte verfüttert werden und sehen wir selbst von der Tatsache ab, dass doch auch ein, wenn auch bedeutend kleinerer Teil der Weizenernte als Viehfutter Verwendung findet, so werden doch mindestens 12.434.330 Meterzentner Roggen und Weizen dem menschlichen Konsum entzogen. Der Reinertrag der Roggen- und Weizenernte betrug also höchstens 27.333.004 Meterzentner, das sind 100,41 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung. [4]

Dieser Ertrag der heimischen Landwirtschaft reicht bei weitem nicht zu, unsere Bevölkerung zu ernähren. Wir müssen daher alljährlich grosse Mengen Getreide aus Ungarn und aus dem Zollausland nach Oesterreich einführen. Der Ueberschuss unserer Roggen- und Weizeneinfuhr über die Ausfuhr betrug im Jahre 1905 8.120.823 Meterzentner. Ausserdem haben wir aber noch um 5.965.621 Meterzentner mehr Mehl eingeführt, als wir in demselben Jahre ausgeführt haben. Nehmen wir an, dass 100 Kilogramm Getreide eine Ausbeute von 70 Kilogramm Mehl ergeben, so kommt dieser Einfuhrüberschuss in Mehl einer Mehreinfuhr von 8.522.316 Meterzentnern Getreide gleich. Zählen wir diese Summe zu dem Einfuhrüberschuss in unvermahlenem Roggen und Weizen hinzu, so kommen wir zu dem Ergebnis, dass Oesterreich im Jahre 1905 um 16.643.139 Meterzentner Roggen und Weizen (roh und vermahlen) mehr eingeführt hat, als es ausführen konnte. Wir decken also unseren Bedarf an Brotgetreide in folgender Weise:

Reinertrag der Roggen- und Weizenernte

27.353.004

Einfuhrüberschuss in Roggen und Weizen, roh und vermahlen

16.643.139

Konsum von Brotgetreide

43.996.143

Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet:

 

Kilogramm

Eigener Erntereinertrag

100,41

Einfuhrüberschuss

  61,10

Konsum

161,51

Welche Bedeutung diese Zahlen haben, werden wir sofort erkennen, wenn wir sie mit den entsprechenden Angaben für das Deutsche Reich vergleichen. Im Deutschen Reiche betrug im Jahre 1905 die Roggen- und Weizenernte 133.067.090 Meterzentner, nach Abzug von 2 Meterzentnern per Hektar Anbaufläche als Saatkorn und 25 Prozent der Roggenernte als Viehfutter 92.904.602 Meterzentner. Der Einfuhrüberschuss in Roggen und Weizen betrug 23.751.740 Meterzentner. Dagegen führt das Deutsche Reich – im Gegensätze zu Oesterreich – mehr Getreidemehl aus, als es importiert. Im Jahre 1905 betrug der Ausfuhrüberschuss in Roggen- und Weizenmehl 1.775.720 Meterzentner, was bei Annahme einer 70 prozentigen Ausbeute einer Ausfuhr von 2.536.740 Meterzentnern Getreide gleichkommt. Ziehen wir diese Summe von dem Einfuhrüberschuss des Handelsverkehrs mit unvermahlenem Roggen und Weizen ab, so verbleibt ein Einfuhrüberschuss von 21,215.000 Meterzentnern. Das Deutsche Reich deckt also seinen Bedarf an Brotgetreide in folgender Weise:

 

Meterzentner

Reinertrag der Roggen- und Weizenernte

  92.904.602

Einfuhrüberschuss in Roggen und Weizen, roh und vermahlen

  21.215.000

Konsum

114.119.602

Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet:

 

Kilogramm

Reinertrag der eigenen Ernte

153,30

Einfuhrüberschuss

35,00

Konsum

188,30

Vergleichen wir diese Ergebnisse mit den für Oesterreich berechneten, so sehen wir zunächst, dass die österreichische Bevölkerung weit weniger Roggen- und Weizenbrot konsumiert als die reichsdeutsche. Der Reichsdeutsche verzehrt jährlich 188,30 Kilogramm Brotgetreide, der Oesterreicher muss sich mit 161,51 Kilogramm begnügen. Trotz der Unterernährung der österreichischen Bevölkerung müssen wir aber einen weit grösseren Teil unseres Getreidebedarfes durch Einfuhr aus dem Ausland decken als das Deutsche Reich: 37,83 Prozent des österreichischen, dagegen nur 18,59 Prozent des reichsdeutschen Getreidebedarfes werden durch die Zufuhr aus dem Ausland befriedigt. Oesterreich ist also noch in weit höherem Grade ein Agrarimportland als selbst das Deutsche Reich.

Von dem nach Oesterreich importierten Getreide wird nun der grösste Teil aus Ungarn eingeführt. Im Verkehr zwischen Oesterreich und Ungarn betrug unser Einfuhrüberschuss in Roggen und Weizen 7.297.011 Meterzentner, in Mehl 6.098.745 Meterzentner. Rechnen wir diesen Mehlimport wiederum unter Annahme einer 70 prozentigen Ausbeute in Getreideimport um, so kommen wir zu dem Ergebnis, dass Oesterreich insgesamt an rohem und vermahlenem Roggen und Weizen aus Ungarn um 16.009.504 Meterzentner mehr einführt, als es in die andere Reichshälfte exportiert. Oesterreichs Getreideeinfuhrüberschuss im Verkehr mit Ungarn beträgt 58,77 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung, 96,91 Prozent des gesamten österreichischen Einfuhrüberschusses, 36,39 Prozent des gesamten österreichischen Konsums. Auf den Kopf der Bevölkerung des Importlandes berechnet, führt Oesterreich aus Ungarn bedeutend mehr Brotgetreide ein als das Deutsche Reich aus dem ganzen Zollausland. Von dem Brotbedarf Oesterreichs wird durch die ungarischen Importe allein ein beinahe doppelt so grosser Teil gedeckt als von dem Brotbedarf des Deutschen Reiches durch die Einfuhr aus dem ganzen Zollausland.

Daraus folgt, dass ein österreichischer Getreidezoll gegen Ungarn den österreichischen Brotkonsumenten weit schwerer belasten würde, als selbst der reichsdeutsche Brotkonsum durch die Getreidezölle belastet wird. Wenn wir auf ungarische Industriezölle gegen Oesterreich mit österreichischen Getreidezöllen gegen Ungarn antworten würden, so würden wir die ungarische Landwirtschaft freilich empfindlich schädigen, gleichzeitig aber auch den österreichischen Konsumenten eine schier unerträgliche Last auferlegen. Wir hätten dann in einem Zeitpunkt, in dem, wenn nicht eine schwere Krise, so doch gewiss eine schleichende Depression über die österreichische Industrie hereinbricht, auch noch das teuerste Brot in Europa!

Aber nicht nur Brotgetreide, sondern auch die anderen Erzeugnisse der Landwirtschaft und Viehzucht werden in grossen Mengen aus Ungarn eingeführt. Dem Werte nach betrug unsere Einfuhr aus Ungarn im Jahre 1905:

 

In Tausenden
Kronen

in Prozenten der
gesamten Einfuhr
nach Oesterreich

Weizen

  86.801

92,6

Roggen

  37.223

88,7

Gerste

  30.155

94,0

Hafer

  34.667

81,6

Getreidemehl

157.090

99,8

Schlacht- und Zugvieh

195.045

93,0

Andere Tiere (insbesondere Geflügel, Fische)

  18.013

54,8

Fleisch

  13.661

81,9

Auch Mais, Gemüse, Obst, Milch, Eier, Felle, Häute, Fettwaren werden in beträchtlichen Mengen aus Ungarn importiert. Agrarzölle gegen Ungarn würden also fast alle Lebensmittel und die wichtigsten Futtermittel und industriellen Rohstoffe verteuern!

Zur Liebe kann man niemanden zwingen. Wenn Ungarn unseren Industrieprodukten seinen Markt versperren will, können wir es daran nicht hindern. Und wenn wir mit hohen Agrarzöllen gegen Ungarn antworten wollten, würden wir nur uns selbst am meisten schädigen. Sind wir also gegen Ungarn wirklich wehrlos?

Wir sind es nicht, wenn wir uns entschliessen, im Augenblicke der Zolltrennung unsere Wirtschaftspolitik gegenüber dem Ausland völlig zu verändern. Zwar darf man nicht glauben, dass es uns gelingen könnte, für den ungarischen Markt vollwertigen Ersatz zu finden, wenn sich unsere Industriellen nur entschliessen, den Export auf den freien Weltmarkt zu »forcieren«. Denn unsere Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt hängt von objektiven Produktionsbedingungen ab, die wir nicht mit einem Schlage verändern können. Unsere Industrie ist von schweren Steuern belastet: darin drückt sich die ganze Entwicklung unserer Staatsfinanzen aus, die selbst das Produkt der ganzen Geschichte unseres Staates ist; wir können unsere Geschichte nicht ungeschehen machen. Ein Gebirgswall trennt unsere Industriegebiete vom Meere: wir können ihn nicht abtragen. Die wirtschaftlichen Fähigkeiten unserer Unternehmer, Kaufleute, Arbeiter sind von dem ganzen Kulturniveau unserer Bevölkerung abhängig; es zu heben, kann nur der späte Erfolg einer langen Erziehungsarbeit sein. Auf den freien Weltmarkt dürfen wir also nicht allzu grosse Hoffnungen setzen.

Auch das Rezept alldeutscher Phantasten, dass wir in einem Zoll- und Handelsbündnis mit dem Deutschen Reiche für den Verlust des ungarischen Marktes Ersatz suchen sollen, kann die schwere Krankheit nicht heilen, die unserer Volkswirtschaft droht. Soll das Deutsche Reich unsere Industrieprodukte kaufen und uns Korn und Vieh liefern? Und wie könnten wir die wirtschaftliche Einheit mit dem Reiche, die doch auch ein politisches Problem ist, der Krone, den schwarz-gelben Klerikalen, den slawischen Nationen abringen?

Ein ganz anderer Weg steht uns offen, wenn wir die furchtbaren Gefahren verringern wollen, mit denen die Zolltrennung von Ungarn die Lebenshaltung der österreichischen Arbeiterschaft bedroht. Wir müssen den Agrarprodukten unserer östlichen und südlichen Nachbarn – Russlands, Rumäniens, der Balkanstaaten – unsere Grenze öffnen und dafür von diesen Staaten das Recht erkaufen, unsere Industrieprodukte auf ihren Markt zu führen. Nur eine freihändlerische Handelsvertragspolitik mit dem Osten schafft unserer Industrie neuen Absatz und sichert uns zugleich die Zufuhr der Lebensmittel und Rohstoffe, die wir nicht entbehren können. Freihandel nach Osten – das ist die Maxime der Wirtschaftspolitik, die die drohende Möglichkeit der Zolltrennung von Ungarn uns gebieterisch auferlegt.

Indessen stossen wir auf grosse Schwierigkeiten, wenn wir die Möglichkeit einer solchen Wirtschaftspolitik erwägen. Zunächst wird ja wahrscheinlich die Monarchie auch nach dem Jahre 1917 eine zollpolitische Einheit nach aussen bilden und die Ungarn werden sich mit der Errichtung einer Zwischenzolllinie begnügen. Solange dies der Fall ist, müssen die beiden Reichshälften gleichlautende Handelsverträge mit den anderen Staaten abschliessen; die Ungarn, die stets unseren Warenverkehr mit Russland und den ßalkanstaaten einzuschränken bemüht waren, werden unsere Handelsvertragspolitik mitbestimmen. Aber selbst in diesem Falle wäre es von grösster Bedeutung, wenn nur Oesterreich entschlossen eine freihändlerische Umgestaltung unserer Handelsbeziehungen mit dem Osten fordern wollte und die Ungarn unser Verlangen wenigstens teilweise befriedigen müssten, um die günstigere Behandlung des ungarischen Getreides und Viehs an der österreichischen Grenze zu erkaufen. Die Entschlossenheit zu einer freihändlerischen Politik nach Osten würde Oesterreichs Machtstellung in den Vertragsverhandlungen mit Ungarn stärken, würde uns befähigen, uns von den ungarischen Machthabern manches wertvolle Zugeständnis zu erringen.

Heute entbehren wir diesen Vorteil, weil Ungarn sehr wohl weiss, dass die österreichischen Agrarier mächtig genug sind, eine solche Politik zu verhindern. Gelingt es uns nicht, die Uebermacht der Agrarier zu brechen, dann harren schlimme Zeiten unserer gesamten Volkswirtschaft. An dem hoch lodernden Brande, der ein altes Reich verzehrt, wird die agrarische Selbstsucht ihr Süppchen kochen. Sie wird ruhig zusehen, wie Ungarn uns seine Grenzen sperrt – was kümmert es sie, wenn die Löhne sinken und Tausende ihre Arbeitsstelle verlierend Sie wird Oesterreichs Leib einschnüren mit dem Hungerriemen ihrer Agrarzölle – die Renten der Grundherren steigen ja, wenn die Massen hungern. Sie wird hohnlachend das Verlangen abweisen, durch die Oeffnung unserer Grenzen nach dem Osten und Südosten dem Volke Brot, der Industrie neuen Absatz zu schaffen – aus dem Elend der industriellen Bevölkerung schöpft sie ja wachsenden Gewinn. Die Machtstellung der österreichischen Agrarier macht uns gegen Ungarn wehrlos, lässt uns die Gefahren der Zolltrennung so furchtbar erscheinen, versperrt uns den letzten Ausweg zur Rettung aus arger Bedrängnis. Wollen wir dafür sorgen, dass im Augenblicke der Zolltrennung die Interessen des österreichischen Industrievolkes, die Interessen der Brot- und Fleischkonsumenten nicht missachtet werden, wollen wir durch ein System freihändlerischer Verträge die Fortentwicklung unserer Industrie sicherstellen gegen alle Anschläge der magyarischen Herrenklassen, dann müssen wir die Alleinherrschaft der Agrarier in Oesterreich brechen.

Die Einheit des Wirtschaftsgebietes ist im Augenblicke unbestritten; um ihretwillen brauchen wir jetzt auf kein Recht zu verzichten, keinen Kreuzer zu opfern. Die Erhaltung der wirtschaftlichen Einheit heischt heute kein Opfer von Oesterreich. Die Erkenntnis der Notwendigkeit des einheitlichen Zollgebietes enthebt uns nicht der Pflicht, die staatsfinanziellen und die steuerpolitischen, die Verkehrs- und währungspolitischen Interessen Oesterreichs und seiner Völker gegen die anmassenden Wünsche des magyarischen Adels zu verteidigen. Das Zollgebiet ist für die nächsten zehn Jahre gesichert – um seinetwillen brauchen wir heute keinen Kreuzer österreichischen Geldes zu opfern. Eine ganz andere Pflicht erwächst uns aus der Erkenntnis der Grösse der kommenden Gefahren. Wir müssen Oesterreichs Völker zu wirtschaftspolitischem Denken erziehen. Wir müssen zunächst die Arbeiterklasse lehren, ihre ganze Kraft im Kampfe gegen den Rentenhunger übermütiger Agrarier einzusetzen. Wir müssen aber auch dem Bürgertum zeigen, was auf dem Spiele steht – so werden wir den bürgerlichen Parteien, Christlichsozialen und Deutschnationalen vor allem, es unmöglich machen, die Interessen ihrer städtischen Wähler auch in Zukunft den Agrariern zu verkaufen und zu verraten. Wir müssen den Deutschen zeigen, dass die Schädigung unserer Industrie, die Verteuerung aller Lebensmittel keine der österreichischen Nationen so schwer trifft wie die deutsche – wir wollen sehen, ob die deutschnationalen Parteien auch dann noch sich dem Kommando des Herrn Reichsritters von Hohenblum willig unterwerfen werden. Wir müssen das Lügenwort von der agrarischen Interessensolidarität zerfasern. Sollten es unsere Alpenbauern, die Viehzüchter, Holz- und Weinproduzenten sind, wirklich nicht begreifen, dass die Verteuerung der Brotfrüchte und Futtermittel auch ihre Interessen schwer schädigt? [5] Ein Werk der Erziehung ist hier zu vollbringen; es stellt unserer Bildungstätigkeit und unseren Organisationen, unserer Agitation und unserer Presse neue Aufgaben. Zehn Jahre sind im Leben der Völker ein kurzer Zeitraum; nutzen wir sie, um die Volksmassen zu lehren, was die Sorge um die Entfaltung unserer wirtschaftlichen Kräfte, um die Lebenshaltung der Arbeiterschaft, um die kulturelle Entwicklung der Nation von unserer Wirtschaftspolitik fordert! Gelingt uns das neue Erziehungswerk, begreifen die Wähler des gleichen Stimmrechts die grosse Frage, über die sie in wenigen Jahren entscheiden werden, dann braucht uns um die Zukunft nicht bange zu sein.

* * *

Fussnoten

1. Der Aussenhandel Bosniens und der Herzegowina ist hierbei in den Anteil Oesterreichs eingerechnet. Die Berechnungen liegen uns für die Jahre 1901 bis 1905 vor. Ausserdem wurden im folgenden die Daten der reichsdeutschen Aussenhandelsstatistik und das Statistische Jahrbuch des k. k. Ackerbauministeriums benützt. Die Bevölkerungszahl wurde für das Deutsche Reich mit 60,605.183 (Volkszählung vom 1. Dezember 1905), für Oesterreich mit 27.240.797 (berechnete Bevölkerung am 31. Dezember 1904) eingesetzt.

2. Bei beiden Staaten ist der Export von Edelmetallen und Münzen hierbei nicht eingerechnet.

3. In den Jahren 1897 bis 1906 wurden in Ungarn 321 Aktienbanken mit einem Aktienkapital von 70 Millionen Kronen, 491 industrielle Aktiengesellschaften mit einem Kapital von 300 Millionen Kronen, 66 Kleinbahnen und Schifffahrtsgesellschaften mit einem Aktienkapital von 273 Millionen Kronen gegründet. In den Jahren 1890 bis 1905 erhielten 693 Fabriken staatliche Begünstigungen; von ihnen sind 100 = 14 Prozent äusser Betrieb, die übrigen 593 Fabriken beschäftigen 68.361 Arbeiter. Volkswirtschaftliche Mitteilungen aus Ungarn, I. Jahrgang, 1. Heft, und II. Jahrgang, 1. Heft.

4. Im Jahresdurchschnitt 1896 bis 1905 betrug der Bruttoertrag der Roggen- und Weizenernte 32.539.800 Meterzentner, nach Abzug von 25 Prozent der Roggenernte als Viehfutter und 2 Meterzentner per Hektar Anbaufläche als Saatgut verbleiben als Reinertrag 21.726.958 Meterzentner, das sind 83 Kilogramm auf den Kopf der mittleren Bevölkerung.

5. Im Jahresdurchschnitt 1896 bis 1905 betrug der Bruttoertrag der Roggen- und Weizenernte in den deutschen Alpenländern 2.235.800 Meterzentner. Nach Abzug von Saatgut und Vieh-futter verbleibt ein Reinertrag von 1.391.704 Meterzentnern, das ist 48 Kilogramm auf den Kopf der mittleren Bevölkerung, also etwa ein Drittel des durchschnittlichen Konsums. Die deutschen Alpenländer sind Agrarimportländer

 


Leztztes Update: 10. Oktober 2022